Big Cats Day


Samstag, den 21. August 2010


Nachdem wir gestern so viel geruht und relaxt haben, stehen wir heute um 6.15 Uhr auf. Nach einem Heißgetränk und einer Katzenwäsche fahren wir um 7.00 los, halten kurz am Talek Gate um unsere Park Fees für die nächsten zwei Tage zu bezahlen und fahren dann über das Dorf Talek in das Gebiet, in dem wir vorgestern den Leoparden gesichtet haben.

Nicht weit davon sichten wir um 8.00 Uhr zwei Safariautos, die vor einem Wäldchen stehen. Schnell erkennen wir, was bzw. wer sich darin verbirgt: eine Gruppe Löwen! Es handelt sich um 3 Löwinnen, 2 ältere Cubs und ein ganz kleine Junges, vielleicht zwischen 4-6 Wochen alt.

Dieses im Busch versteckte Löwenrudel..
...mit Jungtieren...
... zieht uns heute Vormittag in seinen Bann.

Als die Gruppe ihren Standort wechselt, folgen wir ihr. Einige Safariautos – es sind im Laufe unserer Standzeit dort natürlich mehr geworden - tun es uns gleich, doch so nach und nach verabschiedet sich ein Auto nach dem anderen und die Insassen bekommen die weiteren spannenden Situationen gar nicht mehr mit.

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Die Löwen überqueren ein schmales Flussbett, durch das wir ihnen mit reichlich Abstand gut folgen können. Sie bewegen sich auf ein anderes Wäldchen zu. Kurz davor bleiben sie stehen und schauen ganz konzentriert in die Richtung einer kleinen grasenden Gazellenherde. Tatsächlich formieren sich die Raubkatzen zur Jagd und versuchen die Gazellen einzukreisen. Doch eigentlich steht die Erfolglosigkeit dieses Unterfangens recht schnell fest: die Gazellen sind zu schnell für die Löwen und die Jungen noch zu unerfahren. Die drei Löwinnen alleine können die Jagd nicht gewinnen. Als dann auch noch die Löwengruppe von den Gazellen bemerkt wird und diese die Flucht ergreifen, ist der Jagdversuch beendet.

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Die Löwen setzen ihren Weg zum Wäldchen fort und verschwinden bald schon darin. „Das war’s“, denken wir gerade, als plötzlich heftige Bewegung in den Busch kommt. Drei Büffel jagen nun die Löwengruppe. Diese laufen schnurstracks wieder aus dem Busch heraus, um sich vor den massigen Büffeln in Sicherheit zu bringen.

Den Raubkatzen bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu ziehen. Das Löwenbaby gibt immer wieder maunzende Laute von sich, während es sich auf seinen tapsigen Pfoten abmüht, den großen Katzen durch das hohe Gras zu folgen. Wir begleiten die Gruppe bis zu einer Ansammlung von Akaziensträuchern. Dort lassen sich die Tiere endlich nieder und gönnen sich und vor allem dem Kleinen endliche eine Pause.

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Auch in dieser Ruhezeit bleiben die drei erwachsenen Löwinnen stets wachsam und beobachten eine Gnu- und Zebraherde in der Ferne. Die Herde steht aber bestimmt noch 1- 1,5 km entfernt.

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Wir beschließen, bei der Löwengruppe zu verweilen und zu beobachten, was weiter passiert. In der ereignisarmen Zwischenzeit nehmen wir unser Frühstück im Auto ein.
Drei weitere Safarifahrzeuge rasen herbei, als sie uns dort stehen sehen. Schnell schießen die Insassen ein paar Fotos von den zwei Löwinnen, die ganz vorne, nahe am Wege unter einem Busch liegen. Die anderen Tiere und das kleine Baby entdecken sie erst gar nicht. Wir machen uns die Freude und stoppen die Zeit, wer es wie lange hier aushält. Der Minibus fährt schon nach einer Minute zur (vermeintlich) nächsten Attraktion, der nächste Wagen startet 30 Sekunden später und das dritte Fahrzeug hat nach exakt 3 Minuten genug gesehen.

