Freitag, 1.8.2008 - Ein grossartiger Crossing-Tag am Mara River

 

Wieder einmal schaffen wir es nicht, unsere müden Knochen frühzeitig aus dem Zelt zu bewegen, so dass wir heute erst um 7.30 Uhr zum Game-Drive starten. Unser Kilometerstand zeigt 139.331 km an, als wir – in der Hoffnung heute endlich ein großes Crossing der Wilderbeest - Herden zu erleben - Kurs direkt auf den Mara River nehmen.

Joachim weist Octavian an, nur für jagende Löwen, Löwen am kill, Cheetas und Leoparden anzuhalten und ich ergänze diese kleine Wunschliste noch um ein Rhino.

In der Nacht hat es nicht geregnet und die Wege sehen schon wieder leidlich gut aus. Überhaupt verspricht der frühe Morgen einen schönen, unbewölkten Tag. Wahrscheinlich wird es heute sogar wieder recht heiß.

Nach 20 Minuten Fahrtzeit kreuzt eine riesige Gnuherde unseren Weg. Dafür halten wir natürlich auch an und nutzen den Stopp, um die Kamera laufen zu lassen. Der Weg ist etwas abschüssig, so dass Octavian den Wagen  - ohne zu starten - vorsichtig in die Herde hineinrollen lässt. Die Tiere lassen sich nicht stören, lassen lediglich unser Auto vorbeirollen. Es ist schon beeindruckend inmitten dieser großen Herde zu sein.

Eine große Gnuherde kreuzt unseren Weg
Gnuherden- soweit das Auge reicht

 

 

Zu beiden Seiten säumen immer wieder große Tierherden, die zahlreiche Jungtiere mit sich führen, unseren weiteren Weg: Büffel, Zebras, Gazellen, Impalas aber auch Elefanten, Giraffen und Wasserböcke und natürlich immer wieder Gnus.

Ein Sekretär stolziert auf der Suche nach Schlangen durch das Gras.

Niemals zuvor haben wir die Mara so dicht besiedelt mit Tieren erlebt.

Nur wenige Minuten später sichtet Joachim im hohen Gras zwei lauernde Löwen. Wollen sie jagen? Es sieht fast so aus! Die beiden – es handelt sich um ein Pärchen (wahrscheinlich Geschwister)  - liegen tief geduckt und bewegungslos im Gras, den Blick aufmerksam auf eine Gruppe Wasserböcke gerichtet. Doch diese sind für eine Jagd noch zu weit entfernt.

Es dauert nicht allzu lange, bis der Leitbock Witterung aufnimmt. Er unterbricht sein Grasen und schaut – an der Spitze der Gruppe stehend -  nun nur noch höchst aufmerksam in Richtung der beiden Großkatzen. Einige ältere Tiere der Gruppe machen es ihm gleich.

Die Löwin gibt zuerst ihre Deckung auf, wedelt mit dem Schwanz, hebt dann den Kopf und wälzt sich schließlich im Gras. Die Wasserböcke stoßen ein warnendes Schnauben aus, wiederholen dies immer wieder, um ihrer Gruppe deutlich zu machen, dass die Gefahr noch  nicht gebannt ist. Schließlich erhebt sich die Löwin und die Wasserböcke rennen auseinander – weg von der tödlichen Gefahr.

Das schreckt sogar eine Zebraherde in weiter Entfernung auf, die nun auch im Galopp in die entgegengesetzte Richtung flüchtet.

Eine scheinbar halbherzige Jagd ist vorüber.

Wir besinnen uns wieder auf unser ursprüngliches Vorhaben für heute und nehmen unsere Fahrt zum Mara River wieder auf.

Am 1. Crossing-Point, den wir anfahren, sind weit und breit keine Tiere zu sehen. Also steuern wir den nächsten möglichen Punkt an und haben scheinbar großes Glück. Auf beiden Seiten des Mara Rivers sammeln sich große Gnuherden und es sieht so aus, als sollten wir hier ein Crossing von beiden Ufern aus erleben dürfen. Wir stehen nicht mal 5 Minuten ganz nah oberhalb des Flusses, als auf der gegenüberliegenden Seite das erste Gnu den Sprung ins Wasser wagt. Das ist der Startschuss für die anderen Tiere und das Crossing is on.

