Freitag, den 24. Juli 2009

Endlich ist es soweit. Nach ziemlich genau einem Jahr fliegen wir endlich wieder nach Kenya. Vier lange Wochen wollen wir dieses Mal bleiben.

Zum ersten Mal fliegen wir mit Turkish Airlines und da wir bisher sehr unterschiedliche Meinungen über diese Fluggesellschaft gelesen haben, sind wir natürlich auch gespannt, ob unsere Entscheidung gut und richtig war.

Da der Flug zur Hauptsaison mit 551 € recht günstig ist, leisten wir uns jede Menge Übergepäck, exakt 20Kg. Im Vorfeld erkundigen wir uns natürlich bei Turkish Airlines, wie teuer das Übergepäck ist. 8 € pro Kilo finden wir erschwinglich und  so packen wir nicht nur unsere Rucksäcke mit den nötigen Klamotten,  sondern auch 2 Reisetaschen bis zum Platzen voll mit  Werkzeug, Kleinteilen für Auto und Camping, Brotbackmischungen und diversen anderen Lebensmitteln.

Die erste Überraschung trifft uns beim Einchecken in Düsseldorf. Mit gezückter Geldbörse  geben wir unsere Rucksäcke und eine der  Reisetaschen auf. Doch die Dame am Schalter  fordert uns auf, auch die zweite Tasche auf‘s Band zu stellen. Etwas widerwillig tun wir dies auch. Eigentlich wollten wir die Tasche als Handgepäck mit in den Flieger nehmen. „Oh weh!“, denken wir, „Das wird teuer!“.  Doch weit gefehlt. Die freundliche Dame am Schalter reicht uns unsere Bordkarten – unsere Geldbörse dürfen wir wieder einpacken. Die 20 Kg Übergepäck werden uns nicht in Rechnung gestellt.

Welch positive Überraschung!

Die Wartezeit bis zum Boarding verbringen wir bummelnd. Wie angenehm, dass wir uns nun nicht mit großem Handgepäck abschleppen müssen.

Mit geringer Verspätung sitzen wir endlich in unserem Flugzeug. Die Maschine ist bis auf wenige Plätze ausgebucht. Wir richten uns gemütlich ein bis zur Landung in Istanbul gut 4 Stunden später.

In Istanbul haben wir nun knapp 3 Stunden Aufenthalt. Das erscheint uns erst einmal  furchtbar lang – doch die Zeit vergeht sehr schnell. Der Flughafen ist sehr modern, mit einer edlen Shoppingmeile, ganz netten Sitzecken, liegt direkt am Meer und bietet einen schönen Blick sowohl auf die Stadt als auch auf’s Meer

Blick aus dem Flughafengebäude...
... direkt auf's Meer

Kurz nach 19.00 Uhr  - auch wieder mit leichter Verspätung – hebt unser Flugzeug wieder ab und endlich geht’s Richtung Nairobi.

Dort landen wir nach einem guten, ruhigen Flug um 1:39 Uhr Ortszeit in der Nacht . Natürlich sind wir total übermüdet, denn auch wenn der Sitzabstand im Flieger recht angenehm, und der Service gut waren, eignet sich die Economy Class einfach nicht, um dort einen erholsamen Schlaf zu finden.

Unsere Einreisepapiere haben wir alle schon zu Hause ausgefüllt. So sind wir die ersten am Visaschalter und ruck zuck haben wir einen weiteren Sticker mit Stempel  im Pass. Das Zollformular halten wir bei der Einreise zwar bereit, geben es aber erst mal nicht ab. So ganz sicher sind wir ja nie, welche Lebensmittel wir einführen dürfen und welche nicht. Das Formular wird auch gar nicht verlangt.

Wir stehen unten am Gepäckband und warten nun darauf, dass es endlich in Gang gesetzt wird. Tja, so ist das in Kenya: irgendwo wartet man immer auf irgendwas. Die im Vorfeld ausgefüllten Einreisepapiere bringen uns hier nun nicht weiter, denn unser Gepäck kommt relativ spät, aber diesmal vollständig. Nun noch durch die letzte Passkontrolle und das übliche Frage-Antwort-Spiel:

„Where do you stay in Kenya?” 

„First we stay by a friend, then we go to safari.”

“Have you anything to declare? Presents for your friends?“

“We don’t have!”

”Nothing?”

“Nothing!”

