Heißes, trockenes Land im Norden - Samburu

 

Samstag, den 27.2.2010  

Um 7.30 Uhr werden wir erst wach – viel zu spät, denn wir müssen doch noch einiges zusammenpacken und im Auto verstauen. Ich sammle all unsere Handys und Kameraakkus ein, die überall verteilt an den Steckdosen hängen. So gerüstet müssen wir eigentlich gut eine Woche überstehen, ohne zwischendurch aufladen zu müssen.

Wir starten unsere Safari mit einem kleinen Abstecher um die Ecke in die Slums. Hoffentlich ist die Kochstelle, die wir gestern Abend in Auftrag gegeben haben, auch fertig. Als wir um die Ecke biegen und unser Auto auf dem Platz vor der kleinen Werkstatt abstellen, nimmt der Worker schnell seine Eisen und eine Säge zur Hand und beginnt mit der Auftragsarbeit. War ja eigentlich klar – schließlich sind wir in Kenya. Die Jungs hatten wohl Sorge, dass wir sie auf dem fertigen Grill sitzenlassen. Aber die fundis beeilen sich, das Ding schnell zurecht zu sägen und zu schweißen. Sie erlauben uns sogar ein paar Fotos  machen.

Nach einer halben Stunde sind wir endlich startklar für Samburu! Wir fahren in Nairobi auf die A2 Richtung Thika – Maragua – Nyeri. Kurz vor Thika tanken wir noch einmal voll und lassen wieder einmal die Getriebepipe reparieren. Das ist ja hier in Kenya immer  ganz  easy: ein bisschen Silikon, warten bis es trocken ist und fertig. Am Ende verlangt der fundi doch tatsächlich 1500 Kshs. Uns bleibt die Spucke weg. Das kleine Tübchen Silikon soll 400 Kshs kosten, was auch durchaus ok ist, aber 1100 Kshs Arbeitslohn für 5 Minuten Arbeit und 30 Minuten small talk ist schon ziemlich dreist. Joachim gibt dem Worker 1000Kshs und erwähnt dabei: „We never pay the mzungu-price!“ Der Arbeiter steckt den Schein ein, grinst und versucht nicht mal zu protestieren.  Wahrscheinlich hat er sogar mit dem Tausender noch ein gutes Geschäft gemacht.

Um 11.30 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Wir kommen zügig voran. Die A2 ist zwar nicht herausragend – Joachim muss immer wieder auf Schlaglöcher achten – aber trotzdem ist die Straße so gut, dass wir immerhin mit 80 km/h fahren können.

Safari - immer eine staubige Angelegenheit
Neubausiedlung
Achtung! Schlagloch!

Eine Stunde später lassen wir Makuyu hinter uns. Noch ist alles grün, die Flüsse führen Wasser und rechts und links entlang der Straße stehen immer wieder Stände, die ihr Obst kunstvoll aufgebaut präsentieren.

Nach dem lang ersehnten Regen präsentieren sich schon wieder viele Landstriche in saftigem Grün

Wir fahren um 13.15 Uhr durch Karatina. Seit einiger Zeit baut sich vor uns eine dunkle Regenfront auf. Auch über uns weicht der strahlend blaue Himmel einer immer größer werdenden schwarzen Wolke. Kur vor Nanyuki beginnt es um 14.15 Uhr heftig zu regnen. In Nanyuki entdecken wir einen Nakumatt, an dem wir halten, um wenigstens für unsere großen Matratzen noch eine Handpumpe zu kaufen. Doch der Markt eröffnet leider erst im nächsten Monat. Da wir gut in der Zeit liegen und bis Samburu nur noch etwa 160 km zurückzulegen sind, machen wir eine kleine Pause und mixen uns im Auto einen Cappucchino.  Als wir um 14.45 Uhr weiterfahren, nieselt es nur noch ein wenig, jedoch zeigt sich der Himmel weiterhin grau. Dafür bringt der Fahrtwind nun durch das geöffnete Fenster eine frische, kühle Brise und trocknet schnell den Schweiß auf unserer Haut.

Nachdem wir Nanyuki hinter uns gelassen haben, wird die Straße extrem schlecht. Unsere bisherigen 80 km/h muss Joachim nun immer wieder zwangsweise drosseln auf 50 km/h. Trotzdem erreichen wir schon nach genau einer Stunde einen Abzweig, der uns links über Isiolo nach Buffalo Springs und Samburu führt. Geradeaus geht es weiter nach Meru. Wir richten uns schon einmal seelisch auf mindestens 50 km „Road under construction“ ein, also rote Staub- und Buckelpiste (wobei der Staub durch den Regen etwas weniger wirbeln dürfte).  Umso überraschter sind wir, dass die Straße schon 15 km feinste Asphalt-Rennstrecke ist. Dabei ist es doch erst ein halbes Jahr her, seit wir hier entlang geholpert sind.

Auch der Regen ist endlich ganz vorüber. Am Himmel sind schon wieder blaue Flecken zu sehen und die Sonne knallt gleich wieder erbarmungslos. Plötzlich steigt Joachim heftig in die Bremse. Unsere Kisten und Körbe hinten im Auto knallen durcheinander. 

