Letzter Gamedrive in der Masai Mara

Dienstag, den 24.8.2010

Heute ist unser letzter Tag in der Mara. Wir verlassen um 7.45 Uhr das Camp zu unserem letzten Gamedrive. Von einer Gepardin mit ihren 6 Jungen haben wir in den vergangenen Tagen immer wieder von verschiedenen Fahrern und auch von den Rangern gehört. Heute machen wir uns gezielt auf die Suche nach der doch recht beachtlichen Familie.

Statt auf die Gepardin treffen wir aber erst einmal auf zwei Löwinnen, die vor kurzer Zeit ein Zebra gerissen haben. Die beiden Raubkatzen liegen auf der gegenüberliegenden Flussseite und sind ausgiebig mit dem Fressen ihrer Beute beschäftigt.

Für eine ausgiebige Beobachtung ist uns die Entfernung über den Fluss aber zu groß und so besinnen wir uns auf unser ursprüngliches Vorhaben: die Gepardensuche!

Nur drei Minuten später schreiten uns ganz gemächlich und majestätisch zwei junge Löwenmännchen entgegen. Sie laufen nicht durch das hohe Gras, das ihnen doch eine gute Tarnung bieten würde, sondern gut und weithin sichtbar auf dem von Autospuren gezeichneten Track. Wir stoppen das Auto, stellen den Motor ab und genießen den wunderbaren Anblick dieser ruhig daher wandernden Nomaden.

Besonders gut können wir die kräftigen Vorderbeine mit ihren stark gepolsterten Zehen sehen. Knapp vor unserem Auto verlassen die beiden die Fahrspur und wandern links und rechts an unserem Wagen vorbei, um dahinter gleich wieder in die Reifenspur zu wechseln. Scheinbar fällt den Löwen die Wanderung auf den platt gefahrenen Wegen leichter  als durch das hohe Gras zu laufen.

Nachdem die Löwen ein Stück des Weges weiter gewandert und fast ausser Sichtweite sind, startet Joachim den Motor und wir setzen unsere Gepardensuche fort. Links von uns stehen eine Elefantendame und ihr Junges etwas müde wirkend im Gras.

Da wir gerade auf dem Weg sind, rollen wir zum Ufer des Talek River herunter und schauen, ob „unser“ Leopard wieder in seiner Felsspalte liegt. Doch leider ist der Felsen im Fluss gerade unbewohnt und auch ringsherum erkennen wir nirgends die typische Zeichnung des Leoparden.

Nur ein paar Zebras stehen trinkend am Wasser.

Im hohen Gras rechts neben uns nehmen wir eine leichte Bewegung wahr. Wir müssen einige Male sehr genau hinschauen, bis wir den gut getarnten Coquifrankolin entdecken. Dieser Vogel aus der Familie der Fasanenartigen ist etwa 28-30 cm groß  und hält sich vorwiegend am Boden auf. Er ernährt sich von verschiedenen Insekten und Samen. Hauptsächlich bewohnt er Graslandschaften, Steppen, Savannen und offenes Buschland. Aber auch in lichten Waldgebieten, auf Getreidefeldern und auf Hochplateaus bis 2000m Höhe ist er gelegentlich zu finden.

Coquifrankolin - Francolinus coqui – Coqui Frankolin

Unser nächster Weg führt uns zum Mara River an „unseren“ Crossingpoint. Dort ziehen sich schon wieder riesige Gnuherden zusammen, Immer wieder inspizieren einzelne Gnus oder Zebras das Flussufer, Aber irgendetwas erschreckt sie schließlich und in wilder Panik galoppieren sie die Böschung wieder hoch. Das Ergebnis ist erst einmal ein wildes Durcheinander. Alle Tiere flüchten vom Wasser weg. Es ist wie immer. Das ewige Hin und Her, Vor und Zurück. Keines der Tiere wagt den Anfang, keines entschließt sich zum Sprung ins Wasser.

Während wir in unserer Beobachtungsposition warten, zieht die Herde flussabwärts in ein Wäldchen. Dort macht der Mara River eine scharfe Rechtsbiegung. Wir folgen den Tieren nicht. Das ist auch gut so, denn die Herde zieht in einem großen Rechtsbogen auch wieder aus dem Busch heraus. So warten wir wieder einmal Stunde um Stunde. Ob unsere Geduld belohnt wird?

Die Wartezeit verkürzt uns ein Hippo, das direkt vor unserer Nase aus dem Wasser steigt und gemächlich mit dem Grasen beginnt. Dabei frisst es die Grasbüschel sichtbar kürzer.

Besonders gut können wir die vielen Vernarbungen und eine noch etwas frischere Wunde auf beiden Seiten des Flusspferdkörpers sehen.

 

Um 11.15 Uhr verlassen wir unseren Beobachtungsposten und versuchen einen anderen Crossingpoint weiter flussabwärts zu finden. In diese Richtung zieht ein sehr großer Teil der Herde, die uns auf eine spannende Flussüberquerung hoffen lässt. Den Übergang finden wir auch, jedoch keine Gnus. Lediglich eine Gruppe Hippos liegt zwischen grell glitzernden Felsbrocken am Flussufer.