 Ok! Have a nice journey and a good safari!”

“Asante sana!”

Puh! Wieder mal großes Glück gehabt. Wir mussten keines unserer Gepäckstücke öffnen und erklären, warum wir so viele für einen Safariurlauber doch eher unübliche und schwere Gegenstände mitschleppen: Draht, Klebeband, Zangen, Hammer, Spannungswechsler, Schraubendreher, Schrauben, Sicherungen, Knarrenkasten, Autoersatzteile, Gummis und Dichtungen usw.

Draußen wartet schon Douglas auf uns, der uns sicher durch die Nacht zu Elvira bringen wird.

Elvira wartet auch schon auf uns, nicht ganz so munter, wie ihre lebhaften, verrückten Vierbeiner, die uns lautstark mit ihrem Gebell begrüßen. Nur ein kurzer Schnack und dann gehen wir alle erst mal ins Bett. Erzählen können wir auch später noch.

Samstag, den 25. Juli 2009

Irgendwann gegen 10.00 Uhr sitzen wir dann an Elviras Frühstückstisch und erzählen uns die neuesten Neuigkeiten aus Deutschland und Kenya.

Nach dem Frühstück stürzt sich Elvira in ihre Arbeit – sie muss noch ihre Safari für Montag vorbereiten und am Nachmittag landen schon ihre Gäste, die sie dann abholen und betreuen muss. Also versuchen wir uns nützlich zu machen, spielen ein wenig mit den Hunden, Joachim inspiziert unseren Landi, versucht die mitgebrachte Hupe anzubringen (was nicht gelingt) und ich koche für uns alle ein Mittagessen.

Den Nachmittag verbringen wir mit Relaxen, studieren unsere Reiseführer, verwöhnen Elviras Hunde und gehen dann früh am Abend schlafen.

 

Sonntag, den 26.Juli 2009

Elvira muss sich  auch heute um ihre Safarigäste kümmern und ist früh unterwegs. Unser Auto ist leider noch nicht einsatzbereit, da wir am Montag erst mal einen Insurance-Sticker kaufen müssen. So  machen wir uns zu Fuß auf den Weg ins nahe gelegene Lavington Green Einkaufscenter. Dort sind viele Lebensmittel einiges preiswerter als im Nakumatt. Für unsere Safari werden wir unsere Einkäufe wohl weitgehend hier tätigen. Auf dem Rückweg zu Elviras Haus machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Slums, doch dort haben die meisten Shops geschlossen. An Wochentagen kann man hier gut und günstig frisches Obst und Gemüse einkaufen.

Nach unserem Nachmittagscappuccino laufen wir noch einmal die Ngong Road in Richtung Karen hoch. Entlang der Ngong Road reiht sich Werkstatt an Werkstatt und obwohl heute Sonntag ist, haben viele Shops geöffnet und es herrscht ein reges Treiben. Wir sind noch auf der Suche nach einem stabilen, klappbaren Tisch und 2 guten Stühlen und nutzen den heutigen Tag für ein paar Preisvergleiche.

Auf dem Rückweg wollen wir eigentlich noch im Nakumatt vorbei, aber das schaffen wir zeitlich nicht mehr. Dafür setzen wir uns lieber in einen kleinen Pub am Wegrand und tanken bei einem Alster erst mal neue Energie für den langen Rückweg. Kurz vor 19.00 Uhr – gerade noch rechtzeitig mit der einbrechenden Dunkelheit – sind wir  zurück. Elvira ist auch schon da und packt ihre Taschen für die Safari. Heute Abend sitzen wir noch gemütlich beisammen, quatschen und überlegen, wie wir am besten unser Auto ummelden können. Denn das scheint ein sehr langwieriges  und kompliziertes Verfahren in Kenya zu sein. Doch Joseph, Elviras Fahrer, der erst einige Tage später eine Safari fahren wird, will uns behilflich sein.

Montag, den 27.Juli 2009

Um 9.45 Uhr, lange nachdem Elvira schon unterwegs Richtung Nakuru ist, begrüßen wir Joseph. Wir besprechen, wie wir nun am besten vorgehen und beschließen erst mal mit dem Matatu in die City zum Times Tower zu fahren. Dort stellen wir uns in die Schlange vor der Information an, passen dann aber einen freundlichen und auskunftswilligen Angestellten auf seinem Weg zum Info-Schalter ab und erhalten von ihm die ersten notwendigen Auskünfte.