Aus der Traum von freier Fahrt auf Kenyas neuen Straßen!

Die schöne Straße ist in langen Reihen mit dicken Steinen gesperrt. Vorbei ist es mit der neuen Pracht und unsere rote Stein- und Staubpiste beginnt wieder. Es ist jedoch wenig Verkehr und auch die Straßenbauarbeiten finden am heutigen Samstagnachmittag nicht in vollem Umfang statt. So erreichen wir schon um 16.15 Uhr Isiolo, wo wir gleich noch mal den Tank mit Diesel füllen. Hinter Isiolo ist die Straße wieder recht gut, so dass wir rechts und links während der Fahrt ein bisschen die Landschaft genießen können. Samburuland zeigt sich uns heute von einer ganz anderen Seite als im August des vergangenen Jahres. Zwar sind die Auswirkungen der Dürre vom letzten Jahr immer noch sichtbar, aber die Natur scheint sich zunehmend zu erholen. Viele Büsche und Bäume tragen wieder grünes Laub, am Straßenrand stehen niedrige Pflänzchen mit kleinen weißen Blüten und zu beiden Seiten machen große Pfützen deutlich, dass die ausgehärtete Erde all das Regenwasser von oben gar nicht so schnell aufnehmen kann.

Endlich erreichen wir um 16.45 Uhr den Abzweig, der links über eine Schotterstraße zum Ngare Mara Gate des Buffalo Springs Reserves führt.

Give me sweets! Give me money! Give! Give! Give!

Eine viertel Stunde später erreichen wir das Gate und zahlen dort unsere Parkfees, bevor wir zur Butterfly Public Campsite direkt am Ewaso Ngiro im Samburu National Reserve weiterfahren. 

Das Ngare Mara Gate - ein Eingang ins Buffalo Springs Nationalreserve
Letztes Jahr war alles braun und vertrocknet. Nach reichlich Regen stehen Büsche und Bäume wieder in bunter Blütenpracht.
Steppenadler - Aquila nipalensis

Während Joachim sich ins Buch einträgt und mit den Rangern unterhält, warte ich am Auto. Schnell kommen auch zwei kleine Kinder angelaufen und betteln erst um Geld, dann um Sweets und schließlich um Kekse. Wir wollen die Bettelei einfach nicht unterstützen und so lehne ich ganz konsequent alles ab, was die Kinder sich von mir erhoffen. Schließlich fragen die beiden kleinen mich doch tatsächlich, ob ich sie mal fotografieren möchte. Ganz schön clever die beiden!  Ich bin sicher, dass ich unmittelbar nach dem Betätigen des Auslösers die Eltern der Kinder parat stehen hätte, die mir für das Foto gutes Geld abknöpfen würden. Ich lehne das Fotografieren der Kinder also auch ab und sage den beiden, dass ich sicher erst einmal ihre Eltern um Erlaubnis fragen müsste. Die Kinder schauen mich mit großen Augen an und nicken schließlich. Sicher erleben sie häufiger, dass Touristen ihnen alles Mögliche zuwerfen oder zustecken – daher ist meine Reaktion für sie sehr ungewöhnlich. Als wir schließlich weiterfahren, gebe ich jedem aber doch noch einen Schokoladenkeks „because you don’t beg the whole time while I was waiting here!“.

Wir nehmen noch einen der Ranger mit, der sich gerade auf den Weg zur Nachtwache im Ashnil Samburu Camp machen will.

Gleich hinter dem Gate sitzen – sicher zu unserer persönlichen Begrüßung – zwei Steppenadler auf einem Baum – leider bleibt nur einer von ihnen für ein Fotoshooting ruhig sitzen.  In  der  Ferne marschieren  3 Elefanten und vor uns flattern immer wieder jede Menge Webervögel und ein Toko.

Meerkatzen an der Campsite

Nachdem wir den Ranger in der Nähe des Camps abgesetzt haben, versuchen wir eine Abkürzung zur Brücke über den Ewaso Ngiro zu finden, was uns aber kläglich misslingt. Wir landen immer wieder irgendwo in den Swamps, wo sich die befahrbaren Wege im Nichts auflösen.

So fahren wir schließlich auf die holperige Mainroad zurück und erreichen kurz nach 18.00 Uhr die Campsite. Wir haben die freie Platzwahl – niemand außer uns nächtigt auf der Campsite und so wird es auch bis zu unserer Abreise bleiben. Mit dem Blick auf den Fluss stellen wir unser Zelt auf, entzünden ein Lagerfeuer und weihen unsere neue Kochstelle ein.  Pavianbesuch erhalten wir erst einmal nicht, aber bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit erkunden jede Menge Meerkatzen neugierig, ob es nicht schon mal etwas bei uns abzustauben gibt.

Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange vor dem Zelt und genießen die friedliche Ruhe, das Rauschen des Flusses und den wunderbar klaren Sternenhimmel.

 

weiter

Lagerfeuer "3in1": Kochen - Wärmen - Träumen