Endlich auf Safari

 

Freitag, den 31.7.2009

Um 13.30 Uhr hält Joachim endlich am Times Tower und ich springe schnell ins Auto. Vollgetankt mit neuer Batterie und ausreichend Lebensmittelvorräten, Tusker und Fanta starten wir unsere Safari. Schnell entscheiden wir, dass es für den Weg ins Samburu National Reserve schon viel zu spät ist und wir heute nur bis zum nahe gelegenen Nakuru Nationalpark fahren. Die knapp 170 km müssten wir in 3 Stunden schaffen.

Unterwegs stellen wir fest, dass außerhalb von Nairobi entlang der A104 Richtung Limuri der Dieselpreis immer günstiger wird. Von 74,9kshs/l reduziert er sich über 70,4/l, 69,9/l, 67,9/l auf 66,9/l. Ein erheblicher Unterschied, wie wir finden, und wir beschließen, die Tankstellen in den Innenstädten künftig zu meiden.

Um 16.30 Uhr stellen wir unseren Landi am Main Gate des Nakuru NP erst mal ab, bezahlen unsere Park und Campingfees (pro Person und Nacht jeweils 60 US$ Parkfees und  25 US$ Campingfees sowie 1000Kshs pro Nacht für’s Auto). Wir wissen noch nicht, wie lange wir bleiben wollen, bezahlen erst einmal für eine Nacht und erhalten eine Card mit Magnetstreifen, auf der unsere Daten abgespeichert sind. Diese Card wird nun vor dem Passieren des Gates durch ein Lesegerät gezogen. Sollten wir länger bleiben, bezahlen wir die Differenz beim Verlassen des Parks.

Unser Lager wollen wir an der Public Campingsite „Makaliafalls“ aufschlagen. Bis dahin sind es auf dem Hauptweg noch 22 km, d.h. wir dürfen nun nicht mehr trödeln, wenn wir vor der früh einbrechenden Dunkelheit noch unser Zelt fix und fertig aufbauen wollen. Entsprechend schnell (ca. 35 km/h) fährt Joachim auch durch den Park und gewährt mir auch nur einen kurzen Blick und zwei schnelle Fotos auf den bzw. von dem unter uns liegenden See.

Blick vom Hauptweg im Nationalpark auf den Lake Nakuru
Das Schnattern der Flamingos steigert noch unsere (Vor)freude

Der Weg zu der auf 1818 m liegenden Campingsite ist gut ausgeschildert und auch ohne Navi kann man sich gar nicht verfahren. Dennoch hier die Koordinaten: S 00° 29.451, EO 36°04.979.

Der Platz ist recht groß und nur von einer Gruppe einheimischer Tagesausflügler besucht. Wir haben also freie Platzwahl und entscheiden uns für eine Stelle nahe einem Wasseranschluss.  Nach einer Stunde steht unser Zelt fertig eingerichtet. Das Vorzelt bauen wir morgen erst auf – jetzt sind wir zu müde, es wird dunkel, wir haben Hunger und das Wetter ist gut, so dass es nicht zwingend erforderlich ist.  Wir  lassen den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen, kochen uns natürlich noch eine Kleinigkeit und lauschen den fremden und doch irgendwie vertrauten Geräuschen der Nacht.

Übersichtskarte Lake Nakuru Nationalpark

Samstag, den 1.8.2009

Um 6.30 Uhr krabbeln wir nach einer erholsamen Nacht aus unserem Zelt. Unsere neuen aus Deutschland importierten Luftkammer-Matratzen bieten doch erheblich mehr Schlafkomfort als die dünnen selbst aufblasbaren Matten aus den Vorjahren.

Wir starten mit Tee und Kaffee in den Tag und bauen dann erst einmal unser Vorzelt auf. Um 8.00 Uhr geht es dann endlich los. Zum ersten Mal in unserem Landi-Besitzer-Leben setzt sich Joachim auf den Beifahrersitz und lässt mich fahren. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist es für mich schon mit dem Lenkrad auf der falschen Seite. Gut dass ich nicht im dichten Stadtverkehr von Nairobi üben muss – denn ich habe zunächst mal einen eindeutigen Rechtsdrall. Doch der Gewöhnungsprozess setzt schnell ein. Nach einigen Kilometern fühle ich mich schon wesentlich sicherer und der Umgang mit Gräben, Schlaglöchern und schlechten Pisten kommt durch „Learning by Doing“. Gelegentlich nehme ich auch mal einen wohl gemeinten Ratschlag meines Beifahrers an – aber wohl dosiert versteht sich, denn ich bin der Meinung, dass eigene Erfahrungen irgendwie nachhaltiger sind.