Wir müssen für den Wechsel der Registration erst einmal eine Versicherung nachweisen. Außerdem brauchen wir Kopien von Reisepass, Pin-Number (die hat Elvira schon Anfang des Jahres für mich beantragt. Die Pin-Number ist vergleichbar mit einer Steuernummer – somit bin ich jetzt für mein Lebtag in Kenya registriert), Inspection-Report (vergleichbar mit unserem TÜV), Logbook (vergleichbar mit unserem Fahrzeugbrief) und Umschreibeerlaubnis des Vorbesitzers.  Damit gehen wir an Counter 9 im Times Tower und beantragen die Umschreibung. Hört sich doch ganz easy an, oder?

Die Versicherung besorgen wir uns einige Straßen weiter erst einmal für 3 Monate – aus Kostengründen versteht sich. Unser Landrover ist noch als PSV-Fahrzeug zugelassen, aber wir wollen versuchen, es als Privat-Car umzumelden. Dafür könnte es evt. reichen, die hintere Sitzbank mit 3 Sitzen auszubauen.

Joseph meint allerdings, aufgrund der Größe und des Gewichtes von 2,5t wird uns dies wohl nicht gelingen. Egal – wir gehen erst mal ganz optimistisch an die Sache heran. HAKUNA MATATA!!!

Den Insurance-Sticker haben wir bereits nach 1,5 Stunden. Nun suchen wir einen Copy-Shop und lassen uns mehrere Kopien unserer Papiere machen. Die haben wir damit fast alle zusammen – bis auf den alles entscheidenden und überaus wichtigen Inspection-Report. Auf normalem Wege daran zu kommen ist in Kenya so gut wie unmöglich.

Für heute haben wir immerhin schon einiges erreicht. Daher fahren wir erst mal zurück nach Lavington. Nachdem wir mit Joseph und Maria, dem Hausmädchen einen Cappuccino geschlürft haben, besprechen wir das weitere Vorgehen.  Joseph und Joachim basteln am Auto herum (Hupe einbauen, defektes Blinker-Relais reparieren bzw. austauschen, unsere Campingausrüstung umstapeln, da einiges Wasser durch die porösen Dichtungen ins Auto gelaufen ist) und ich beginne schon mal mit den Essensvorbereitungen.

Beim Einbau der Hupe passiert leider ein kleines Missgeschick. Am Radiator entsteht ein kleiner Riss und Kühlwasser läuft aus. So ein Mist. Das Blinkerrelais ist auch nicht zu aktivieren. Also fahren wir in die nahegelegenen Slums und treffen dort Dan in seiner Werkstatt. Er meint, den Radiator zu reparieren wäre eine Kleinigkeit und ein neues Relais besorgt er gleich mit. Auf unsere Frage nach den Kosten erwidert er nur „It’s not so much. Come tomorrow morning.“

Na, ok, dann also erst mal bis morgen.

Dienstag, den 28.Juli 2009

Heute morgen ist frühes Aufstehen angesagt. Gleich um 7.30 Uhr fährt Joachim mit dem Auto zur Werkstatt. Wie versprochen ist es um 11.00 Uhr fertig und tatsächlich nicht so teuer. Wir zahlen 2000 Kshs. Allerdings funktioniert das Blinker-Relais immer noch nicht. Dan wird noch ein neues Relais besorgen und später austauschen. Wir erledigen erst einmal einige Einkäufe und anschließend beginnt Joachim damit, die hintere Sitzreihe auszubauen. In der Mittagshitze ist das ein schweißtreibender Job, zumal sich die Schrauben gar nicht so leicht lösen lassen.

Gegen 14.00 Uhr kommt Joseph. Mit ihm besprechen wir, dass er sich um den Inspection-Report kümmern soll. Also macht er sich auf den Weg zum Times Tower um das Buchungspapier für die Inspektion zu besorgen und anschließend den Report zu erledigen.

Nachdem Joachim alle hinteren Sitze ausgebaut und in Elviras Schuppen verstaut hat, fahren wir wieder bei Dan vorbei. Er baut das Blinkerrelais ein – endlich funktioniert es –seine Jungs schweißen im Wageninnern hinten noch ein Gitter und reparieren das Fenster auf der Fahrerseite, das sich nicht mehr hoch drehen lässt.

