Endlich Katzen

Donnerstag, den 19. August 2010

 

Heute schließen wir uns Daniel an, der eine französische Familie als Guide begleitet. Um 6.30 Uhr warten wir an der Rezeption des Aruba Camps und 20 Minuten später geht es endlich los. Daniel und die Franzosen fahren vor, wir hängen uns hinten an. Unsere Vorderleute drücken ganz schön auf’s Gaspedal. Wir fahren sehr zügig in nordwestlicher Richtung durch Talek, am Fig Tree Camp vorbei und treffen im Gebiet des Olare Orok River am Rande eines Wäldchens auf eine größere Anzahl stehender Fahrzeuge. Das sieht ja schon sehr vielversprechend nach Raubkatzen aus: Geparden schließen wir wegen der bewaldeten Umgebung gleich aus, aber eine Löwenfamilie oder sogar ein Leopard könnten dort wohl liegen. Wir nähern uns langsam, lassen den Wagen in eine Lücke zwischen zwei Fahrzeugen ausrollen und tatsächlich … dort liegt ein wunderschöner Leopard. Unser erster seit vielen Safaris. Zu unserer weiteren Orientierung nehmen wir erst einmal die Koordinaten: S 01.40770°, EO 35.10755°, Höhe 1514m. Für Fotos stehen zu viele Autos um das Tier herum. Nur gut, dass die Fahrzeuge wenigstens zu einer Seite eine Fluchtmöglichkeit für das Tier lassen.

Der Leopard bleibt nur noch kurz sitzen. Dann erhebt er sich und läuft gemächlich Richtung Fluss. Er verschwindet im hohen Gras und in einem kleinen buschigen Wäldchen. Doch wir haben Glück und entdecken ihn wieder, als er gerade an einem Busch mit den Vorderpfoten kratzt und dann sein Revier markiert.

 

Nur wenig später kommt der Leopard dort wieder heraus, um unbeirrt seinen Weg fortzusetzen. So haben wir eine gute Gelegenheit, den Chui in seiner ganzen Pracht und Schönheit zu sehen.

 

Zielstrebig und ohne noch einmal inne zu halten geht er auf den Olare Orok zu. Der Fluss führt an dieser Stelle kaum Wasser. Große graue Felsen ragen aus dem Flussbett heraus. Der Leopard überquert trockenen Fußes den Fluss und verschwindet alsbald darauf im gegenüberliegenden dichten Wald.

Nur 20 Minuten hat diese Leopardenbegegnung gedauert, doch wir freuen uns riesig, endlich einmal wieder diese wunderschöne, anmutige Raubkatze gesehen zu haben.

Doch viel Zeit zum Genießen der Eindrücke bleibt nicht. Daniel gibt die nächste Richtung an und wir folgen dem kleinen Landrover vor uns. Zehn Minuten später sehen wir die nächste Katze, einen einzelnen Gepard. Friedlich liegt er mitten in einer offenen Graslandschaft und räkelt sich entspannt.

Duma - Leopard

Hin und wieder schaut er auf, blickt aufmerksam nach rechts, nach links oder auch starr geradeaus. Wir folgen seinem Blick, schauen durch das Fernglas, können aber außer hohem Gras weit und breit nichts entdecken. 

Es scheint auch nichts wirklich Interessantes für ihn unterwegs zu sein, denn er lässt sich wieder ins Gras fallen und widmet sich ausgiebig seiner Körperpflege.

Doch dann sitzt er plötzlich aufrecht und schaut höchst konzentriert in die Weite. Wir folgen seinem Blick mit dem Fernglas. Aber außer dem hohen, sich im Wind hin- und her biegenden Gras sehen wir nichts.

Der Gepard steht auf, fixiert noch einmal etwas in der Ferne und läuft dann gleichmäßig ruhig aber sehr zielstrebig in diese Richtung.  Mit dem Fernglas versuchen wir auszumachen, was der Gepard gesehen hat. Wir sehen immer noch viel Gras und viel Landschaft - weiter nichts!

