Catching the Logbook – nächster Versuch

Freitag, den 5.3.2010

Nach einem guten Frühstück im Kreise der beiden Engländer und des deutschen jungen Pärchens  starten wir um 9.00 Uhr zurück nach Nairobi. Wenn wir unterwegs keine unfreiwilligen Stopps mehr einlegen müssen, sollten wir gegen 13.00 Uhr in Kenyas Hauptstadt sein -  zeitlich noch passend, um am Nachmittag unser Logbook im Times Tower abholen zu können.

Am Nanyuki Airport herrscht reger Betrieb. Da Safaris in Samburu für die kommenden 2-3 Monate wohl gecancelt werden, liegt die Vermutung nahe, dass noch jede Menge Touristen, die erst einmal bis Archers Point, Isiolo und Nanyuki in Sicherheit gebracht wurden, heute noch nach Nairobi geflogen werden.

Wir schaffen es bis 12.45 Uhr am Times Tower in der Haille Selassie Avenue zu sein (Koordinaten: S 01.29139°, EO 36.82317°).

Die Türe am Customer Desk ist schon verschlossen. So ein Mist! Die Herrschaften  beginnen ihre Lunchtime aber überpünktlich. Ein Beamter ist aber noch in dem kleinen Raum und macht sich am Computer zu schaffen. Daher mache ich mich bemerkbar und zeige auf meine Uhr, um anzudeuten dass es noch keine 13.00 Uhr ist. Deutsche Pünktlichkeit halt!!! Tatsächlich schlendert der Beamte heran, öffnet die Türe und hört sich mein Anliegen an. Er nimmt die Papiere mit diversen Bearbeitungsnummern darauf und geht zu seinem PC. Zuvor schließt er aber sorgfältig die Türe wieder ab. Ich muss draußen warten.

Wenige Minuten später kehrt er zurück und meint, unser Logbook sei noch nicht im System erfasst. Ich protestiere, sage ihm, dass ich es doch schon am Dienstag abholen sollte und heute ist Freitag – 3 Tage später. Da muss ein Fehler vorliegen. Doch er lässt sich von mir nicht über die Maßen strapazieren und schickt mich zu Counter 23.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich dort hinzubegeben. Nur 3 Leute stehen vor mir. Wenigstens keine lange Warteschlange heute – leider sitzt auch kein Beamter hinter dem Schalter. „He is going for lunch“, erfahre ich von der Security, die dafür zuständig ist, dass die Warteschlangen vor den einzelnen Schaltern – immerhin sind es um die 30 – nicht durcheinandergeraten und in britischer Genauigkeit eine ordentliche Linie bilden. Ich überlege hin und her, wäge ab ob ich hier eine Stunde lang stehen bleibe oder das Logbook sausen lasse. Hinter mir sammeln sich weitere Menschen, dafür verlassen vor mir die 3 Wartenden den Times Tower, so dass ich nun die erste in der Reihe bin. Ich muss dringend zur Toilette. Das ist ja wirklich wieder eine verzwickte Situation. Als ich es nicht mehr aushalten kann, bedeute ich meinem Hintermann, dass ich gleich wiederkomme, nur mal eben zum Klo gehe.  Zurück am Schalter stelle ich mich ganz selbstverständlich wieder als erste hin – so habe ich es bei den Kenyanern auch beobachtet und warum sollte ich meinen schönen 1. Platz so einfach aufgeben. Kein Mensch murrt  - alles richtig gemacht also!

Meine Geduld wird noch auf eine harte Probe gestellt. Während an allen anderen Schaltern ab 13.55 Uhr  so ganz allmählich und nacheinander der Betrieb wieder aufgenommen wird,  tut sich am Schalter 23 nichts!

Um 14.05 fange ich mal das Moppern an – frage erst die Security, wann es denn hier endlich weiter geht. Der grinst nur, zuckt die Schultern und meint „I don’t know, but  I think he is coming in a few minutes.” Es ist kaum zu glauben, aber Mittagspause in Kenya scheint doch sehr dehnbar zu sein. „Is it normally here?“, frage ich meine Nachbarn, die vor counter 24 warten. „Yes, because they must cook their ugali“, erhalte ich grinsend zur Antwort.“ Na warte!“ denke ich mir, „Ihr amüsiert euch nicht auf meine Kosten!“ „So next time, I will cook ugali for them here at the counter and then they can eat, while they are working!” Damit ernte ich allgemeine fröhlicheZustimmung und das Warten ist nicht ganz so eintönig.