Schließlich macht Dan uns noch das  Angebot für 44.300 Kshs, den Wagen nach unserer Rückkehr von Safari zu zerlegen, zu entrosten, neue Dichtungen einzubauen und neu zu lackieren. Wir verabschieden uns erst mal von ihm mit dem Versprechen, darüber nachzudenken und sein Angebot zu prüfen.

Das ist keine leere Floskel, denn das haben wir letztes Jahr schon in Mombasa schon in Erwägung gezogen.  Allerdings lag damals das Angebot eines „Freundes“ bei 220.00 Kshs.  Jetzt verstehen wir erst was mit „Special-Offer“ und „Best-Price-Offer“ wirklich gemeint ist. Wie gut, dass wir uns das damals mangels €-Masse nicht leisten konnten.

Im Nakumatt kaufen wir noch einige Kleinigkeiten zur Komplettierung unserer Campingausrüstung, darunter auch einige stabile Boxen, damit wir unser Equipment nicht mehr in Taschen und Tüten verstauen müssen.

Den Rest des Tages verbringt Joachim damit, noch ein bisschen am Auto herumzuschrauben, ich verteile unser gesamtes Campingequipment in Elviras Esszimmer, mache alles gründlich sauber und sortiere es in unsere neuen Boxen ein.

Nach dem Abendessen tüfteln wir noch ein bisschen über unserer Safariroute – wenn wir schon praktisch hier nicht loskommen, dann wenigstens rein theoretisch. ;-(

Mittwoch, den 29.Juli 2009

Joseph ist heute Morgen schon um 9.15 Uhr da und bringt keinen Inspection-Report  dafür aber „bad news“  mit. „System has changed in Times Tower“, sagt er uns. Wir müssen zuerst unsere Steuern bezahlen und zwar für das PSV zugelassene Fahrzeug mit 9 Sitzen. Danach erst können wir das Inspection-Booking im Times Tower vornehmen, um damit den Report zu erhalten.

Joseph hat selbst noch so vieles vorzubereiten für seine Safari, die am kommenden Samstag startet. Daher beschließen wir, dass er mich an der Gitanga Road ins Matatu 46 Richtung Times Tower setzt. Dort werde ich oben die Steuern bezahlen und unten am Schalter 8 gibt es dann hoffentlich!!! anschließend das Inspection-Booking. Wir tauschen vorher unsere Handy-Nummern aus, damit wir uns dann später in der Stadt treffen und gemeinsam mit dem Bus zurückfahren können.

Ein bisschen mulmig ist mir erst mal so ganz allein mit dem Matatu in die City zu fahren, aber schließlich müssen wir ja mal vorwärts kommen, wenn wir nicht unsere 4 Wochen Kenya mit Formalitäten in Nairobi verbringen wollen. Joachim schraubt derweil weiter am Auto herum – er weiß erst mal nicht, dass ich alleine zum Times Tower fahre.

Matatu fahren ist wie immer spannend. Im Matatu läuft mit ohrenbetäubendem Lärm ein Musikvideo, alle Sitze sind über die gesamte Strecke voll besetzt, die Luft ist stickig – fehlt nur noch dass jetzt jemand mit einer Kiste Hühner hier einsteigt -  und ich frage mich immer wieder, wie die Matatu-Fahrer für ihre Schrottkisten nur an den jährlich fälligen Inspection-Sticker kommen.

Doch alles läuft problemlos, ich bekomme trotz der mit dunkler Folie abgeklebten Fenster sogar mit, wo ich aussteigen muss. Also ab in den Times Tower, upstairs, counter 27-29, anstellen in einer langen Schlange, die erst auf den oberen Treppenstufen endet. Na, das heißt ja mal wieder mindestens 1,5 bis 2 Stunden Wartezeit. So ist es dann auch und als ich dann endlich an der Reihe bin, will der Angestellte hinter dem Schalter mir doch tatsächlich erzählen, dass ich ja nicht Eigentümer des Fahrzeugs bin und daher erst die Umregistrierung veranlassen müsste. 10 Minuten diskutieren wir heftig und drehen uns dabei immer wieder im Kreis (liegt wahrscheinlich an meinen für diese Situationen nicht ausreichenden Englisch-Kenntnissen). Ich verlange seinen Vorgesetzten zu sprechen und behaupte, dieser hätte uns schließlich den genau richtigen Weg des Transfers genannt. Der Angestellte runzelt die Stirn und will nun die PIN-Number des Vorbesitzers haben. In mir breitet sich ein innerliches Grinsen aus. Mit bösem Blick reiche ich ihm die gewünschte Kopie und schicke stille Dankesgrüße nach Mombasa, an Dhanjal den Vorbesitzer, der uns vor 1,5 Jahren anscheinend alle notwendigen Transferpapiere mitgegeben hat. Abgezählt lege ich dem Angestellten die 5040 Kshs Tax auf den Tisch, nehme alle meine Papiere und die gestempelte Quittung in Empfang und verlasse den Times Tower.

