Eine Woche in Changamwe bei Hebron und Jane

Dienstag, 22. Januar 2008

Octavian holt uns gemeinsam mit seinem Freund Hebron vom Bahnhof in Mombasa ab. Hebron ist "sein" Pastor, erklärt er uns. Die beiden schultern unsere Trecking-Rucksäcke und gehen unter deren Gewicht erst einmal in die Knie. Aber dann machen sie sich tapfer mit uns im Schlepptau auf den Weg zu einem Matatu-Knotenpunkt - immerhin eine Viertelstunde Fußmarsch und die Sonne heizt uns kräftig ein.

Octavian erzählt uns stolz, dass wir mit dem Matatu zu seinem Dorf fahren. Er lebt in Changamwe, etwa 6 km westlich von Mombasa in dem Dorf Mikindani. Dort hat er uns bei seinem Pastor - also bei Hebron - einquartiert, erfahren wir zu unserer Überraschung.

Octavian hat unseren Auftrag, eine günstige Unterkunft für uns zu suchen, sehr, sehr wörtlich genommen.

Joachim und ich sehen uns skeptisch an. Na ja, was solls...! Wir wollten doch Land und Leute besonders intensiv kennenlernen. Also quetschen wir uns mit dem ganzen Gepäck zu bereits 10 anderen Personen ins nächste Matatu nach Mikindani.

Die Fahrt dauert eine halbe Stunde und dann sind es noch mal 10 Minuten zu Fuß bis zu Hebron's Haus. Dort erwartet uns schon Jane, seine Frau. Sie freut sich wirklich über unseren Besuch und zeigt uns etwas nervös (hoffentlich wird es den weißen Gästen gefallen) unser Zimmer und die anderen Räumlichkeiten.

Das Haus des Pastors spiegelt durchaus seine Stellung im Dorf wider: gehobener Standard, betonierte und farbig gestrichene Fußböden und für afrikanische Verhältnisse eine gute Sanitäreinrichtung (Dusche, Toilette mit Wasserspülung!). Hebron und Jane bewohnen eine Hälfte des Hauses mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Dusche und WC. Ein weiteres Zimmer ist an ein junges Paar vermietet, das natürlich auch Küche, Dusche und WC mit benutzt. Die andere Hälfte des Hauses ist gegengleich. Die Räume sind zur Zeit nicht vermietet. Eines dieser Zimmer hat Jane für uns als Schlafzimmer hergerichtet. Alles ist sauber und ordentlich.

Unser Nachtlager für die kommende Woche - sogar an ein Moskitonetzt hat Jane gedacht!
Unser Schlafzimmer im Haus von Hebron und Jane
Meistens funktionierte die Wasserspülung - wie angenehm
Toilette mit Wasserspülung

 

Nachdem wir eine erfrischende Dusche genommen und uns umgezogen haben, treffen wir uns im Wohnzimmer. Jane hat Tee gekocht, wir steuern unseren guten Aldi-Instant-Kaffee, Kaffeesahne und ein paar Kekse bei. Jane und Hebron wollen alles über uns wissen: wo und wie wir wohnen und arbeiten, ob wir Kinder haben, wie oft wir schon in Kenya waren, wo wir überall schon waren, wie das Leben in Deutschland ist, wieviel Autos es dort gibt, ob die Straßen gut sind, die Kinder in die Schule gehen müssen, es eine Regenzeit gibt, welche wilden Tiere dort leben ....

Aber umgekehrt wollen wir auch alles von ihnen wissen, und so vergeht der Mittag im Flug.

Lebhaftes Kennenlernen unserer Gastgeber
Das Dorf Mikindani in Changamwe
Nachbarschaft von Hebron und Jane

Mittags spazieren wir eine Runde durch das Dorf. Von einer kleinen Anhöhe blicken wir in ein Tal mit weiteren Häusern. Dort unten wohnt Octavian und trotz der Mittagshitze machen wir uns auf einen halbstündigen Fußmarsch , um Octavians Familie zu besuchen.

