Sonntag, 27.7.2008 - Auf Safari mit Rangerchief Joshua

 

Die erste Nacht im Zelt war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Obwohl wir mit kurzen Unterbrechungen ganz gut geschlafen haben, stehen wir erst um 6.00 Uhr auf - eigentlich viel zu spät, denn wir haben uns für 6.30 Uhr mit Joshua, dem Rangerchief oben am Gate verabredet. Mit ihm wollen wir zunächst auf Frühpirsch und gegen 9.30 Uhr zum Headquarter, um Brian Heath unsere Aufwartung zu machen und mit ihm einige Angelegenheiten zu besprechen.

Aber ein wenig Zeit zum Wachwerden muss einfach sein und das geht am besten unter einer kalten Dusche und mit einem starken Kaffee bzw. für die Männer (Joachim und Octavian) mit einem Tee.

Kurz vor 7.00 Uhr sind wir dann auch schließlich am Gate - und da hier in Kenya eh alles pole pole läuft und selten jemand pünktlich irgendwo erscheint, nimmt Joshua unsere halbe Stunde Verspätung ganz gelassen hin.

Nachdem wir unseren Eintritt am Gate bezahlt haben, steigt er zu uns ins Auto und unsere Frühpirsch kann beginnen.

Zunächst sehen wir ein Löwenpaar, das mitten im Gras stehend Ausschau hält. Durch unser Fernglas entdecken wir dann mit Joshuas Hilfe zwei Rhinos.

Hält das Paar Ausschau nach einem ruhigen Schlafplätzchen
Früh am Morgen sehen wir gleich ein Löwenpaar...
oder befinden sich die beiden noch auf der Jagd und suchen nach einer passenden Beute?
... und weiter hinten Rhinos (Pfeil)

Es handelt sich um ein Muttertier mit ihrem Jungen. Leider können wir es nur schemenhaft ausmachen. Daher versuchen wir mit unserem Fahrzeug einen Weg zu finden, auf dem wir etwas näher an die Nashörner herankommen. Querfeldein zu fahren ist im National Reserve aus gutem Grund verboten. Die Fahrzeuge würden enorme Schäden in der natürlichen Vegetation anrichten und auch die Tiere hätten nicht mehr genügend Rückzugs- und Ruhemöglichkeiten, wenn sie querfeldein von den z.T. doch recht zahlreichen Safarifahrzeugen verfolgt würden.

Wir finden tatsächlich in angemessener Entfernung eine bessere Position um unsere ersten frei lebenden Nashörner in der Masai Mara zu beobachten.

Rhino mit Jungtier

Wir fahren weiter und treffen kurze Zeit später auf eine Elefantenherde, die ebenfalls Junge mit sich führt. Sie laufen direkt auf den Weg zu, auf dem wir mit unserem Auto stehen, halten immer wieder inne, um zu fressen,  und so haben wir in der nächsten halben Stunde das Vergnügen, diese mächtigen Tiere zu studieren. Die jüngsten Tiere der Herde sind gerade mal 3 Monate und bleiben auf Schritt und Tritt bei ihren Müttern. Nur eines der ganz Kleinen prescht neugierig voraus und streckt immer wieder seinen kleinen Rüssel in die Luft.

Wir können uns besonders an den jungen Elefanten gar nicht satt sehen, doch irgendwann ist die Herde an uns vorbei und zieht von dannen. Mittlerweile ist es auch kurz vor 9.00 Uhr und so setzen wir unseren Weg zum Headquarter der Ranger unterhalb der Mara Serena Safari Lodge fort. Aber noch einmal legen wir bei einem ruhenden Löwenrudel, bestehend aus 3 Männchen und 2 Weibchen, einen Stopp ein. Eines der Männchen ist sehr dunkel gefärbt,  liegt etwas abseits und ist kaum zu erkennen im hohen Gras.