Irgendwo war doch hier um die Ecke ein Copy-Shop. Natürlich benötige ich nun wieder neue Kopien vom Logbook und der Quittung. Ich finde den Copyshop recht schnell und eile mit meinen Ablichtungen zurück in den Times Tower um mich nun in die Warteschlange an Counter 8 anzustellen. Erneutes Warten beginnt, doch schon nach „nur“ 50 Minuten bin ich an der Reihe. In der Zwischenzeit taucht Joseph auch auf und mit dem Inspection – Booking machen wir uns auf den Weg, endlich unseren Report und dazugehörigen Sticker für die Windschutzscheibe zu besorgen. Das kostet noch mal 15.000 Kshs, allerdings bin ich erst mal nur das Geld los. Report und Sticker können wir frühestens am späten Nachmittag abholen, vielleicht auch erst morgen früh. Mir bleibt nichts anderes übrig, auch wenn ich jetzt Gefahr laufe, 15.000 Kshs (=ca. 150€) in den Sand zu setzen. No risk, no fun!

Als allerdings unser Insection-Report-Mann noch nach einem Tip (=Trinkgeld) fragt, antworte ich unverhohlen, dass angesichts der Summe, die ich ihm gerade gegeben habe, das Trinkgeld wohl enthalten sei. Mit Unschuldsmine verneint er dies jedoch und so gebe ich erst mal klein bei und stelle ihm ein Trinkgeld in Aussicht, wenn er uns das nötige Papier bis zum Einbruch der Dunkelheit übergibt. Mit jedem Tag, den wir länger auf den Inspection-Report warten müssen, verringert sich auch sein Trinkgeld.

Als wir aus dem Büro raus sind, atmen wir erst mal beide tief durch. Joseph betet darum, dass ich John nicht zu sehr unter Druck gesetzt habe – aber schließlich gilt ja in Kenya immer noch HAKUNA MATATA! In mir hat sich über den gesamten Tag eine unglaubliche Wut über dieses Sch….-System aufgebaut. Ich will endlich auf Safari und habe die Nase von Nairobi und dem ganzen Behörden-Kram hier erst mal gestrichen voll. Daher sage ich lieber nichts mehr – es würde eh nur den armen, unschuldigen Joseph treffen und der kann ja auch nichts dafür.

Ich begleite Joseph noch ins Ministry of Forestry and Wildlife, weil er dort noch einiges vor Beginn seiner Safari zu erledigen hat. Danach fahren wir erst einmal zurück.

Um meine Wut aus dem Bauch zu schrubben, mache ich mich über unsere Wäsche her. Nichts ist so befreiend, wie große Wäsche in Kenya - ohne Waschmaschine, sondern in Handarbeit – versteht sich!

Donnerstag, den 30. Juli 2009

Gestern  haben wir – wie konnten wir es auch anders erwarten – nichts mehr von unserem Inspection – Report gehört. Wir verbringen den heutigen Vormittag immer mit nervösem Blick auf unser Handy - Display, doch es tut sich erst mal nichts. Wir fahren mit dem Landi in die Werkstatt einer Petrol Station im Bezirk Adams Arcade, die Joseph uns empfiehlt, lassen einen Ölwechsel machen, den Ölfilter erneuern und tanken schon mal voll. Anschließend fahren wir die Ngong Road Richtung Karen entlang und werden schließlich auch dort fündig bei der Suche nach 2 bequemen Klappstühlen und 2 Tischen. Im Lavington Green Supermarket decken wir uns mit haltbaren Lebensmitteln für 3 Wochen Safari ein. Egal was sich heute mit unserem Inspection-Report noch ergibt oder auch nicht, wir werden morgen unsere Safari beginnen. Dann fahren wir eben ohne Ummeldung und ohne Report los.