 



Wir sind sicher, dass die Löwen ihre Jagdlust noch nicht verloren haben, zumal die Gnuherde näher kommt und die Löwinnen diesen Verlauf genau beobachten.

 

 



Unsere Kaffetassen sind noch voll, als die erste Löwin aufsteht, die Lage peilt und dann zielstrebig losläuft. Die zweite Löwin folgt der ersten und sie nähern sich im Halbkreis von zwei Seiten der Herde. Die dritte Löwin bleibt mit den Cubs erst einmal im Busch, folgt den beiden Jägerinnen jedoch aufmerksam mit den Augen. Schließlich setzen sich die vier Zurückgebliebenen auch wieder in Bewegung und folgen den ersten beiden Löwinnen. Es bleibt für uns auf jeden Fall spannend. Wird die Jagd eröffnet? Mit gebührendem Abstand folgen wir der Vierergruppe. Die beiden Löwinnen sehen wir in dem hohen Gras nicht mehr.

Doch leider wird es auch dieses Mal nichts. An einem Seitenarm des Talek River treffen die sechs Großkatzen wieder aufeinander. Uns fällt auf, dass die Leitlöwin (falls es eine solche gibt) überall, wo eine kleine Pause eingelegt wird, ihre Duftmarke spritzt. Markiert sie damit ihr Revier? Das ist uns bislang nur von den Löwenmännchen bekannt. Oder gehört diese Gruppe zu dem vor zwei Tagen gesichteten großen Löwenrudel von 30 Tieren? Dann erfüllen die Duftmarken evt. den Sinn, sich wiederzufinden.

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Wir folgen den Tieren noch eine ganze Weile entlang des Flusses. Schließlich überqueren die Löwen an einer trockenen Furt den Fluss. Wir müssen leider diesseits bleiben, weil es hier für uns keinen Übergang gibt. Doch vielleicht sehen wir ja von hier noch eine Jagd, denn drüben sind die Löwen einer Gnuherde sehr nah.
Wir beobachten das weitere Treiben der Großkatzen, folgen ihrem Weg immer am Fluss entlang, bis wir sie schließlich um 10.30 Uhr verlieren. Schade! Aber wir haben in den vergangenen 2,5 Stunden tolle Löwenbeobachtungen gehabt, die uns lange in Erinnerung bleiben werden.

Hier verliert sich erst mal die Spur zum Löwenrudel

Wir fahren weiter am Fluss entlang und treffen auf eine Furt, die wir durchfahren können. Jetzt müssten wir auch auf der „Löwenseite“ sein. Daher fahren wir den River nun abwärts, orientieren uns an einer großen Gruppe Giraffen, die uns vorhin schon auf der anderen Flussseite aufgefallen ist und finden die Löwen tatsächlich um 10.50 Uhr wieder. Nun liegen alle verteilt unter einem Busch. Einige halten ihr Nickerchen, sparen die verbliebene Energie für eine Jagd zu einem späteren Zeitpunkt auf. Andere beobachten immer wieder aufmerksam die Gegend. Wir stellen unser Auto ab und warten noch eine Zeitlang geduldig, was passiert.

300m oberhalb, allerdings auf der gegenüberliegenden Flussseite nähert sich wieder eine Gnuherde. Die erwachsenen Löwinnen beobachten die Herde immer mal wieder aufmerksam. Doch im Moment sieht es nicht so aus, als würden sie sich ernsthafte Jagdgedanken machen.

Mittlerweile ist es 11.30 Uhr und die Sonne brennt heiß. Obwohl wir gespannt sind, was weiter mit dieser Löwengruppe passiert, fahren wir erst einmal weiter und suchen uns einen Schattenplatz zum Lunch. Nach 3,5 Stunden verlassen wir „unser“ kleines Löwenrudel, das wir den größten Teil des Vormittags für uns alleine hatten und das uns so viel Freude und Begeisterung beschert hat.