 

Zunächst fahren wir zu den naheliegenden Makaliafalls. Die kennen wir ja schon von unserer Safari 2007. Doch welch erschreckendes Bild zeigt sich uns da. Die Falls liegen total trocken. Nicht ein Tropfen kommt von den Felsen. Die überall vorherrschende Trockenheit in Kenya zeigt sich auch hier im Nakuru Nationalpark.

 

Nicht ein Tropfen Wasser fällt von den Felsen. Die große Dürre in Kenya ist hier deutlich sichtbar.
Makaliafalls Anfang August 2009
So haben wir im August 2007...
... die Makaliafalls kennengelernt
Besonders beeindruckend ist das überaus lange und spitze Horn des hinternen Rhino
Friedlich grasen diese beiden Breitmaulnashörner nebeneinander

Weiter geht unsere Fahrt  durch Leopardenland. Dort ist alles trocken und braun, die Landschaft wirkt trostlos und einen Leoparden sichten wir natürlich auch nicht. Dafür sehen wir immer wieder friedlich grasende Zebraherden und geraten dann recht schnell an die eingezäunten Grenzen des Nakuru Nationalparks. Eine Zeit lang fahren wir den Weg am Zaun entlang und nehmen dann aber den nächsten Abzweig zum Lake Nakuru.

Auf unserem Weg dorthin treffen wir auf zahlreiche Nashörner. Da der Nakuru Nationalpark auch ein Nashorn-Schutzgebiet mit einer großen Population von Spitz- und Breitmaulnashörnern ist, die unter dem Rund-um-die-Uhr-Schutz der dortigen Ranger stehen, ist es natürlich ein Leichtes dort diesen Dickhäutern zu begegnen. Die Spitzmaulnashörner – auch Black Rhinos genannt – fressen Blätter von Büschen und Bäumen, indem sie diese mit ihren spitzen Lippen abzupfen. Die Breitmaulnashörner (auch White Rhinos) fressen mit ihrem breiten Maul ausschließlich Gras und sind daher gut beim Weiden an ihrem gesenkten Kopf zu erkennen. Die Bezeichnungen Black und White Rhino haben nichts mit ihrer Farbgebung zu  tun. White Rhino kommt lediglich von einer falschen englischen Sprachdeutung des Wortes „wide“ = weit oder breit. Im Gegensatz zu dem fälschlicherweise gedeuteten „White Rhino“ entstand dann die Bezeichnung „Black Rhino“.

Trotz der eigentlich leichten Unterscheidung dieser beiden Nashornarten fühle ich mich in der Bestimmung immer unsicher. Unsere Fotos müssten folglich die Breitmaulnashörner zeigen.

Nicht einsam...
... sondern gemeinsam lautet hier wohl die Devise
Mit einer Schulterhöhe von 160 - 200 cm ...
... und einem Gewicht von 1400 - 3500 kg...
... ist das Breitmaulnashorn nach den drei Elefantenarten das viertgrößte Landsäugetier auf unserem Planeten
Der Sekretär - auch Schicksalsvogel genannt - führt ein Nomadenleben
Warzenschweine sind Allesfresser, wenngleich pflanzliche Kost auf ihrem Speiseplan ganz oben steht

Immer wieder begegnen wir Büffelherden. Diese Tiere sind hier im Nationalpark zahlreich vertreten und auch wenn sie uns friedlich grasend erscheinen, sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Ein Sekretär stolziert vor uns durchs Gras und Familie Warzenschwein – ngiri ngiri auf Suaheli – ist auf Frühstückspirsch.

Am liebsten frisst der Sekretär Schlangen, allerdings verschmäht er auch Amphibien, Eidechsen, Insekten, kleinere Säugetiere und auch Vögel nicht. Sein sonderbarer Name rührt von den schwarzen Kopffedern, die an Gänsekielfedern erinnern und früher oft von den Gerichtsschreibern bzw. -sekretären in die Perücke gesteckt wurden.

 

Die Nahrung der Warzenschweine besteht vorwiegend aus Pflanzen. Mit ihrer Schnauze und den Hauern durchwühlen sie das Erdreich und suchen Wurzeln und Knollen. Aber auch Beeren und Baumrinde und gelegentlich sogar Aas findet sich auf dem Speiseplan dieser Allesfresser. Leider haben wir die Erfahrung machen müssen, dass Warzenschweine selten für ein Foto posieren. Sie suchen schnell das Weite, wenn man sich ihnen nähert. Dabei stellen sie ihr Schwänzchen senkrecht in die Höhe und flitzen geschwind davon, was ihnen den scherzhaften Namen Kenya-Express eingehandet hat.