Wir brauchen dringend einen 20l-Reservekanister, werden auch fündig, allerdings zum horrenden Preis von 5800 Kshs (ca. 58€). Na, das geht doch hoffentlich noch billiger. Vielleicht finden wir einen geeigneten Kanister unterwegs an einem Straßenshop.

Gegen Mittag ruft Joseph an und teilt uns mit, dass der Inspection-Report da sei, aber nun fehle noch ein weiteres Papier (dessen Name mir leider mittlerweile entfallen ist) und das kostet noch mal 10.000 Kshs. Wir können es kaum glauben, aber wir sind wohl machtlos. Mit dem Landrover quälen wir uns durch den dichten Verkehr in die City hinein. Meter für Meter rollen wir in einer langen Blechlawine vorwärts. Wir sind ein gefundenes Fressen für die Straßenverkäufer, die uns von Fähnchen über Kenya-Sticker, Kämme, Caps und Haarklammern bis zu Lenkradhüllen, Warndreiecken und Starthilfekabeln alles andrehen wollen. Na gut über mehrere Ampeln verhandeln wir mit einem Straßenverkäufer wegen eines Starthilfekabels und kaufen es scließlich auch. Das ist ja vielleicht ganz nützlich und der Verkäufer ist auch gan glücklich mit diesem Geschäft.

Nach  mehreren Telefonaten und einigem Herumirren treffen wir Joseph in einer Seitenstraße. Wir beschließen, dass er den Report holt. Das angeblich so wichtige Zusatzdokument, mit dessen Bezeichnung wir so gar nichts anfangen können und dessen Sinn sich uns auch nach mehrmaligen Erklärungen von Joseph nicht erschließen will, kommt eh erst frühestens um 17.00 Uhr.  Also dürfen wir da wohl heute auch wieder nicht mit rechnen und wieder wird’s nichts mit der Ummeldung. Immerhin halten wir um 15.30 Uhr den Inspection-Report in Händen und ganz unten am Rand ist handschriftlich der Name des nun noch fehlenden Dokuments hingekritzelt.

Am liebsten würde ich jetzt sofort zum Times Tower fahren, um die Ummeldung ohne das Dokument, von dem bisher ja nie die Rede war, zu versuchen. Doch Joseph meint, es sei zu spät, da kommen wir heute nicht mehr dran.

Wir fahren wieder zurück nach Lavington und packen unseren Landi safarifertig. Joachim baut noch den Spannungswechsler ein und schließt ihn an die Autobatterie an. So können wir unsere Ladegeräte für Kameras und Handy unterwegs anschließen und aufladen.

Wir gehen früh schlafen, denn am nächsten Morgen wollen wir als eine der Ersten in der Schlange im Times Tower stehen!

Freitag, den 31. Juli 2009

Um 6.00 Uhr ist für uns heute die Nacht zu Ende. Wir machen uns schnell reisefertig, würgen eilig ein Frühstück hinunter und los geht’s  zum Times Tower. Der öffnet schließlich schon um 8.00 Uhr und – das haben wir uns ganz fest vorgenommen – heute erledigen den letzten Rest unseres Papierkrams oder wir lassen alles so unerledigt wie es ist.  Den hingekritzelten Namen des  angeblich fehlenden Dokuments am unteren Rand des Inspection-Reports habe ich einfach gerade abgeschnitten. Wir glauben zwar fest daran, dass wir dieses Papier gar nicht benötigen, aber wir wollen ja auch keine schlafenden Hunde wecken. Nun kann nur auffallen, dass unser Report nicht mehr DIN-A4 – Größe hat.

Während ich mich noch mal im Haus umschaue, ob wir auch nichts vergessen haben, startet Joachim das Auto. Doch während drinnen alles klar ist, entlockt er dem Landi keinen Ton! Das kann doch wohl nicht wahr sein. Warum springt dieses Vehicle denn jetzt nicht an?

„Batterie leer“, ist Joachims vernichtendes Urteil. „Kann ja gar nicht sein, die wurde  doch letztes Jahr nagelneu reingebaut“, antworte ich. Egal, mit der Ursachenforschung können wir uns jetzt nicht aufhalten. Im Schuppen haben wir doch eine Batterie gesehen. Also unseren gestern im dichten Straßenverkehr ergatterten Jumper ausgepackt und überbrücken. Doch nichts tut sich. Na ja, warum sollte auch eine voll geladene Batterie in Elviras Schuppen stehen?