Um 14.20 Uhr wird als letzter „mein“ Schalter 23 besetzt und dann drängeln sich doch tatsächlich zwei von der Seite einfach vor. Dagegen protestiere ich, muss aber dann doch feststellen „Dreist siegt meist“. Die beiden Drängler können erst ihre Anliegen klären und dann bin ich endlich an der Reihe. Mit all meinem  verbliebenen Rest von Fröhlichkeit, Höflichkeit und meinem freundlichsten Lächeln sag ich dem Beamten : „I hope you enjoyed your lunchtime and can help me now.“ (Lieber würde ich ihm ja sein Ugali aus dem Magen pumpen lassen). Ich zeige ihm meine diversen Zettel, erkläre ihm den bisherigen Weg unseres Logbooks, nur um zu erfahren, dass es nicht im System verzeichnet ist und zu hören ich solle zur GPO gehen.

Nein, das tue ich ganz sicher nicht. Ich entgegne, dass wir dort schon in der vergangenen Woche waren und GPO das Logbook zum Times Tower zurückgeschickt hat. Es muss mittlerweile hier sein und ich brauche es ganz dringend. Der Beamte zieht einen Stapel Post – alles Logbooks –von irgendwoher und blättert sie durch. Unseres ist nicht dabei. „It must be here. Please look in the other post!“, bitte ich ihn.

Er hat schon den nächsten aus der Schlange herbei gewunken und bedient sein Anliegen. Doch der Mann ist multitasking-fähig. Mit der rechten Hand blättert er die Papiere des nächsten „Kunden“ durch und mit der linken greift er nach einem weiteren dicken Stapel Post, den er mir nun reicht und mir bedeutet, ich solle sie selbst durchsehen.

Drei Kunden und vier Poststapel später stelle ich ernüchtert fest, dass unsere Papiere nicht dabei sind. Mittlerweile beiße ich mich an meiner Mission hier fest und sage, dass ich nicht ohne unsere Fahrzeugpapiere den Schalter verlassen kann. Der Beamte scheint tatsächlich Verständnis für mich aufzubringen. Er telefoniert und meint dann, er habe jemanden beauftragt, den Brief mit dem Logbook zu suchen. Ich warte noch einmal 15 Minuten direkt am Schalter, ohne meinen Platz dort aufzugeben. Wer weiß, ob der Beamte nicht mit seinen Bemühungen nachlässt, wenn er mich nicht dauerhaft im Blickfeld hat.

Dann endlich kommt jemand mit einem weiteren Stapel Post, den der Beamte selbst durchblättert und endlich das heiß ersehnte Papier herauszieht. Mit einem breiten Lächeln überreicht er es mir, kontrolliert noch anhand meines Passes, ob ich die rechtmäßige Besitzerin bin und dann muss ich schließlich im Signbook den Empfang unseres Fahrzeugpapieres bestätigen.

Endlich, um kurz nach 15.00 Uhr verlasse ich den  Times Tower. Joachim sitzt mittlerweile gebraten im Auto. Ich weiß ja nicht, wer von uns beiden den schlechteren Job hatte.  Als ich ihm stolz das Logbook zeige,  meint er: „War doch klar, dass du ohne keinen Schritt mehr aus dem Laden heraussetzt!“

Am Public View Point in Nairobi halten wir an und betrachten glücklich die Skyline von Nairobi

Während wir losfahren, erzählt er mir von den zahlreichen Angeboten diverser Frauen. Selbst das Mädel, dass die Parktickets verkauft, hat ihm von ihrer Einsamkeit ein Lied gesungen, ihn eingeladen sich mit ihr in den Schatten zu setzen und gefragt, ob sie nicht sein girl-friend sein kann. Selbst als Joachim dankend ablehnt und meint, er warte auf seine Frau, lässt das Parkticketmädel nicht locker und bietet sich wenigstens für „sometimes“ an.

Nairobi
Skyline

Zufrieden schleichen wir nun durch den Traffic-Jam von Nairobi zum Nakumatt Junction und anschließend zum Lavington Green Center. Wir geben unser Leergut ab, füllen unsere Vorräte für heute Abend und die nächste Safari auf und sind schließlich gegen 17.30 Uhr bei Elvira. Dort räumen wir solange es noch hell ist das Auto auf, kochen etwas zum Abendessen und verbringen den restlichen Abend gemeinsam mit Erzählen und Fotos gucken. Morgen wollen wir auf jeden Fall versuchen, nach Tanzania einzureisen.