Mit dem Zug von Nairobi nach Mombasa - eine Reise mit kolonialem Flair

 

Es gibt sicher verschiedene mehr oder weniger abenteuerliche Möglichkeiten von Nairobi nach Mombasa (und natürlich auch umgekehrt) zu kommen.

Mit dem Bus reist man am preiswertesten - zwischen 800 - 1000 Kshs. Allerdings ist es auch die unkomfortabelste Möglichkeit diese knapp 500 km lange Strecke zurückzulegen. Die Busse sind alt, eng und vollgestopft mit Menschen. Eine Fahrt dauert 8 Stunden, es gibt kein aircondition, so dass der Geruch im Bus im Laufe der Fahrt immer unangenehmer wird. Die Fahrer haben einen sehr extravaganten Fahrstil und legen nicht etwa eine Pause ein, wenn einer der Insassen mal zur Toilette muss. Die Möglichkeiten mit dem Bus zu reisen, sind heute im Jahr 2011, um einiges komfortabler geworden. Es gibt moderne Busse mit aircondition, die sowohl tagsüber als auch nachts fahren. Auch die Straße von Nairobi nach Mombasa ist wesentlich besser, nun durchgehend asphaltiert. Ob sich allerdings der Fahrstil der Busfahrer  verändert hat, wage ich zu betweifeln.

                                         Octavian hat uns dringend von der Fahrt mit dem Bus abgeraten!

Am schnellsten und angenehmsten reist man sicher per Flugzeug, z.B. mit Kenya Airways. Ein Flug kostet ca. 50 € p.P. oneway und dauert 50 Minuten.

                                  Wir haben uns für die goldene Mitte entschieden - für die Fahrt mit dem Zug.

Der Wunsch mit der legendären Ugandabahn zu reisen - die ja in fast jedem Reiseführer als besonderes und teilweise abenteuerliches Highlight angepriesen wird, hatten wir schon während unseres Aufenthalts in Nairobi im August 2007. Damals erkundigten wir uns bereits nach den aktuellen Preisen und Abfahrtszeiten. Da es unseres Wissens weder aktuelle Daten in einem Reiseführer noch auf einer website gibt, könnt ihr diese hier nun für die Strecke Nairobi - Mombasa brandaktuell (Stand: Januar 2008), persönlich erfragt und genutzt aber dennoch ohne Gewähr nachlesen:

* von Nairobi nach Mombasa fährt der Zug jeweils montags, mittwochs und freitags um 19.00 Uhr ab Nairobi Railway Station

* Ankunft in Mombasa am nächsten Morgen zwischen 9.00 und 10.00 Uhr nach 14 - 15 Stunden Fahrt

* man hat die Wahl zwischen 3 verschiedenen Kategorien

  • 1. Klasse: bequemes 2-Bett-Abteil mit Einbauschrank und kleinem Waschbecken für 3375 Kshs pro Person, incl. Dinner, Breakfast und Bettwäsche. Dinner und das typisch kenianische (sprich englische) Breakfast werden im Speisewagen eingenommen.
  • 2. Klasse: etwas einfacher mit 4-Bett-Abteil und kleinem Waschbecken für 2490 Kshs pro Person incl. Bettwäsche
  • 3. Klasse: sehr einfach, Großraumabteil mit Sitzbänken                                                                                      (gepolstert!)
In der 2. Klasse gibt es vier Schlafgelegenheiten.
Zugabteil 2. Klasse
Nairobi Railway Station
Die 3. Klasse ist ein Großraumabteil ohne Liegemöglichkeit
Zugabteil 3. Klasse

 

Bei der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof spüren wir schon den kolonialen Flair. Zum Betreten des Bahnsteigs müssen wir unsere Fahrkarte zeigen. Der sonst so verschlafen wirkende Bahnhof entwickelt eine summende Betriebsamkeit. Der Zug wirkt - innen wie außen - sehr kolonialistisch.

Diese Toiletten sind für Touristen mit empfindlichem Magen nicht zu empfehlen
Bahnhofstoiletten für die Reisenden 2. Klasse
Unser Zug - farbenfroh, so wie die Kenyaner es lieben
Unser Zug

 

Über die Bequemlichkeit unseres 2-Bett-Abteils kann man sicher sehr unterschiedlicher Meinung sein. Die untere Sitzbank wird als Bett ausgezogen, darüber gibt es eine gepolsterte Klappe - die 2. Liegefläche mit Fangnetz.