Was nun? Der Subaru! Ob Elviras alter Subaru wohl Starthilfe geben könnte. Wir probieren alle Schlüssel vom Schlüsselbrett durch. Welcher ist der Zündschlüssel? Versuch macht klug, der Subaru orgelt, springt aber schließlich an. Nun das Starthilfekabel mit den beiden Batterien verbinden und … nichts. Joachim behält die Ruhe. Er lässt den Subaru erst mal ordentlich durchlaufen, gibt immer wieder Gas und schließlich beim vierten Versuch springt auch unser Landi an. Brave alte Autos!!!

Mittlerweile ist es 7.45 Uhr und als hätten wir noch nicht genug gelitten, stecken wir auch heute wieder in der morgendlichen Rush-hour fest. Wir brauchen eine Stunde bis in die City. Joachim findet keinen Parkplatz, traut sich auch nicht wirklich den Landi abzustellen. Also gehe ich mal wieder in den Times Tower und reihe mich in eine ellenlange Schlange ein. Hoffentlich ist dies die richtige. Joachim fährt derweil einige Runden durch die Stadt, bis zum Flughafen raus, damit die Batterie sich wieder ordentlich auflädt. Nach einer halben Stunde bekomme ich irgendwie mit, dass ich in der falschen Schlange stehe. Na super! Also Schlange wechseln – aber hier geht es auch irgendwie schneller voran. Ich stehe hier nur an, um am Schalter eine Art Überweisungsformular zu erhalten, mit dem ich zur Bank gehen muss. Dort habe ich dann die Gebühr für die Umschreibung auf das angegebene Konto zu überweisen. Dafür erhalte ich eine Quittung, mit der ich dann wieder zum Schalter im Times Tower zurückkehre. Als ich endlich, endlich an der Reihe bin, akzeptiert der Angestellte meine Papiere so wie sie sind. Ich erhalte meine Überweisungsinformationen und die Auskunft, dass ich mich nicht mehr in der Schlange vor dem Schalter anstellen muss, sondern die Überweisungsquittung direkt am Schalter abgeben darf. Ich bin unendlich erleichtert und eile von der Haile Sellassie Ave. zur National Bank an der Harambee Ave. Leider weiß ich noch nicht, dass ich mich dort für eine ganze Stunde in die nächste Schlange einreihen darf. Es ist nicht zu fassen, wie unglaublich langsam, fast im Zeitlupentempo hier gearbeitet wird. Das zu ertragen ist für mich schlimmer als der schlimmste Stress.

Doch schließlich habe ich auch das überstanden, bin um 4745 Kshs leichter (so viel kostet der Transfer von PSV auf Privat und die Besitzumschreibung) und verlasse doch tatsächlich Punkt 12.00 Uhr den Times Tower. Ich will mich nicht mehr ärgern und über ein System aufregen, das ich eh nicht ändern kann. Also versuche ich erst mal, mich darüber zu freuen, dass wir keine 10.000 Kshs extra für irgendein nicht erforderliches Dokument bezahlt haben. Ich rufe Joachim an. Der ist inzwischen doch liegengeblieben und hat schon eine neue Batterie gekauft und eingebaut. Nun kauft er gerade die letzten frischen Lebensmittel und Eisblöcke für unsere Kühlbox ein. Allerdings ist an diesem Freitag so viel Verkehr in Nairobi, dass ich noch mindestens eine Stunde auf ihn warten muss.

Erst traue ich mich nicht, mich vom vereinbarten Treffpunkt zu entfernen, doch dann spaziere ich die Straße rauf, bis zur Ecke Mombasa Rd./Uhuru Highway. Von dort müsste Joachim eigentlich in die Haile Selassie Ave. einbiegen. Aber es vergeht noch so viel Zeit und mir knurrt der Magen, so dass ich mich in ein kleines Cafe am Straßenrand setze und mir einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen gönne. Danach laufe ich zurück zu unserem vereinbarten Treffpunkt, schaue vorher aber noch mal bei Woolmart rein. Und hier finde ich dann sogar einen Reservekanister für 155 Kshs (=1,55 €). Den nehme ich schon mal mit und etwa 20 Minuten später biegt auch Joachim um die Ecke und pickt mich auf.

Fast dem Heulen nah, stellen wir fest: JETZT  GEHT’S  LOS!!!

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