Zwei Elenantilopen flüchten leider vor uns. Schade mit ihren schönen, stolzen Hörnern hätten wir gerne beide fotografisch von vorne erwischt. Dafür unterbricht ein junges Zebra seine intensive Suche nach Futter und schaut uns ganz neugierig an.

Dort wo sonst der See das Land bedeckt, ist deutlich die Salzkruste erkennbar

 

Am Ufer des Lake Nakuru angelangt sehen wir die verheerenden Auswirkungen der Dürre. Der See hat sich seit 2007 stark verkleinert. Das mit einer Salzkruste überzogene Land zeigt deutlich, wo die Ufer des Sees sonst verlaufen. Mit der der zunehmenden Verlandung des Sees bei lang anhaltender Trockenheit geht auch eine bedrohliche Verschmutzung des Gewässers einher Darunter leidet zwangsläufig auch die einmalige Vogelwelt - immerhin 450 Vogelarten, darunter 90 Wasservögel!

 

Wir nähern uns dem Seeufer vorsichtig, was uns natürlich nicht gelingt, ohne ein paar hundert Flamingos aufzuscheuchen. Die lassen sich aber schnell an anderer Stelle wieder nieder und beginnen ihr carotinhaltiges Futter, das ihrem Gefieder die rosa Farbe verleiht, weiter aus dem sodahaltigen See herauszufiltern. Der beißende Gestank, der vom See herzieht, bleibt allerdings noch länger in unserem Riechorgan haften und begleitet uns noch, als wir längst den See verlassen haben.

Zeitweise ernähren sich hier bis zu 2 Millionen Flamingos von Plankton uind Kleinkrebsen
Diese carotinhaltige Nahrung verleiht dem Gefieder der Wasservögel die blass-rosa Farbe

Dennoch finden wir den Anblick des Sees mit seinen tausenden Flamingos und den vielen Pelikan-Kolonien wieder wunderschön und verbringen eine gute Stunde dort mit Filmen und Fotografieren.

Zwei wohl genährte Hyänen laufen an uns vorbei – der einen klebt noch eine Feder am Maul -  und klettern hoch in die Waldzone. Wahrscheinlich haben sie gerade erst  einen Flamingo gerissen. Die frischen Überreste sehen wir kurz darauf in der Uferzone liegen.

Lebendig nicht nur hübsch anzuschauen, sondern auch ein Teil der Nahrungskette
Ein prächtiges Exemplar mit wundserschöner dunkler Zeichnung ...

 

Wir fahren zurück zur Mainroad und kurz darauf begegnen uns schon die ersten Rothschildgiraffen, die seit ihrer Ansiedlung im Jahre 1977 im Nakuru Nationalpark beheimatet sind.

Diese sehr seltene und gefährdete Unterart der Giraffen, die an den hellen, fast weißen Beinen gut erkennbar ist, war in den Wirren des Bürgerkrieges in Uganda vom Aussterben bedroht. Mittlerweile haben sie sich so kräftig vermehrt, dass sie auch wieder in Uganda neu angesiedelt werden.

... das hier beim Fressen für uns posiert

Unsere Fahrt führt uns weiter zum BaboonCliff-Lookout, einem Aussichtspunkt südwestlich des Sees. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick über den Lake Nakuru und den Nationalpark.

Es ist gerade Mittagszeit und so drängen sich jede Menge Safaribusse, Geländefahrzeuge und Menschen auf diesem Aussichtspunkt, der seinem Namen alle Ehre macht. Die Paviane kommen von überall aus den Büschen und versuchen leichte Beute zu machen. Jedes offene Autofenster wird gnadenlos ausgenutzt und dass einige Zweibeiner doch tatsächlich versuchen den räuberischen Affen auch noch mit ausgestreckter Hand etwas Essbares hinzuhalten, ist uns völlig unverständlich. So fehlt uns auch jedes Mitleid, als ein großes, kräftiges Pavianmännchen verbissen einen Safarigast verfolgt und versucht sein Lunchpaket zu ergattern – mit Erfolg natürlich. Der Safarigast fühlt sich zu Recht von dem großen Tier bedroht und lässt sein Mittagsmahl lieber fallen. Eine durchaus gefährliche Situation.

Alle Fenster und sogar die Dachluken an unserem Auto haben wir wohlweislich schon verschlossen und wir bewegen uns  - die Kameras fest im Griff - auf dem BaboonCliff mit einem langen Stock bewaffnet – von Joachim „Supervisor“ betitelt - den wir schwingen, wenn die Paviane uns zu nahe kommen. Das Essen verkneifen wir uns gänzlich, holen es später an besserer Stelle nach und sehen uns dafür an der schönen Landschaft satt.