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Wir lassen das Rudel nun ruhen, fahren weiter...
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... und schauen, was der Tag uns noch beschert

 

In der Masai Mara fährt man selten einfach nur von A nach B. Nicht nur die Könige der Tiere sind einen Halt wert. Auch bei einer kleinen Gabelracke, die am Boden sitzt und mit einer riesig wirkenden Heuschrecke im Schnabel kämpft, bleiben wir stehen. Gebannt schauen wir zu, ob und wie sie diese große Beute bewältigen und verschlingen kann.

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Gabelschwanzracke...
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mit ihrem Mittagsmahl

Sie schlägt die Heuschrecke immer wieder auf den Boden. Vermutlich muss sie das Tier erst töten, obwohl die Heuschrecke keine Bewegung zeigt.

Schließlich beginnt sie das große Fluginsekt am Stück hinunterzuwürgen, wobei die kleine Racke zwischendurch immer wieder eine Pause einlegen muss. Es ist für uns beeindruckend aus nächster Nähe zu sehen, wie weit der Vogel seinen Schlund aufreißen und eine relativ große Nahrung unzerteilt verschlingen kann.

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Geschafft!!!

Wir fahren erst weiter, als die Gabelracke ihre Mahlzeit beendet hat. Doch statt einen netten Lunchplatz zu suchen, fährt Joachim recht zielstrebig Richtung Intrepids und von dort zu einer Furt am Talek River. Er vermutet, dort vorgestern den vorderen Schmutzfänger verloren zu haben. Da sein Gehirn zu 90% aus geographischen Synapsen zu bestehen scheint, findet er sicher die vermutete Stelle – den Schmutzfänger allerdings nicht.

Dafür entdecken wir (ohne Lunch!!!) um 13.00 Uhr unter einem großen Felsvorsprung mitten im Fluss einen Leoparden. Erst liegt er ganz verborgen, so dass man auch meinen könnte, es sei ein Ast. Wir stellen unseren Landrover in eine gute Beobachtungsposition und warten.

Der Leopard hat sich ein (fast) perfektes Versteck ausgesucht

Unsere Entfernung zum Leoparden beträgt vielleicht 40 – 50 m. Er bewegt sich immer mal, steht kurz auf, dreht sich und legt sich dann auf die andere Körperhälfte.

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Plötzlich steht an der gegenüberliegenden Flussseite eine Löwin auf dem Weg. Sie visiert zwei Warzenschweine an, die im trockenen Flussbett grasen.

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Eines der Warzenschweine- die ersehnte Beute für die Löwin

Hinter einem höheren Grasbusch geht die Löwin in Deckung und nähert sich ganz langsam ihrer ersehnten Beute, die sie nicht aus dem Blick verliert. Nur 100m hinter der Löwin liegt der Leopard, der sich aber nicht stören lässt. Beide Tiere nehmen scheinbar keine Witterung voneinander auf.

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Dann plötzlich beginnt die Jagd, doch die Warzenschweine haben die Gefahr gespürt. Sie suchen mit aufgestelltem Schwänzchen geschwind das Weite und machen damit ihrem Spitznamen „Kenya-Express“ alle Ehre. Die Löwin sieht wohl keine Erfolgschancen und gibt nach wenigen Metern schon die Jagd auf.

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Derweil sitzt unser Chui weiterhin brav unter seinem Felsen. Einige Zeit ruht sich die Löwin wohl im Gras am Flussufer aus. Wir sehen sie zumindest erst einmal nicht mehr.

Irgendwann nähert sich drüben ein Safarifahrzeug, stoppt und beobachtet lange Zeit die Löwin, die wir nun auch wieder erspähen. Sie liegt mittlerweile oben auf dem Weg. Es klingt sicherlich sehr egoistisch, aber wir haben keine Lust auf ständig rangierende Vehicle und von einem zum anderen Fahrzeug schnatternde Touristen an unserem Beobachtungsstandort. Daher betrachten wir nun durch das Fernglas intensiv auch von unserer Position die Löwin und werfen nur ab und zu einen Blick zur Seite, um uns zu vergewissern, dass der Leopard noch auf dem Felsen liegt. Immer wieder werden wir von den Insassen des Fahrzeugs drüben am Fluss ins Visier genommen, bis sie schließlich weiterfahren und auch nicht unsere Richtung einschlagen.