 

Löwenrudel mit 2 Weibchen und 2 jungen Männchen - erkennbar an der gerade ansetzenden Mähne
Ein einträchtiges Bild - scheinbar satt und zufrieden ruht das Löwenrudel ...
Das ältere Männchen ist sehr dunkel gefärbt und liegt etwas abseits vom übrigen Rudel kaum erkennbar im hohen Gras
... und etwas abseits im hohen Gras ein dunkel gefärbtes älteres Männchen

Von weitem sehen wir schon den Funkmast der Mara Serena Safari Lodge, an dem wir uns im letzten Jahr schon oft orientiert haben. Bisher dachten wir, der Mast sei von Bäumen gut getarnt. Doch Joshua klärt uns auf, dass der Funkmast künstlich als Baum verkleidet wurde, damit er sich besser in die Landschaft einfügt. Beim genauen Betrachten sehen wir dies nun auch.

Unser Meeting mit Brian dem Chief Executive der Mara Conservancy dauert knapp 45 Minuten. Anschließend füllen wir in der Lodge noch unseren Tank auf und suchen uns mit knurrendem Magen endlich ein Frühstücksplätzchen.

Orientierungspunkt in der Mara
Von weitem sichtbar und immer ein guter Orientierungspunkt: der Funkmast der Mara Serena Safari Lodge
Aus der Nähe betrachtet, sieht man deutlich die "Verkleidung" des Mastes
Deutlich erkennbar: die "Verkleidung" des Mastes

Unsere Lebensmittelkiste haben wir immer im Auto, ebenso Geschirr, Besteck, einen Topf und einen kleinen Kerosinkocher. Doch unterwegs stellen wir mit knurrendem Magen fest, dass einige Geier und 1 Marabu uns in puncto Frühstück weit voraus sind.

Geier und Marabu haben sich schon ihre Frühstücksportion geholt
Den Rest erledigen Kleinstlebewesen und die sengende Sonne, so dass bald nur noch ein weißes Gerippe im Gras liegen wird

Endlich finden wir aber eine schöne Schirmakazie unter der wir es uns gemütlich machen. Wir schmieren frische Brote und kochen Kaffee und Tee. Besonders Joshua genießt das Frühstück, probiert er sich doch durch die Dauerwurstsorten aus Deutschland. In unmittelbarer Nähe steht eine große Gnuherde, die sich aber keineswegs durch uns gestört fühlt. Wir empfinden es einfach nur wunderschön hier sitzen zu dürfen, atmen die Gerüche und Düfte der weiten Natur um uns herum ein und lassen unsere Seele baumeln.

Doch nach einer Stunde Pause wollen wir doch noch weiter. Joshua will mit uns zum Mara River fahren. Dort wollen wir sehen, ob sich Gnuherden versammeln und wir vielleicht das Glück haben ein Crossing zu sehen.

Schnell haben wir alles wieder gut und sicher im Auto verstaut und fahren dann den Weg zum Fluss, Richtung Mara South Bridge. Nach kurzer Zeit vernehmen wir ein nicht ganz gesund klingendes Geräusch von unserem Auto. Zunächst kann es keiner richtig orten, geschweige denn einsortieren - haben wir einen punscher? Octavian hält an und überprüft die Reifen, doch da ist alles ok. Wir fahren einige Meter langsam weiter. Das Geräusch verstärkt sich. Es kommt von vorne unten. Noch einige Meter rollen wir behutsam vorwärts und dann kracht etwas und ...  der Wagen steht still. Der Motor läuft zwar schön rund, doch das Auto läßt sich weder vor- noch rückwärts bewegen.

                                                            NA  SUPER!!!

Das sieht nicht gut aus - defekte Antriebswelle mitten in der Wildnis
Doch auch mitten in der Mara finden wir hilfsbereite Mechaniker
Samsan Leile, unser Chefmechaniker mit "goldenen Händen"

    Erste Panne in der Masai Mara

 

Wir stehen 20 m vor dem Ranger-Camp des Mara Bridge Bezirks mitten auf dem Weg. Hinter uns muss schon  das erste Safarifahrzeug anhalten, denn wir versperren allen aus allen Richtungen unfreiwillig den Weg. Aber das ist ja erst mal kein Problem: in der Wildnis hilft man sich immer gegenseitig. Mit vereinten Kräften, versuchen wir den Wagen erst mal an die Seite zu schieben - doch das gelingt nicht. Am Gewicht des Fahrzeugs kann es nicht liegen, denn mittlerweile sind noch 4 kräftige Ranger aus ihrer Station herbeigelaufen und helfen mit. Octavian legt sich unter das Auto und schaut, ob er die Ursache finden kann. Diese ist schnell klar: eine Kupplung in der Antriebswelle ist gebrochen und ein Landrover mit seinem permanenten Allrad ist daher nicht bewegbar, außer man baut die Antriebswelle aus.