Eine typische Straße im Dorf. Nach Regenfällen muss man sich "seinen" Weg um die z.T. sehr großen Pfützen suchen.
Dorfstraße
Überall mitten im Dorf wird der Müll abgeladen. Besonders der nicht verottende Plastikmüll stellt ein großes Problem dar und trägt dazu bei, dass die wilden Müllablagerungen überall wachsen.
Müll im Dorf
Beim Fleischer im Dorf können fertige, warme Mahlzeiten gekauft werden, aber auch Fleischstücke von Ziegen, Hühnern und Schafen. Das ganze Tier wird verwertet.
beim Fleischer

Seine beiden ältesten Mädchen Franziska (12 J.) und Cecilia (9 J.) haben wir ja schon letztes Jahr in Nairobi bei Octavians Schwager Nicholas kennen gelernt. Beide sind aber noch in der Schule.

Die kleine Mary (3J.) läuft ihrem "Daddy" strahlend entgegen und flüchtet dann bei unserem Anblick erst mal auf seinen sicheren Arm. Auf dem Weg zum Haus sucht Mary aus ihrer sicheren Position immer wieder Blickkontakt zu uns. Mit freundlich-lustiger Gestik und Mimik und ein paar aufmunternden englischen Worten, die ihr Daddy in Swahili übersetzt, ist das Eis schnell gebrochen.

Nun begrüßen wir auch Octavians Frau Rose und  - welche Überraschung - das neueste Familinemitglied. Joy ist gerade mal 6 Wochen jung und ein wirklich entzückendes Baby.

Auf sein eigenes Haus ist Octavian sehr stolz.
Hier wohnt unser Freund Octavian mit seiner Familie
Irgendwo dort unten wohnt Octavian mit seiner Familie im selbst gebauten Haus
Blick auf Octavian's Dorf
Octavian mit seiner Frau Rose, der 3-jährigen Mary und der gerade 6 Wochen alten Joy.
Octavian und seine Frau mit den beiden Jüngsten

Rose serviert in einer Thermoskanne den in Kenya unvermeidlichen Chai (Tee) - sehr heiß und schon mit viel heißer Milch versehen. Die Kenyaner trinken ihn mit viel braunem Zucker und schlürfen ihn so heiß wie möglich. Wir verzichten auf den Zucker, was unsere Gastgeber kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, nippen immer mal an unserem Gebräu und dann passiert natürlich das Unvermeidliche: auf dem sich allmählich abkühlenden Tee bildet sich eine feine Milchhaut! Grrr! Das habe ich als Kind doch schon so gehasst. Also hole ich tief Luft und trinke meine Tasse in einem Zug leer. Eine zweite Tasse lehne ich allerdings dankend ab.

In der Zwischenzeit sind Franziska und Cecilia aus der Schule heimgekehrt und machen sich gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Mary über eine große Portion Ugali her. Gegessen wird natürlich aus einem Topf und mit den Fingern.

Wir haben nun gerade noch Zeit unsere Geschenke auszupacken, bevor sich die beiden Großen wieder zum Nachmittagsunterricht auf den Weg machen. Natürlich haben wir verschiedene Tüten "Sweets" dabei, die auch gleich noch eine willkommene Wegzehrung für Franziska und Cecilia sind. Rose teilt jedem Mädchen ein paar Bonbons zu und verstaut die übrigen Tüten erst mal sicher im Schlafzimmer. Außerdem haben wir natürlich Rose' Wunsch erfüllt und Schreibblöcke, Lineale, Füller, Blei- und Buntstifte, Anspitzer, Radiergummis und weiße Schulsocken mitgebracht. Eine gute Schulausbildung ihrer Mädchen an einer Private School ist Octavian und Rose sehr wichtig, doch mangelt es oft an solch für uns selbstverständlichen Schulutensilien.

Außerdem haben wir noch Zahnbürsten, Zahncremes (wer Bonbons verschenkt, sollte auch an die nachfolgende Zahnpflege denken!), Duschgel und Haarshampoo in der großen Wundertüte.

 

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