Natürlich versuchen wir dem Tier zu folgen. Doch das gestaltet sich gar nicht so einfach, denn im hohen hellbraunen Gras findet der Gepard eine perfekte Tarnung und wir können ihn meistens nur noch ungefähr erahnen. Außerdem müssen wir natürlich auf dem Fahrweg bleiben, während der Gepard querfeldein läuft. Wir bekommen gerade noch mit, dass er zur Jagd ansetzt. In der Ferne flüchtet eine Herde Impalas auseinander und dann sehen wir wieder nur weite Landschaft und Gras. Ganz friedlich wirkt die Gegend, als wäre seit Stunden nichts passiert.

Wir fahren langsam den Weg weiter entlang und suchen intensiv das Gebiet ab. An einer Gabelung halten wir uns links und fahren auf dem parallel führenden Track die Strecke wieder zurück. Und dann… plötzlich rechts von uns im Gras sehen wir ihn wieder. Der Gepard liegt vor seiner Beute, beißt noch deren Kehle, um sie zu ersticken.

Nachdem die Beute getötet ist, ruht der Gepard erst einmal aus. Die Gepardenjagd dauert zwar nur wenige Minuten, aber die enorm hohe Jagdgeschwindigkeit von etwas über 100 km/h kostet den Geparden außerordentlich viel Kraft.

Außerdem sucht er scheinbar aufmerksam die Gegend ab, bevor er vom Hinterteil ausgehend mit dem Aufreißen der Beute beginnt. Auch zwischendurch schaut er sich immer wieder um, so dass er mögliche Störungen durch andere Raubtiere wie Hyänen oder Leoparden, gegen die er seine Beute nicht allzu lange verteidigen kann, rechtzeitig bemerkt.

„Unser“ Gepard kann sich jedoch ganz in Ruhe, ohne Störungen satt fressen. Weit und breit sind in den kommenden 35 Minuten keine anderen Tiere zu sehen. Nicht einmal Geier nähern sich dem Geschehen und kreisen in der Luft. Nach einer guten halben Stunde - die Beute ist nicht einmal zur Hälfte aufgefressen – wendet sich der Gepard davon ab und verschwindet im hohen Gras. Sicher sucht er sich nun ein Fleckchen auf einem Hügel oder unter einem Busch, wo er in Ruhe verdauen kann.

Es ist mittlerweise 9.30 Uhr und unser Magen schreit knurrend nach Frühstück. Wir verabschieden uns von den Franzosen und von Daniel uns setzten unseren Gamedrive nun alleine fort.

Ein schönes, beschauliches Plätzchen am Fluss ist nun gerade richtig. So fahren wir zum Talek River, genießen dort unser Frühstück und die Stille, die über der Landschaft liegt.

Breakfast am Talek River

Wir erfreuen uns an einer Giraffe am gegenüberliegenden Ufer. Sie hat eine sehr dunkle, ja fast schwarze Zeichnung.

Massaigiraffe
Massaigiraffe mit Jungtier
Massaigiraffenbaby

Gegen 11.00 Uhr fahren wir weiter und durchfahren an einer Furt nahe dem Explorer Camp den Talek River, um auf der anderen Flussseite unseren Gamedrive fortzusetzen.
Wir kommen nur etwa einen Kilometer weit. An einer Uferböschung steckt ein kleiner Landrover fest, der es nicht schafft, die steile Uferböschung hinauf zu fahren. Die Besatzung besteht aus 2 Touristen, einem Massai-Guide und dem Fahrer. Der Fahrer macht noch mehrere Anläufe den steilen Hang hochzukommen und erst als das Auto fast auf die Seite kippt, gibt er auf.
Wir versuchen zunächst den Wagen mit dem Abschleppseil zu ziehen, doch die Fahrspuren im Flussbett sind zu tief und die Böschung zu steil. Das Auto bleibt stecken und das Seil reißt. Im Hinterkopf notieren wir „schlechte Qualität – ungeeignet“. Beim nächsten Kenya-Urlaub werden wir wohl der Empfehlung eines langjährigen Afrika-Selbstfahrers folgen und ein ausgedientes Sicherungsseil für Bergsteiger einpacken.