Mittlerweile haben wir einen kleinen Stau in beiden Richtungen verursacht. Einige Ranger schlagen mit ihrer Machete rechts vom Auto einige junge Bäume und in den Weg ragende Äste ab, so dass die anderen Fahrzeuge erst mal langsam, passieren können.

Joshua telefoniert in der Zwischenzeit mit dem Headquarter und fordert Hilfe an. Nun kommt uns unsere junge Bekanntschaft mit Brian Heath zugute. Er schickt uns seinen Mechaniker. Dieser bringt gleich mal auf Verdacht seinen Hilfsmechaniker und einige Ersatzteile mit. Zunächst bauen sie die Antriebswelle aus und schieben den Wagen auf den Hof der Ranger-Station. Es sieht fast so aus, als würde die Reparatur nicht lange dauern. Daher setzen wir uns im Camp in den Schatten, warten und hoffen, dass wir bald weiter fahren können. Leider fehlt noch ein Teil und Samsan, der Mechaniker, hofft dass er dieses irgendwo in seiner Werkstatt findet.

 

   Das wird erst mal einige Zeit dauern!!!

 

 

Daher brechen wir nach einer halben Stunde Wartezeit mit Joshua zu Fuß durch den Busch zur Mara South Bridge auf. Wir gehen hinunter zum Mara River und Joshua berichtet uns, dass im Dezember 2007 ein Hochwasser die gesamte obere Mara Bridge überflutet hat. 20.000 Gnus starben in den reißenden Fluten, überall liegen noch die Gerippe der verendeten Tiere in den Uferzonen herum. Dieser Zustand hielt 2 Wochen an, bis das Wasser langsam fiel. Hippos und Krokodile, die sich während der Überflutung ins Landesinnere zurückgezogen haben, folgten nun step by step dem fallenden Wasserpegel zurück in den Fluss.                                                                                                                                                                                                 Die untere Mara Bridge wurde von den Wasserfluten so stark beschädigt, dass sie heute gesperrt ist.

In den Uferzonen an der Mara South Bridge liegen noch jede Menge Skelette von Gnus, die dem Hochwasser im Dezember 2007 zum Opfer gefallen sind
Friedlich plätschert der Mara River flussabwärts
Links unten im Bild ein kleiner Teil der gesperrten unteren Mara Bridge
Die untere Mara Bridge ist seit dem Hochwasser gesperrt

Es ist doch erstaunlich, welch schönen Erlebnisse und Überraschungen dieses Land mit seinen Menschen immer wieder für uns bereit hält. Trotz einer vermeintlich ärgerlichen Autopanne (das wird nicht unsere letzte gewesen sein!) ist der zeitliche Aufwand, den die Reparatur kostet, keine verlorene Zeit. Im Gegenteil: wir haben eine äußerst interessante und spannende Walking - Safari unter fachkundiger Führung erhalten.

Als wir nach gut 1,5 Stunden zur Ranger-Station zurückkehren bastelt Samsan immer noch am Auto herum. Er hat zwar das richtige Ersatzteil gefunden, aber leider aus einem anderen Modell. Daher passt es nicht und so bleibt Samsan nichts anderes übrig, als erst einmal den Wagen provisorisch fertig zu machen. So können wir den Mechanikern langsam zur Mara Serena Safari Lodge folgen, wo sie das Ersatzteil passend feilen wollen. Wir stellen unser Auto über der Grube ab und während Joachim die Reparaturarbeiten verfolgt, wandere ich völlig verschwitzt und verstaubt in die Luxuslodge und schaue mich dort einmal um. Diese Lodge ist schon ein Prachtstück, doch mit 350 US$ pro Person und Nacht ist sie für uns auch absolut out of order!