Zwischen Schrank und Abteiltüre stapeln wir unsere Trecking-Rucksäcke übereinander, in dem winzigen Schrank ist lediglich Platz für unsere Jacken und das kleine Handgepäck. Das winzige Waschbecken sieht sehr niedlich aus, allerdings kommt nur ein einziger Wassertropfen aus dem Hahn und dann versiegt die ersehnte Quelle schon wieder. Schade! Mit einer erfrischenden Katzenwäsche wird es also nichts.

1.Klasse Zugabteil mit 2 Schlafgelegenheiten
Unser Zugabteil
Warten auf die Abfahrt des Zuges

 

Das Fenster ist 2-teilig mit Moskitonetz. Im nächsten Waggon finden wir den Speisewagen. Hier wird schon alles für das Diner vorbereitet und eingedeckt. Zwischen den Waggons liegt die Toilette - jedes Geschäft muss man hier im Hocken erledigen.

Ein Zugbegleiter geht von Abteil zu Abteil, sammelt die Buchungsbestätigung für das Diner ein und weist darauf hin, keine Wertsachen und Kameras im Abteil zu lassen, da man dieses nicht verschließen kann. Neben uns reist ein Paar aus Neuseeland und in der letzten Minute vor Abfahrt des Zuges steigt noch eine afrikanische Famile mit 3 kleinen Kindern in unseren Waggon ein. Damit ist die 1. Klasse längst nicht ausgebucht. In der 2. Klasse haben wir gar keine Reisenden gesehen und in der 3. Klasse reisten nur Afrikaner, aber auch hier waren nicht alle Plätze besetzt. Trotzdem herrschte dort natürlich ein buntes Treiben und lautes Stimmengewirr aus Lachen, Kreischen und Kinderweinen.

Pünktlich um 19.00 Uhr ertönt ein langgezogenes Pfeifen und der Zug setzt sich langsam ruckelnd in Bewegung. Wir schauen, so lange es noch nicht ganz dunkel ist, aus dem Fenster und sind entsetzt, wie nah der Zug an Ansammlungen von notdürftig zusammen gezimmerten Hütten vorbei fährt. Kleine Kinder - erst 2 - 3 Jahre alt - spielen gleich neben den Bahngleisen. Der vorbeifahrende Zug scheint eine willkommene Abwechslung im tristen und schweren Alltag der Menschen zu sein. Viele - Kleine und Große - laufen zusammen. Sie winken freundlich lachend und rufen uns ihr "Jambo" zu. Wir nehmen aber auch Jugendliche und Erwachsene wahr, die stumm und bewegungslos dem Zug entgegen blicken, die nicht auf unseren Gruß reagieren. Und mancheml spüren wir einen kalten Hauch, ja fast etwas abwehrendes, feindliches in ihrer Haltung. Dieser Zug fährt mitten durch die Slums und wir sehen schreckliche Armut. Überall sind Müll- und Dreckberge, in denen Kinder und Tiere nach Nahrung und anderen brauchbaren Dingen wühlen. Mittlerweile ist es dunkel.  Ringsherum leuchten nun in der Dunkelheit Feuer - die Luft riecht verkohlt oder es weht ein unangenehmer Wind von den Müllbergen herüber. Mit dem ständig pfeifenden und quietschenden Zug, der in unmittelbarer Nähe der Hütten vorbeifährt, fragen wir uns, wie die Menschen das Leben unter diesen Bedingungen nur aushalten können.

Als wir in der Dunkelheit nichts mehr erkennen können, schließen wir unser Abteilfenster und lehnen uns mit einem beklommenen Gefühl im Sitz zurück.  

Eine Weile hängen wir noch unseren Gedanken nach, reden miteinander über die vielen Eindrücke des Tages, besonders über die letzten. Doch wir wissen auch, wir werden diese Lebensbedingungen hier und heute nicht grundlegend verändern können. Aber unseren kleinen Teil im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir in diesem Land einsetzen.

Es wird nun höchste Zeit, dass wir uns für das Diner fertigmachen. Pünktlich um 20.00 Uhr ertönt eine Glocke durch den Waggon. Gut, dass wir uns in Nairobi noch mit reichlich Wasser eingedeckt haben. So können wir uns nun doch ein wenig waschen - festliche Dinerkleidung wird hier hoffentlich nicht erwartet. Ein frisches Hemd bzw. T-Shirt ist dann auch ausreichend wie wir beim Betreten des Speisesaals sehen.

Wir zeigen unsere Diner Card und werden von einem Kellner in Livreè zu einem Tisch geführt.