Am Himmel ziehen sich dunkle Wolken zusammen und gegen 14.30 Uhr beginnt es heftig zu regnen. Daher fahren wir erst mal zum Camp zurück. Mit Tiersichtungen – insbesondere Leoparden – werden wir jetzt eh kein Glück haben.

Wir brauchen fast eine Stunde bis unser kleiner Holzkohleofen so viel Hitze entwickelt, dass wir Wasser für einen Cappuccino kochen können. Zwischendurch lässt der Regen mal nach, aber nur um dann wieder heftig weiter zu prasseln.

Kurz nach 17.00 Uhr beschließen wir – da es nun auch aufgehört hat zu regnen - noch einmal rauszufahren. Ganz gezielt bewegen wir uns langsam durch ein für Leoparden ideales Territorium und halten Ausschau nach dieser scheuen Raubkatze. Doch wir werden nicht belohnt. Ein wenig enttäuscht fahren wir in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit ins Camp zurück. Dort kochen wir am Lagerfeuer unser Nachtmahl und genießen in dessen wärmendem Licht die Geräusche der Nacht und unser Tusker-Fanta-Gemisch.

Sonntag, den 2.8.2009

Noch vor Sonnenaufgang krabbeln wir gegen 5:30 Uhr aus unserer Behausung. Auf ein Frühstück verzichten wir erst einmal, denn wir wollen die frühe Stunde nutzen, um noch einmal auf Leopardenpirsch zu fahren. Doch außer ein paar einzelnen Büffeln und Gazellen und einem weiteren Safariauto mit ein paar jungen Leuten, die scheinbar mit gleichem Ziel wie wir unterwegs sind, begegnet uns bis 9.00 Uhr nichts, was unsere Aufmerksamkeit hätte binden können. Das Zwitschern und Zetern zahlreicher Vögel in den Bäumen scheint uns zu verhöhnen. Immerhin erleben wir wieder einmal einen wunderschönen Sonnenaufgang, wenngleich sich ein paar Regentropfen auf unser Objektiv verirren. Mit knurrendem Magen brechen wir die Pirsch ab und sind um 9.30 Uhr wieder im Camp.

Im Camp bereiten wir ein ausgiebiges Frühstück zu und brechen anschließend unser Lager ab. Um 11.40 Uhr machen wir uns bei einem Kilometerstand von 141.670km auf den Weg zum Main Gate, über das wir den Nakuru NationalPark wieder verlassen. Wir zahlen noch Park- und Campingfees nach und steuern dann unser nächstes Ziel an – das Samburu NationalReserve.

Nakuru-City poliert mit interessanten Straßenlaternen ihr Image auf

Abschließend möchten wir festhalten, dass uns diese Public Campingsite Makaliafalls sehr gut gefallen hat. Sie ist groß genug, um mehrere Camper aufzunehmen, ohne dass man sich gegenseitig stört. Selbst eine Camper-Gruppe von 20 Personen, die in einem großen LKW dort Station machte, stellte für uns keine wesentliche Störung dar.

 

 

Die Duschen und Toiletten sind sicher grenzwertig aber sie sind in Betrieb. Was die Sauberkeit betrifft,  hat sicher jeder seine eigene Schmerzgrenze. Wir haben sie nicht benutzt, sondern uns an dem unserem Zelt gegenüberliegenden Wasserhahn gewaschen. Das Wasser ist gut und sauber – wir haben es sogar zum Kochen und auch für unseren Tee und Kaffee, selbstverständlich auch abgekocht,  verwendet.  Allerdings sollte man tunlichst nichts liegenlassen – es ist innerhalb kürzester Zeit verschwunden. Paviane treiben ihr Unwesen und stibitzen selbst ein glitschiges Stück Seife. Ich habe aber keinen besonders reinlich wirkenden Pavian gesichtet und somit den Dieb nicht ausmachen können.

Duschen an der Campingsite ...
... und die Toiletten

Das Zelt kann bei Pirschfahrten gefahrlos stehen bleiben. Jedoch sollte man alle beweglichen Teile ins Zelt räumen. Wir verschließen unser Zelt immer auch mit einem kleinen Vorhängeschloss, so dass selbst ein geschickter Baboon keine Chance hat, uns irgend etwas durcheinander zu bringen oder zu entwenden  Zweibeiner mit demselben Anliegen haben es dadurch auch wesentlich schwerer. Letztere sind uns aber bislang auf unseren Campingreisen durch Kenya noch nie begegnet