Nairobi

Montag, 21. Januar 2008. 4.30 Uhr, Nairobi, Jomo Kenyatta International Airport - draußen ist es noch stockduster. Nur wenigen Menschen begegnen wir zu dieser frühen Stunde am Ausgang des Flughafens. Wir halten zunächst Ausschau nach Octavian, schicken alle Taxifahrer, die uns gerne und besonders preiswert in die City bringen wollen erst mal fort. Eigentlich rechnen wir nicht damit, dass Octavian uns abholt, denn wir haben ihm am Vortag noch per mail mitgeteilt, dass wir mit dem Zug von Nairobi nach Mombasa fahren und ihn dann dort am Bahnhof treffen wollen. Da wir nichts konkretes vereinbart haben, es keinen Sinn macht, nachts in Nairobi herumzugeistern und es zum Telefonieren noch zu früh ist, setzen wir uns ins Bistro und versuchen unsere Müdigkeit mit einem Kaffee zu vertreiben. Immer wieder bekommen wir Gesellschaft von einem der Taxifahrer. Sie halten ein Schwätzchen mit uns - für beide Seiten ein angenehmer Zeitvertreib - und bieten uns immer wieder ihre Dienste an. Wir lehnen erst einmal ab, kommen vielleicht später darauf zurück.

Wir schreiben die ersten Karten nach Deutschland: an meinen Neffen Daniel und meinen Schwager Siegmar. Beide haben heute Geburtstag.                              HAPPY  BIRTHDAY  IHR  2!!!

Um 7.00 Uhr telefonieren wir dann mit Octavian. Er ist in Mombasa und holt uns dort morgen vom Bahnhof ab.

Bevor wir uns jetzt auf den Weg zum Taxi machen, wechseln wir hier am Flughafen die ersten 200 €. Am Schalter der National Bank erhalten wir den besten Kurs: 1 € = 95,50 Kshs (es lohnt sich auf jeden Fall die Kurse an den einzelnen Schaltern zu vergleichen!). Dann wollen wir zur Railway Station, handeln den Preis für's Taxi von 1500 Kshs auf 1000 Kshs runter.

Kenya Railways Corporation (KRC) auch Kenya Railways (KR) ist Kenyas staatliche Eisenbahngesellschaft
Nairobi Railway Station
Nairobi Railway Station

 

Am Bahnhof können wir unser Gepäck abstellen. Wir lassen unsere Rucksäcke und die Tasche mit verschiedenen Kameras dort. Ein bisschen mulmig ist uns dabei schon, aber mit dem gesamten Film- und Fotoequipment durch Nairobi zu spazieren, erscheint uns auch nicht besonders sicher. Wir zahlen für die drei Gepäckstücke 240 Kshs.

Dann kaufen wir an einem weiteren Schalter für insgesamt 6750 Kshs zwei First - Class - Tickets für die legendäre Uganda-Bahn, mit der wir am Abend um 19.00 Uhr nach Mombasa fahren.

 

Unsere Boarding Cards
Rift Valley Railways Boarding ard

Nun haben wir noch 10 Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Wir sind hundemüde und müssen den ganzen Tag in Nairobi verbringen. Im Bahnhofscafe bestellen wir uns ein weiteres Kännchen Kaffee. Dieser ist sehr gut und preiswert.

Dann machen wir uns zu Fuß auf in die nahegelegene City. Wir spüren die übliche, pulsierende Betriebsamkeit dieser Großstadt. Hier gilt nicht "pole, pole". Die Menschen eilen durch die Straßen, in den Geschäftsstraßen herrscht dichtes Gedränge - unseren Schmuck (Ringe, Kette, Ohrringe, Uhr) haben wir zu Hause gelassen, am Handgelenk lediglich eine billige Armbanduhr. In unserem kleinen Rucksack bewahren wir nichts wertvolles auf. Pässe, Flugtickets und unsere gesamte Barschaft tragen wir gut verteilt direkt am Körper.

Das ist auch gut so, denn irgendwann im Laufe des Tages bemerkt Joachim, dass seine Armbanduhr weg ist.

Da wir kein konkretes Ziel haben, lassen wir uns mit dem Strom treiben. Von politischen Unruhen, Straßenkämpfen oder aufgebrachten Menschen nehmen wir nichts wahr. Allerdings bemerken wir - im Gegensatz zum letzten Jahr - eine leicht erhöhte Polizei- und Militärpräsenz  in den Straßen.

 

In der Harambee Avenue kommen wir an der National Bank of Kenya vorbei. Da wir ja nicht wissen, was uns dieser Kenya-Aufenthalt beschert - insbesondere mit unserem Vorhaben "Autokauf" - fragen wir mal nach, ob wir als non-residents dort ein Girokonto eröffnen können. Zunächst heißt es, dass dies nicht möglich sei, doch da wir intensiver nachhaken und nach den Gründen fragen, werden wir zu einem der Manager begleitet, der uns gut berät. Wir benötigen lediglich 2 farbige Passfotos und eine Bareinzahlung von mindestens 500 Kshs (= ca. 5,00 €). In einem nahegelegenen Photo Shop lassen wir für 200 Kshs die Fotos machen und schon steht unserer Kontoeröffnung nichts mehr im Wege. In diesem Urlaub werden wir das Konto allerdings nicht mehr nutzen können, weil es etwa 2-3 Wochen dauert, bis wir die Bank-Card erhalten. Auch das online-banking von Deutschland aus steht uns erst einmal nicht zur Verfügung, denn dieses befindet sich noch im Aufbau. Wir vereinbaren, unsere Bank-Card bei unserem nächsten Aufenthalt in Kenya im Juli abzuholen.