 

Dining Card

Alle Tische sind sehr fein eingedeckt mit weißen, allerdings etwas fadenscheinig wirkenden Tischtüchern, schwerem altem Tafelsilber (zusammengewürfelte Besteckteile zwar, aber blitzblank geputzt, ergänzt durch einzelne, verkratzte Einzelstücke aus Blech), weißen Porzellantellern, gefalteten weißen Stoffservietten und zum Teil mit Weingläsern aus Bleikristall. Alles wirkt sehr nostalgisch - aber diese in gelbliches Licht getauchte Atmosphäre hat etwas Bezauberndes!

Wir bestellen zwei Tusker und zwei Fanta und mischen - sehr zum Vergnügen des Kellners - unseren Biercocktail (in Deutschland sagt man je nach Region auch Alsterwasser oder Radler dazu).

Der Kellner serviert uns eine leichte Gemüsecremesuppe und fragt nach unseren Wünschen für den nächsten Gang. Wir haben die Wahl zwischen "chicken, meat or vegetarian" und entscheiden uns für chicken. Auch wenn wir keinen Vegleich mit den anderen Gerichten haben - es war eine sehr gute Wahl. Das Hähnchenfleisch ist sehr knusprig und würzig zubereitet. Als Beilage gibt es Kartoffelpürree und gemischtes Gemüse. Zum Nachtisch wird uns dann das unvermeidliche furchtbar süße Kuchenstück serviert und natürlich gibt es zum Abschluss einen starken Kaffee.

                                                          Insgesamt ein sehr gelungenes, gutes Diner!!!

 

Als wir satt und zufrieden unser Abteil wieder betreten, sind die Betten bereits hergerichtet. Müde und völlig geschafft sinken wir nur noch hinein und werden vom gleichmäßigen Rattern des Zuges schnell in den Schlaf geschaukelt (bei Joachim im oberen Bett schaukelt es besonders heftig ).

Es wird eine unruhige Nacht. Mehrmals hält der Zug mit laut quietschenden Bremsen. Die Weiterfahrt und jede Kurve (so meinen wir zumindest) wird mit einem lang gezogenen, schrillen Pfeifen angezeigt. Zwischendurch schaukelt und rattert dieser Zug uns immer wieder in einen oberflächigen Schlaf.

Um 7.30 Uhr schauen wir zerknautscht aus dem Fenster und genießen die an uns vorüber ziehende Landschaft. Wir haben keinen Plan, wo wir uns befinden. Vielleicht im Tsavo? Tiere sehen wir zwar nicht, aber die typische flache Dornbuschsavanne deutet darauf hin.

Kurze Zeit später richten wir uns so gut es geht für's Frühstück her. Nach dieser Nacht ist der Kaffee besonders gut und auch das Frühstück schmeckt uns vorzüglich, zumal uns auch hier im Zug ein köstliches Omelett dazu serviert wird.

Für den Rest der Fahrt genießen wir einfach nur den herrlichen Ausblick. Es ist jetzt schon recht warm und schwül - wir merken, dass wir uns Mombasa nähern.

Um 9.45 Uhr fährt der Zug in Mombasa Railway Station ein. Wir stehen noch in der Waggontüre, sind gleich von zahlreichen Gepäckträgern und Taxifahrern umringt und können kaum aussteigen.

Unser Gepäck fest im Griff, schütteln wir nur den Kopf, weisen jede hilfreiche Hand zurück und halten Ausschau nach Octavian. Leider ist er nirgends zu sehen. Nachdem wir uns etwas Platz verschafft haben, steigen wir aus, orientieren uns erst mal auf dem Bahnsteig und treten dann - immer noch die Gepäckträger und Driver abschüttelnd - auf den Bahnhofsvorplatz.

Octavian meldet sich bald schon telefonisch: Er sei spät dran, aber in spätestens 15 Minuten bei uns.

Beruhigt hocken wir uns auf einen Stein und warten. Die Sonne brennt uns schon heiß auf den Kopf. Super- unsere Kopfbedeckungen sind im Rucksack irgendwo vergraben. Die vielen einheimischen Träger und Fahrer haben nun auch gemerkt, dass unser "Nein" ernst gemeint ist, und lassen uns erst mal in Ruhe. Aber sie "lauern" in gebührender Entfernung. Es könnte ja sein, dass wir doch nicht abgeholt werden und dann ein besonders gutes Geschäft mit uns zu machen ist.

10 Minuten später biegt ein kanarienvogelgelbes TucTuc um die Ecke. Octavian springt aus dem fahrenden Vehicel und begrüßt uns freudig.

                                                                       Jambo, our friend!!!

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