Leider kann Samsan das Kupplungsteil nicht anpassen. Wir brauchen ein ganz neues Ersatzteil, das dem Modell unseres Autos entspricht und aus Nairobi eingeflogen werden muss. Samsan schließt seine Reparatur provisorisch ab, so dass wir erst einmal weiterfahren können, und wir verabreden uns für den nächsten Tag um 13.00 Uhr. Bezahlen brauchen wir erst mal nichts - aber wir sind schon gespannt, ob uns morgen die große Rechnung präsentiert wird.

Wir bedanken uns erst einmal und lassen noch für Samsan's kleine Tochter ein paar Sweets da. Mit strahlendem Lachen winkt er uns, als wir davon fahren. Im Headquarter fragen wir Joshua, den wir vorher dort abgesetzt haben, ob wir ihn wieder mitnehmen sollen. Er steigt ein und vorsichtig begeben wir uns langsam auf den Rückweg zum Oloololo - Gate.

Wir wählen den Weg unten am Mara River entlang, an dessen Ufer wir ein großes Krokodil entdecken. Ein Stück flussaufwärts liegt eine zweite Panzerechse mit einer Verletzung seitlich im Panzer.

Joshua zückt seine kleine Digitalkamera und macht einige Fotos für seine Dokumentation davon. Verletzte und kranke Tiere halten die Ranger immer im Bild fest, um ggf. deren weiteren Werdegang verfolgen oder helfend eingreifen zu können.

 

Ein kräftiges Krokodil genießt die restlichen Sonnenstrahlen
Krokodil mit Verletzung am Panzer

Oberhalb des Flusses müssen wir noch einmal anhalten, weil einige Giraffen unseren Weg kreuzen.  In der Herde, die sich noch weiter im Grasland befindet, entdeckt Joshua noch ein verletztes oder krankes Tier. Es humpelt, aber die Herde ist zu weit entfernt, als dass er die Ursache dafür ausmachen könnte. Auch von der verletzten Giraffe macht Joshua noch einige Bilder.                                                                                                                                                                                                                      Wir nutzen den kurzen Stopp, um einige Fotos der dicht vor uns kreuzenden Giraffen zu machen.

Es ist schon nach 17.00 Uhr als wir noch einmal auf eine Gruppe Geier treffen, die sich über den Kadaver eines Gnus hermachen. An dem Tier ist noch reichlich Fleisch  - ein gutes Zeichen, dass die Raubkatzen zur Zeit viel Beute machen und genug zum Fressen haben. Die Geier selbst hacken auch nicht mehr gierig auf den Kadaver ein, sondern machen eher den Anschein, als hätten sie sich bereits satt gefressen.

Geier am frühen Abend um den Kadaver eines Gnus
Die Aasfresser machen den Anschein, als seien bereits satt

Etwa 3 km vom Gate entfernt humpelt ein Zebra über den Hauptweg des Reservates. Wir halten an und sehen, dass sein linkes Hinterbein gebrochen ist und eine offene Wunde klafft. Dieses Tier wird die Nacht sicher nicht überleben. Es ist eine einfache und schnelle Beute für Raubkatzen und Hyänen. Als es den Weg überquert und das hohe Gras erreicht hat, knickt es mit dem verletzten Bein zusammen. Eine Weile liegt das Zebra im Gras und wir denken schon, dass es hier auf sein sicheres Ende wartet. Aber dann kämpft es sich noch einmal mühsam auf alle Viere und humpelt weiter.

Um 18.20 Uhr haben wir das Gate erreicht. Joshua will uns noch "Orphaned Eland Baby" zeigen, eine Elen-Antilope, die die Ranger verwaist und halb verhungert gefunden und bei sich im Ranger-Camp mit der Flasche aufgezogen haben. Daher verlassen wir das National Reserve nicht durchs Gate, sondern fahren rechts den Weg zu den Ranger-Unterkünften hinunter um "Baby Eland" zu begrüßen. Joshua wird uns dann später oben am Gate aus dem Buch austragen.

 

Liebevoll und stolz erzählen die Ranger von ihrem Baby Eland, einer verwaisten Elen-Antilope, die sie in ihrem Ranger-Camp mit der Flasche aufgezogen haben
Baby Eland ...
"Ihr Baby" haben die Ranger  auf den Namen Bahati getauft
... ist Freude und Stolz der Ranger am Oloololo-Gate