Der River fließt an dieser Stelle ruhig dahin – Krokodile sind nicht in Sicht – nur rechts und links schauen ein paar Hippos aus dem Wasser heraus, als wollten sie den Grund des plötzlichen Treibens in Erfahrung bringen.

Unaufhörlich springen die Tiere ins Wasser und schwimmen hastig ans andere Ufer. Die ständigen Gnulaute – Mütter rufen wohl nach ihrem Nachwuchs – erfüllen ringsum die Luft.

Mutig springt das erste Gnu voran...
... und alle anderen folgen

Auf unserer Seite sammeln sich hunderte von Gnus und kaum haben die Tiere von der anderen Seite des Flusses ihre Überquerung glücklich beendet, startet die Herde unmittelbar neben uns. An drei verschiedenen Stellen springen sie in die Tiefe und schwimmen unter ständigem Gemuhe um ihr Leben. Drüben angekommen versuchen die Tiere an vier verschiedenen Ausgängen wieder sicheres Land unter ihre Hufe zu bekommen.

Die Tiere sammeln sich...
... schwimmen durch den Fluss...
... und erreichen alle das gegenüber liegende Ufer

In einer Steilwand hängt eine Gruppe Tiere fest. Sie haben sich nicht für den einfachen Weg aus dem Wasser entschieden. Schnell ist uns allerdings klar, dass Gnus und Zebras hier auch unter Aufbieten all ihrer Kraft nicht hochkommen. Sie versuchen es immer wieder – bestimmt 15 Minuten lang – vergeblich – rutschen immer wieder von der steilen, mittlerweile nassen und glitschigen Uferböschung ab, bis schließlich einige Tiere wieder ins Wasser zurück kehren und eine kleine Kurve schwimmen. Der rettende Ausgang ist ja so nah!!!

Eine kleine Herde wurde mit der Strömung flussabwärts getrieben...
... und findet hier am steilen Flussufer keinen Weg aus dem Wasser
Der Strom der braunen Leiber scheint unaufhörlich,
doch irgendwann haben erst einmal alle Tiere...
...wieder festen Boden unter ihren Hufen

 

 

Nach 40 Minuten ebbt der Strom der ins Wasser springenden Tiere endlich ab.

Die ersten Tiere einer weiteren Herde tasten sich gleich vor uns die Uferböschung hinab. Es dauert jedoch nicht lange und die Tiere kommen wieder hoch und ziehen sich mit ihren Artgenossen erst einmal wieder zurück.

Doch wir sind sicher: Das war noch nicht alles für heute. Immer mehr Gnus sammeln sich in Richtung Mara River. Wir blicken über eine riesige, sich immer in Bewegung befindliche braune Fläche und sind sicher, dass auch diese Herden heute noch den Fluss überqueren.

Gleich unterhalb unseres Standpunktes gibt es eine ideale Stelle, um ins Wasser zu gelangen. Einige Gnus prüfen sie auch, gehen ganz runter, dicht ans Wasser. Doch irgend etwas gefällt ihnen dort unten nicht. Sie ziehen weiter flussabwärts und suchen nach einer besseren Querung.

Neue Herden sammeln sich am Mara River ...
... dieses Mal sind auch einige Zebras dazwischen

Haben wir zu Beginn des Crossings noch umgeben von zahlreichen anderen Safariautos gestanden, sind wir nun mittlerweile alleine hier. Es schaut auch so aus, als würde es noch einige Zeit dauern, bis die nächste Herde den Fluss durchschwimmt. Daher verlassen wir nun um 10.30 Uhr erst einmal unseren Standort, suchen flussabwärts nach einem schönen Plätzchen auf dem wir gemütlich frühstücken, die ersten aufregenden Erlebnisse des heutigen Tages verarbeiten und die Buschtoilette aufsuchen können.