Zwischen der Muindi Mbingu Street und der Koinange Street liegt der City Market, den wir nun besuchen. Als einzige Touristen werden wir von den Händlern überschwänglich begrüßt und auch gedrängt zu kaufen.

Das Obst- und Gemüseangebot ist sehr vielfältig, bunt und exotisch und viele verschiedene Gewürze verströmen einen intensiven Duft. Blumenarrangements in grellen Farben vermischen ihren Duft mit dem Geruch nach lebendem Geflügel und anderem (toten) Getier. Wir atmen tief ein, als wir die Hallen durchquert haben und draußen auf den daran anschließenden offenen Markt gelangen. Hier reihen sich viele kleine, überdachte Stände aneinander. Die Händler verkaufen bunte Körbe und Schalen aus Sisal, Safarikleidung, farbenfrohe Kangas (Wickeltücher), Schnitzereien aus Holz oder Speckstein, Perlen und Schmuck aus allerlei bunten Steinen, Tiere und Masken aus Holz in allen Größen und Variationen, Trommeln, Speere und Schilde. Alle sind sehr freundlich und zuvorkommend, wollen natürlich verkaufen und jeder macht uns ein "special price offer". Wir lehnen dankend ab, erklären immer wieder, dass wir schon oft in Kenya waren und viele, viele dieser schönen Sachen unser zu Hause ziert und wir auch unsere Freunde schon reichlich beschenkt haben. Die Händler klagen, dass die Geschäfte sehr schlecht laufen. Es sind kaum Touristen in der Stadt und wir sind bislang an diesem mittlerweile späten Vormittag die einzigen Weißen, die sich in den City Market verlaufen haben. Die politischen Unruhen nach der Wahl im Dezember schrecken viele Touristen ab, nach Kenya zu reisen. 

 

Mit dem Zug von Nairobi nach Mombasa. Schon das Abstempeln dieser 5,5 x 3,0 cm kleinen Fahrkarten ist ein Erlebnis
Unsere Fahrkarten für die Fahrt mit Kenya Railways von Nairobi nach Mombasa

Mitten im pulsierenden Leben, meist gelegen an verkehrsreichen Straßen, laden immer wieder kleinere und größere Oasen zum Ausruhen und Ausspannen ein. Diese Parks erheben meist einen geringen Eintrittspreis von 20 - 50 Kshs. Hier treffen sich Kenyaner jeden Altes in der Mittagspause, nach der Schule, der Arbeit oder nach dem Einkauf.

Wir beschließen, den Uhuru Park (Freiheits- oder Unabhängigkeitspark) aufzusuchen. Dieser Park, auf Anordnung des 1. Präsidenten Kenyas, Jomo Kenyatta, zur Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1963 angelegt, erstreckt sich zwischen Haile Selassie Avenue, Uhuru Highway und Kenyatta Avenue und soll der schönste Freizeitpark in Nairobi sein.

Da wir nach unserem Bummel durch Nairobi in der Nähe der Railway Station Ecke Moi / Haile Selassi Avenue auskommen, laufen wir westlich die gesamte Haile Selassie Avenue runter, überqueren den Uhuru Highway, biegen dann irgendwann rechts ab Richtung All Saints' Cathedral und gelangen so nach gut 2km und einer knappen Stunde Fußmarsch (der auch noch leicht bergan führt) an den westlichen Eingang des Uhuru Parks. Unsere Vorfreude ist groß - gleich werden wir uns auf der Wiese niederlassen, Schuhe und Strümpfe ausziehen, die Beine ausstrecken, unsere qualmenden Füße lüften, eine Kleinigkeit essen und trinken und vielleicht sogar ein halbes Stündchen Augenpflege betreiben.

Wir bekommen allerdings schnell einen Dämpfer! Der Uhuru Park ist gesperrt. Militär verweigert jeden Zutritt und von weitem sehen wir, dass Soldaten im Park verteilt sitzen, um jeden Eindringling abzuwehren. "Die Regierung befürchtet politische Versammlungen, die zu Unruhen und Kämpfen führen", erfahren wir von den Soldaten am Eingang. "Daher werden solche möglichen Orte für große Zusammenkünfte rigoros gesperrt und militärisch bewacht." 

                                                        Auch als Touristen haben wir da keine Chance.

Was bleibt uns also anderes, als den Rückweg anzutreten - wieder gut 2km und eine knappe Stunde Fußmarsch - (so kann man den Tag auch verbringen). Nahe der Railway Station ist uns noch ein sehr kleiner Park aufgefallen, direkt an der Ecke Haile Selassie / Moi Avenue, den wir nun ansteuern. Durch den enormen Verkehrslärm ist es hier zwar nicht wirklich gemütlich, aber wir sind einfach nur froh, unsere müden Körper ausstrecken zu können. Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Park und machen abwechselnd ein Nickerchen. Gegen 17.00 Uhr kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten (Getränke, Insektenspray) im nahegelegenen WalMart und etwas Obst an einem der zahlreichen Straßenstände und laufen hinunter zur Railway Station. Dort holen wir unsere reservierten Fahrkarten, die auf 5,5 x 3 cm beidseitig mindestens 6x abgestempelt und reichlich von verschiedenen Beamten unterschrieben werden, und unser Gepäck ab. Bis zur Einfahrt des Zuges warten wir im Bahnhofscafe (wie schon erwähnt, kann man den Kaffee dort gut trinken). Hoffentlich haben wir alle Informationen auch richtig verstanden und für unser First - Class - Ticket auch ein Schlafwagenabteil gebucht....

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