Nachdem ein Truck beladen mit einer großen Touristengruppe hinter uns kurz für ein paar Fotos gehalten hat, ohne aber den Leoparden zu entdecken, sind wir wieder allein.
Wir genießen den nächsten – wenn auch halbherzigen Jagdversuch der Löwin. Sie kommt zum Fluss runter und läuft in entgegengesetzter Richtung zum Leoparden am Ufer entlang auf eine Gruppe Thompson Gazellen zu. Die stieben jedoch auseinander, flüchten vor der Raubkatze und unsere Löwin zieht wieder den Kürzeren.
Die Löwin erholt sich kurz von der Jagd und legt sich dann hinter einem Busch gleich wieder auf die Lauer.
Links von uns liegt nun der Leopard und rechts von uns die Löwin. Die Entfernung zwischen den beiden beträgt vielleicht knapp 200m. Die Jagdlust der Löwin scheint aber allmählich nachzulassen. Ihre Aufmerksamkeit flacht immer mehr ab, sie liegt vor dem Busch und ruht sich aus. Außerdem ist nichts Passendes für ihren Speiseplan in der Nähe. Um 14.10 Uhr verschwindet sie schließlich in dem kleinen Wäldchen hinter ihr und wir können unsere ungeteilte Aufmerksamkeit wieder dem Leoparden und endlich auch einer Tasse Cappuccino zuwenden. Doch noch bevor unser italienischer Kaffeegenuss fertig angerührt ist, kommt die Löwin zurück und legt sich wieder vor dem Busch nieder. So haben wir weiterhin Katzenbeobachtung zu beiden Seiten.

Leopard und Löwin nehmen glücklicherweise keinerlei Notiz voneinander

Wir stehen noch eine weitere Stunde hier. Während die beiden Großkatzen vor sich hin dösen, beobachten wir verschiedene Vögel und Agamen auf den Felsen im weitgehend trockenen Flussbett.

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Ein Hagedasch...
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...auf Futtersuche

Für wenige Minuten schauen wir beide nicht, was der Leopard macht. Als wir wieder zu seinem Liegeplatz blicken, ist er verschwunden.

DAS GIBT’S DOCH GAR NICHT!

Stundenlang warten wir darauf, dass er endlich aufsteht und weiterzieht, so dass wir ihn in seiner vollen Eleganz und Pracht sehen können und dann verpassen wir den rechten Moment. Keiner von uns hat irgendeine Bewegung wahrgenommen – wir sind ganz schön fassungslos!

Wir fahren noch ein bisschen in der Area herum, immer in der Hoffnung, in wiederzufinden. Und tatsächlich entdecken wir ihn auch sehr versteckt zwischen großen, bewachsenen Felsblöcken ganz in der Nähe seines vorherigen Platzes. Leider ist die Stelle nun für uns völlig unzugänglich und ganz schlecht einsehbar.

Irgendwann geben wir es auf und beschließen zum Camp zurück zu fahren. Schließlich ist heute afrikanische Nacht mit Buffet und Gerdi hat uns gestern eingeladen, auch teilzunehmen. Vorher wollen wir in Ruhe noch das Auto für morgen früh klarmachen und den Pistenstaub abduschen.

Auf dem Rückweg entdecken wir einen weiteren Leoparden, der ganz wunderbar für ein paar letzte Fotos posiert und unsere große Enttäuschung über eine verpasste Chance ein wenig mildert.

Zum Abschluss dieses Tages...
... noch ein Chui!

Danach geht es aber Nonstop zum Camp, wo wir um 17.15 Uhr eintreffen und feststellen, dass jemand versucht hat, unser Zelt zu öffnen. Die Limo ist leer, der Wassereimer ebenfalls. Einer der Massaiwächter schaut vorbei und erzählt, dass Baboons am Platz waren und versucht haben, ins Zelt zu gelangen. Gut, dass wir immer alles mit einem Vorhängeschloss sichern. So hatten die Paviane keine Chance.

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