Schließlich schlagen wir dem Fahrer vor, die tief ausgefahrenen Spurrillen mit Erde und Steinen aufzufüllen. Er steht etwas hilflos da, weiß anscheinend nicht, wie er das mit seinem Guide bewerkstelligen soll. Eine Notfallausrüstung hat er schon gar nicht im Auto: kein Seil, keine Schaufel, kein Spaten - nichts. Hier muss ich tatsächlich an Elviras Kritik denken, wie unausgegoren und unerfahren manche Safariunternehmen ihre Fahrer und Guides doch in den Busch schicken.
Wir fangen an, Steine aus dem Flussbett zusammenzutragen, holen unseren Spaten und eine Harke aus dem Auto und beginnen die Böschung zu ebnen. Alle helfen mit – auch die beiden englischen Touristen, die dann doch nicht untätig am Rand zusehen wollen.
Auf der anderen Seite stehen ein paar Minibusse und schauen unserem Treiben zu. Eigentlich wollen sie hier auch den Fluss überqueren. Sie werden sich hoffentlich eine andere Furt aussuchen, denn sie haben keine Chance mit ihrem Kleinbus hier hochzukommen.

Nachdem wir den kleinen Landi gut genug unterfüttert und alle Fahrspuren aufgefüllt haben, hängen wir ihn noch einmal mit unserem geflickten Abschleppseil an unser Auto und ziehen das Unglücksfahrzeug hoch auf den Weg. Fahrer und Massai-Guide sind sichtbar erleichtert, die beiden Touris glücklich und unsere „gute Tat“ für heute vollbracht. Die Minibusfahrer auf der anderen Flussseite drehen auch lieber um und suchen sich einen anderen Übergang.

Nach einer Stunde schweißtreibender Arbeit setzen wir endlich unsere Fahrt fort. Wir wollen noch zum Mara River bzw. zu der Stelle, wo der Talek River in den Mara River mündet. Das erweist sich allerdings als recht schwierig, da wir den Weg nicht kennen und entlang des Talek Rivers ein Camp neben dem anderen liegt und somit jede Zufahrt zum Fluss zugebaut ist.

Doch wir entdecken unterwegs immer wieder ein paar Besonderheiten, so z.B. eine Giraffe mit einem sehr kleinen Jungen.

Auch einen Schwarzbrustschlangenadler sehen wir hoch im Baum thronen. Sein Name verrät schon, dass er sich hauptsächlich von Schlangen ernährt, auch von Giftschlangen, gegen deren Gift er allerdings nicht immun ist. Deshalb ergreift der Schwarzbrustschlangenadler seine Schlangenbeute mit den Krallen, beißt ihr den Kopf ab und verschlingt sie dann als Ganzes. Auf seinem Speiseplan stehen aber auch Vögel, Frösche und kleine Säugetiere.

Schwarzbrustschlangenadler

Selbst für einen mit etwa 40 cm kleinen, bunt gefiederten und in Ostafrika weit verbreiteten Vogel, die Gabelracke – auch Gabelschwanzracke genannt – hält Joachim freiwillig an.

Gabelschwanzracke

Wir erfreuen uns an einer größeren Herde Elenantilopen mit vielen Jungtieren. Bisher haben wir stets nur einzelne Tiere oder kleine Tiergruppen der Elands gesehen, die gerne vor uns geflüchtet sind. Doch diese Herde zieht ganz gelassen an uns vorbei, achtet aber auch immer darauf, dass die Jungtiere in der Herdenmitte bleiben und dort Schutz finden.

Mit einem Gewicht zwischen 500 und 1000 kg und einer Körperlänge von zwei bis drei Metern ist sie die größte Antilopenart.
Eland oder Elenantilopen...
Elenantilopen leben in den offenen Ebenen, trockenen Savannen sowie den bergigen Graslandschaften von Ost-, Zentral- und Südafrika.
...sind die größte Antilopenart

Endlich – nach einigen Irrwegen stehen wir um 13.00 Uhr am Mara River. Die Strömung an dieser Stelle ist kräftig, doch ein Flusspferd steht mittendrin und genießt wohl den starken Fluss des Wassers.

Hippo im Mara River

In der Ferne sehen wir auf einer Anhöhe die Mara Serena Lodge, gut erkennbar am Funkmast und für uns immer eine sichere Orientierungshilfe in unbekanntem Gebiet.