Letzteres schaffen wir gerade noch, aber zum Frühstücken bleibt vorerst keine Zeit! Das nächste Crossing hält uns in Schach. Dieser Tag ist ja ein absoluter Wahnsinnstag. Unseren knurrenden Magen spüren wir vor Anspannung und Aufregung schnell nicht mehr.

Es ist 11.00 Uhr als wir unter einem ausladenden Baum direkt am Ufer einen Platz finden. Diesen Ort sollten wir in den nächsten Stunden auch nicht mehr verlassen.

Wir haben für uns den absolut perfekten Beobachtungsposten gefunden und stehen recht gut getarnt im dichten Busch, so dass wir für die Tiere keine Störung sein dürften.

Nur 10m vor uns liegt die Crossingstelle, an der jetzt wieder hunderte Tiere ins Wasser springen. Hier lauern auch vier Krokodile. Klar, dass es diesmal nicht alle Gnus bis zum anderen Ufer schaffen. Einige werden von den Krokodilen gepackt, unter Wasser gerissen und getötet. Ihre verzweifelten Rufe, wenn sie im Kampf um Leben und Tod noch einmal mit dem Kopf über Wasser gelangen, durchdringen Mark und Bein.

Ein kräftiges Gnu kann sich aus dem Biss befreien und flieht in Panik zurück ans Ufer. Unterhalb des Halses klafft eine große Bisswunde. Es hat sich zwar erst einmal ans Ufer retten können, aber mit dieser Verletzung werden die Hyänen es aufspüren, töten und fressen.

Die tödliche Gefahr gleitet lautlos heran,
... hat sein Opfer schon im Visier, schnappt zu und
... reißt es gnadenlos unter die Wasseroberfläche
Da gibt es kein Entrinnen
... angesichts der Überzahl dieser Panzerechsen

Um 11.45 Uhr ist dieses Spektakel nach 1 Stunde und 15 Minuten erst einmal beendet. Vor, neben und hinter uns stehen aber immer noch hunderte Gnus, vereinzelt auch Zebras, die mit Sicherheit auch heute noch ihren Weg über den Fluss suchen.

Doch für die nächsten Stunden ist diese Herde absolut unentschlossen. Eine Vorhut von 20-30 Tieren testet immer mal wieder den Crossing-Point direkt vor unserer Nase. Jedoch liegen immer noch drei Krokodile im Wasser und lauern auf neue Beute, obwohl sie die vorher getöteten Tiere nicht einmal alle aufgerissen und verspeist haben. Der Tisch am und im Mara River ist zur Zeit zu reichlich gedeckt.

Warten auf frische Beute
Ob dieses tote Gnu noch schmeckt?

Dann wandert ein Leitbulle wieder flussaufwärts und die ganze Herde trabt hinterher. Auch dort werden die Übergänge von wenigen Tieren in Augenschein genommen, sind aber nicht genehm. Also geht es wieder zurück – dorthin, wo wir immer noch stehen. So geht das nun einige Stunden hin und her. Unsere Mägen knurren um die Wette – das ausgefallene Frühstück macht sich lautstark bemerkbar. Wir wollen unseren grandiosen Standpunkt aber nicht aufgeben. Brauchen wir auch nicht, haben wir doch immer alle Lebensmittel im Auto. Also machen wir auf unserem kleinen Kerosin-Stove im Auto Wasser heiß, brühen Tee und Kaffee auf und schmieren ein paar Brote, die wir mit Heißhunger verspeisen.

Gestärkt nehmen wir unsere Position innerhalb des Autos wieder ein und beobachten aus dem Autodach heraus das weitere Geschehen rings um uns herum.

Das Warten auf das nächste Crossing ist so kurzweilig, manchmal wissen wir gar nicht, welcher Szene wir zuerst unsere Aufmerksamkeit und unsere Kameraeinstellung schenken sollen.