Außerdem stehen einige Giraffen rechts und links kauend am Weg. Sie verfolgen uns mit ihrem Blick sehr genau, während wir langsam den Track entlang schleichen. Eine Giraffe sitzt im Gras und betrachtet ihre Giraffenwelt einmal von unten. Als wir näher kommen, erhebt sie sich lieber und schreitet davon.

Die Mittagssonne brennt und über der Weite der Landschaft liegt eine friedliche Ruhe. Nur 45 Minuten später stehen wir wieder am Ufer unseres Ausgangspunktes und schaffen es gerade noch, die Kameras wieder aufzubauen, bevor eine Wildebeest-Herde zu einem kleinen Crossing ansetzt. Die Tiere wirbeln die trockene Erde mit ihren Hufen auf und hüllen sich und uns in eine feine Staubwolke.

Alle Tiere kommen heil am gegenüberliegenden Ufer an. Die Strömung ist für die Tiere gut zu bewältigen und weit und breit ist kein Krokodil im Wasser zu sehen.

Nachdem die Gnus alle wieder festen Boden unter ihren Hufen haben, wagt sich nun auch eine Gruppe Zebras ans Wasser. Aufgereiht wie auf einer Perlenkette stehen sie am Ufer und löschen ihren Durst. Immer wieder schrecken sie aber auch auf und weichen vom Wasser zurück. Es scheint, als hätten sie Angst vor dem eigenen Spiegelbild, das sich durch seichte Wellen plötzlich bewegt und schließlich auflöst.

Auf unserer Seite des Mara-River laufen aufgeregt schreiend einige Zebras hin und her. Sie sind wohl mehr versehentlich und irgendeinem Herdentrieb folgend mit den Gnus ins Wasser gesprungen und sind nun von ihrer Gruppe getrennt. Ein lautes Ruf- und Antwortspiel der Zebras erfüllt nun die Luft. Immer wieder wagen einzelne Tiere noch einmal den Sprung ins Wasser und schwimmen zurück. Scheinbar ist das Band der Zugehörigkeit zu einer Herde oder einem Familienverband so stark, dass der Fluss nicht zwischen ihnen sein darf.

 

Wir verbringen die Zeit bis 15.30 Uhr in unmittelbarer Nähe dieses Crossingpoints. Lediglich in der heißen Mittagszeit ziehen wir uns mal für eine gute Stunde zum Lunch und Cappuccino unter eine Schatten spendende Schirmakazie zurück. Auf dem Weg dorthin sehen wir unter einem einzeln stehenden Baum zwei große Löwenmännchen, die dort vor sich hindösen und sich kaum für das Treiben um sie herum interessieren. Die Mähne der beiden Löwen ist wunderbar dicht und kräftig braun. Das Rufen der Zebras scheint keine Jagdinstinkte zu wecken.  Energie sparen ist wohl gerade angesagt und Kräfte sammeln für die Jagd zu einer weniger hitzigen Tageszeit. Nur hin und wieder hebt der dunklere von beiden den Kopf, wenn die Rufe der Zebras besonders durchdringend herüber schallen.

Reifenwechsel...
... in der Mara...
... eine schweißtreibende Arbeit!

 

Der heutige Gamedrive hat uns einige spannende und schöne Szenen beschert. Wir beschließen früh ins Camp zurückzufahren. Dort können wir das restliche Tageslicht ausnutzen und schon mal einige Sachen packen, die wir heute Abend nicht mehr benötigen. So unser Plan! Doch wir befinden uns in der Wildnis Afrikas und dort verläuft eigentlich nichts nach Plan. Eigentlich können wir uns – nachdem wir nun das 8. Mal durch Kenya reisen – das Planen mal ganz abgewöhnen. Doch auch wir können unsere europäischen Wurzeln nun mal nicht verleugnen. 

 

Nachdem wir eine dreiviertel Stunde gemütlich in Richtung Camp unterwegs sind, finde ich den Weg irgendwann doch sehr holperig und nehme zusätzlich hinten ein Geräusch wahr, das wir lieber nicht hören würden. Wir haben einen Platten. Na prima! Der Weg auf dem wir uns befinden ist recht übersichtlich, allerdings eingerahmt von hohem Gras. Ein bevorzugtes Gelände für hungrige Löwen und kein anderes Fahrzeug in Sicht. Wir steigen aus, bewaffnet mit langen Stöcken, lassen alle Autotüren weit offen stehen, um im Notfall wenigstens eine kleine Chance zu haben, schnell ins Auto springen zu können.

 

 

Während Joachim schweißgebadet den Reifen wechselt, behalte ich die Umgebung und jeden sich bewegenden Grashalm im Auge. Hin und wieder wende ich aber doch meinen Blick von der Umgebung ab und riskiere einen solchen in die Kamera, um unsere vielleicht letzten Stunden im Bild festzuhalten.

Der Reifenwechsel gestaltet sich ein klein wenig schwieriger als üblich, da man in der Werkstatt nicht nur die Felgen schön grün lackiert hat, sondern gleich auch die Muttern dazu.

 

Schließlich ist es geschafft und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Nur 10 Minuten später begegnen wir einer Löwin. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl – schließlich hätten wir durchaus schon früher auf sie treffen können…

... aber sie hat wohl schon was besseres im Visier!

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