Im Hintergrund ist auf dem Hügel der Funkmast der Mara Serena Lodge zu erkennen - für uns immer ein guter Orientierungspunkt
Am Mara River

Hier sehen wir auch unseren ersten Elefanten auf dieser Reise. Während die großen grauen Riesen in der Vergangenheit stets täglich und zahlreich unseren Weg kreuzten, haben wir dieses Mal erst heute das Vergnügen.

Die Mara Serena Lodge in der Ferne immer im Blick haltend suchen wir uns einen Picknickplatz unter einer Schirmakazie. Dort verbringen wir die heiße Mittagszeit, nehmen unseren Lunch ein und ich überbrücke das Nichtstun mit dem Versuch ein paar Makroaufnahmen von Fliegen und Raupen zu machen, indem ich die kleine EOS 350D mit einem Retro-Adapter umbaue. Na gut – die Aufnahmen gelingen nicht wirklich. Von 100 Bildern ist nur ein einziges von einer Raupe am Grashalm halbwegs brauchbar.

Als hinter uns wieder eine kleine Elefantenherde vorbeizieht, packen wir unsere Sachen ins Auto und fahren weiter mit Kurs auf den Mara River. Wir stehen auf der Narok Council-Seite direkt unterhalb der Mara Serena Lodge und betrachten das Treiben im Fluss.

Jede Menge Hippos tummeln sich in ihrem Pool, eine Gruppe Nimmersatt nimmt ein Sonnenbad oder trocknet die Flügel und ein Spornkiebitz tippelt auf der Suche nach Futter über die aus dem Wasser ragenden Steine.

Nimmersatt
Spornkiebitz

Wir fahren weiter und stellen bald darauf fest, dass wir Kühlwasser verlieren. Das ist nicht gut – aber wir sind ja gut aufgestellt und haben einige Liter Wasser dabei. 4,5 Liter Wasser füllen wir nach, aber unter dem Auto tropft es auch munter wieder heraus. Wir befinden uns, wie so oft, auf einem wenig befahrenen Track und wollen in dieser einsamen Gegend nicht warten, bis mal zufällig jemand vorbei kommt. So beschließen wir, ohne Umwege uns so schnell wie möglich nach Talek zurückzufahren, um noch einen Workshop zu erreichen. Wir schalten den Navi ein, der uns zwar nicht den kürzesten Weg nach Talek führen will, aber wir orientieren uns an der groben Richtung und „fliegen“ über die steinige und schlaglochreiche Piste. Am Airfield vom Intrepids halten wir an. Dort herrscht gerade reger Ankunft- und Abflugverkehr. Daher sind die Toiletten geöffnet und wir können unser Kühlwasser und 3 große Flaschen noch einmal auffüllen. Irgendein Guide meint, wir sollen in die Werkstatt zum Intrepids fahren. Dieser guten Idee folgen wir gerne, zumal das Camp ja nur wenige Minuten vom Airfield entfernt liegt.

Es ist aber wie verhext. Als wir in der Werkstatt eintreffen, leckt gar nichts mehr. Kein Wasser fließt, der Kühler ist gut gefüllt, allerdings ist das Wasser unnormal heiß. Nach eingehender Untersuchung finden die Worker aber doch ein Loch im Kühler. Ein bisschen Pulver, welches das Loch von innen abdichtet und eine halbe Stunde später ist der Schaden behoben. Außerdem erstehen wir aus einem der dort herumstehenden Altfahrzeuge eine Fensterkurbel, die im vergangenen Jahr in irgendeiner Werkstatt Nairobis abhanden gekommen ist. Wir zahlen 1500 Kshs und hoffen, dass der Kühler hält.

Auf unserem Rückweg ins Camp entdecken wir unter einem Gebüsch einen einzelnen Geparden. Wir vermuten, dass es unser Tier von heute morgen ist. Doch wenn ich die Fotos nebeneinander betrachte und die Gesichtszeichnung miteinander vergleiche, bin ich sicher, dass es sich um ein anderes Tier handelt.

Als wir um kurz nach 18.00 Uhr im Aruba Camp eintreffen sind wir mit unserem Tag heute rundum zufrieden. Nach dem Abendessen sitzen wir noch noch lange am Lagerfeuer, schauen bei einem Glas Rotwein unsere Bilder an und freuen uns an den Erlebnissen des Tages.

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