 

Im Wasser treibt ein Gnu. Sein Leib ist schon aufgebläht. Zwei Krokodile schwimmen darauf zu. Zunächst scheint es, als spielen sie mit dem toten Körper, schieben es mit dem Maul im Wasser hin und her. Doch dann versucht das größere Krokodil immer wieder mit weit aufgerissenem Maul das Gnu zu packen, um es dann durch die eigene schwungvolle Körperdrehung im Wasser auseinander zu reißen. Mehr als eine halbe Stunde dauert dieses Schauspiel an, doch die Bemühungen der Panzerechse scheinen halbherzig. An den Ufern versprechen doch große Gnuherden sichere frische Beute. Schließlich geben die beiden Krokodile das tote Tier auf. Es treibt ein wenig flussabwärts, bis es - immer noch in Sichtweite - am flachen Ufer irgendwo hängen bleibt.

 

Gleich unter uns sitzt vor unserem Hinterreifen eine Agame in leuchtend blau-orange im Gras und blickt sich aufmerksam um.

Immer wenn ein Hippo aus dem Fluss einen seiner nach Lachen klingenden Laute von sich gibt, zuckt die Agame, blickt sich in alle Richtungen um und nimmt ihre Umgebung noch aufmerksamer in Augenschein. Schließlich genießt sie weiter die Sonne und nimmt zwischendurch immer wieder aus dem Gras ein Insektenmahl zu sich.

Mwanza Agame...
... immer aufmerksam und auf der Hut

Auf der Suche nach Nahrung watet ein Storch durch das seichte Wasser am Ufer. Ob er die Krokodile, an denen er frech vorbei stakt nicht bemerkt? Schließlich macht er Rast auf einem Felsen, der aus dem Wasser ragt. Von hier hat er sicher die beste Aussicht auf das soeben (um 14.00 Uhr) wieder einsetzende Crossing von der gegenüberliegenden Flussseite. Lediglich drei Gnus springen mutig ins Wasser und müssen gleich schon heftig gegen die nun vorhandene starke Strömung ankämpfen.

Seelenruhig watet ein Storch auf der Suche nach Nahrung am Ufer entlang...
... die Krokodile im Wasser beunruhigen ihn scheinbar nicht

Die zahlreich im Mara River vertretenen Hippos tauchen alle wieder ab, für die Krokodile scheint sich eine Unterbrechung ihrer Mittagsruhe noch nicht zu lohnen. Und so erreichen die drei Herdentiere ihr Ziel auf der anderen Flussseite.

Gleich folgen etwa 30 weitere Gnus ins Wasser. Besonders die Jungtiere kämpfen schwer gegen die Strömung, doch ihre Mütter bleiben immer dicht neben oder hinter ihnen, und auch diese Gruppe erreicht ohne Verluste das rettende Ufer. Sofort setzt die nächste Gruppe der Tiere zum Sprung in den Fluss an. Gleichzeitig beenden auch zwei Krokodile ihr Sonnenbad und  setzen sich in Bewegung. Das größere gleitet ganz zielstrebig in die schwimmende Tiergruppe hinein, schnappt zu und macht wieder einen fetten Fang.

Mit der Beute im Maul taucht es nach einiger Zeit wieder auf. Ein kleineres Krokodil lässt von einem schon länger im Wasser treibenden Gnu ab und schwimmt ebenfalls auf die frische Beute zu. Gemeinsam versuchen sie das tote Tier zu zerreißen, lassen aber viel Kraft, da auch sie gegen die starke Strömung kämpfen. Schließlich treiben die beiden mit der toten Beute im Maul ab und bald schon sehen wir sie nicht mehr.

Plötzlich machen sich wieder zwei Krokodile an einem toten Gnu zu schaffen. Sie verbeißen sich in dem Tier und reißen seinen Körper auf, indem sie sich dabei gegensätzlich drehen. Das Wasser spritzt und wirbelt auf, kaum können wir erkennen zu welchem Tier die wirbelnden Körper gehören.

Frische Beute...
... wird kraftvoll zerlegt
...und gemeinschaftlich
... verspeist
Endlich satt!!!