Vom Leben und Sterben oder Fressen und gefressen werden

Montag, den 23.8.2010



Um 7.10 Uhr fahren wir los. Erst stoppen wir am nahe gelegenen Talek Gate, um unsere Tickets für heute und morgen zu kaufen.

Wir hoffen heute Vormittag noch einmal einige Raubkatzen zu sehen.
Um 8.00 Uhr haben wir schon Glück. Wir treffen auf ein 7-köpfiges Löwenrudel an einem Riss, davon zwei stattliche Männchen. Von dem Gnu ist nicht mehr viel übrig. Eine Löwin frisst aber noch, später auch noch eines der Löwenmännchen.

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Wir betrachten die Szene ausgiebig bevor wir ein Stück um den Busch herum fahren. Nur etwa 30m von dem Löwenrudel entfernt steht ein einzelner Büffel im selben Busch. Wir stellen unser Auto ab und beobachten, während wir frühstücken, die Szenerie. Wenn die Löwen den Büffel bemerken, könnte es sein, dass sie ihn angreifen. Die Gruppe ist groß genug, insbesondere die beiden Männchen, um ihn erfolgreich zu töten.
Der Büffel hat die Löwen aber schon gewittert. Eine ganze Weile steht er absolut regungslos im Busch und versucht dann, sich zentimeterweise und völlig lautlos zurückzuziehen. Der Wind steht günstig für den Büffel und von den Löwen unbemerkt schafft er innerhalb einer halben Stunde den Rückzug ins offene Grasland.
Wir cruisen noch einmal in die Serena Gegend zum Mara River. Vielleicht gibt es ja heute noch ein Crossing. Auf dem Weg schrecken wir zwei Tüpfelhyänen aus dem hohen Gras auf.

Tüpfelhyäne im hohen Gras

Als wir auf den Fluss zufahren, kommt uns eine größere Wildebeestherde entgegen. Die Tiere haben wohl gerade den Fluss überquert und ziehen nun in einer langen Reihe zu neuen Weideflächen .
Einsam und alleine läuft am Mara River ein junges Gnu hin und her. Immer wieder stößt es blökende Laute aus, mit denen es seine Mutter in der nun verlassenen Gegend finden will. Doch die scheint mit der Herde schon längst weitergezogen zu sein. Vielleicht ist sie bei der Überquerrung aber auch Opfer der gefräßigen Krokodile im Fluss geworden. Auf jeden Fall kann sie ihr Kleines nicht mehr hören.

Alleine, ohne seine Mutter, kann dieses junge Gnu nicht lange überleben

Auf der Conservancy-Seite zieht eine kleine Gnuherde Richtung Mara Fluss. Nachdem wir die Bewegung der Herde eine halbe Stunde beobachtet haben, kommen wir zu dem Ergebnis, dass wir uns hier für die nächsten Stunden nicht positionieren müssen. Wir fahren einen großen Bogen zum nächsten Crossingpoint.

Ein Sekretär mit auffälligem Kopfschmuck stolziert durch das hohe Gras. Ein Männchen?

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Sekretär, engl.: Secretary Bird
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lat.: Sagittarius serpentarius

Vom Crossingpoint beobachten wir eine riesige Gnuherde, die heranzieht. Diese Herde wollen wir erst einmal im Blick behalten, obwohl die Tiere an dieser Stelle sicher nicht crossen, denn am Ufer sichten wir 4 große Krokodile und eine große Gruppe Hippos versperrt den Ausstieg der Gnus.

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Auch diese Stelle geben wir bald wieder auf und fahren weiter zum nächsten Punkt. Dort ist gerade auch ein Crossing beendet. Zebras – Mütter wie Jungtiere – stoßen ihre durchdringenden Laute aus und laufen immer wieder zum Flussufer. Einige springen wieder in den Fluss und schwimmen zurück ans andere Ufer, in der Hoffnung, dort ihre Familien zu finden.

Nach einiger Zeit fahren wir flussaufwärts weiter. Auch am nächsten Crossingpoint stehen große Gnu- und Zebraherden. Hier dürfen wir nun endlich mehrere kleinere Flussüberquerungen miterleben. Drei Zebras und ein sehr kleines Junges schwimmen durch den Fluss und bemerken das riesige , im Wasser liegende Krokodil nicht. Der erste Angriff der Riesenechse schlägt fehl, auch ein zweiter gelingt nicht. Doch beim dritten Angriff, der schließlich dem Babyzebra gilt, schießt das Krokodil nur einmal aus dem Wasser, packt das Zebra mit seinem großen Maul im Nacken und zieht es unter Wasser. Der Fluss führt dieses Jahr sehr viel Wasser und die Strömung ist hier recht stark, so dass wir weder das Zebra noch das Krokodil wieder sehen. Weitere Tiere springen ins Wasser und kämpfen gegen die starke Strömung, um schnell wieder festen Boden unter den Hufen zu haben. Gegen 12.45 Uhr  beruhigt sich die Herde allmählich. Auch die Zebrarufe werden weniger und zaghafter. Für einige Jungtiere heißt es nun, auf sich allein gestellt in einer Herde zu überleben. Aber auch viele Muttertiere müssen wohl ohne ihr Jungen weiterziehen.

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Zwergspint
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lat.: Merops pusillus

Die Gnus laufen weiter flussabwärts, während die Zebras weiterhin am Flussufer unentschlossen hin und her tänzeln. Immer wieder überqueren kleine Gruppen von 4-6 Zebras den Fluss.

 

Mit der Strömung kommen wieder zwei große Krokodile schnell herbei und lauern von der Flussmitte her auf neue Beute. Doch die Tarnung der Echsen fliegt auf. Die Zebras ganz unten am Flussufer entdecken sie und flüchten die Böschung wieder hinauf.  Nun ziehen auch sie flussabwärts hinter den Gnus her.

 

Wir sehen an diesem Nachmittag von verschiedenen Standorten am Mara River noch mehrere kleine Flussüberquerungen. Wie in jedem Jahr schafft  auch dieses Mal die Mehrzahl der Tiere diesen anstrengenden und gefährlichen Teil ihrer immerwährenden Wanderung.

 

Die Wartezeit zwischen den Crossings verkürzt uns ein Zwergspint, der  gleich vor unserer Nase auf einem Zweig in einem Strauch  sitzt, immer geschäftig hin und her fliegt, aber stets zu seinem Zweiglein zurückkehrt.

 

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engl.: Little Bee-eater
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Ein bunter Vogel aus der Familie der Bienenfresser

Nicht alle, die beim Crossing ums Leben kommen, werden sofort durch Krokodile getötet. Ein Zebra verfängt sich kurz vor dem Ziel in den großen Felsblöcken am Ufer und steckt nun dort fest. Erst versucht es noch sich mit aller Kraft zu befreien, doch schließlich ergibt es sich in sein Schicksal und liegt nur noch nass, schlaff und müde zwischen den großen Steinen halb im Fluss. Dort wartet es auf seinen sicheren Tod, der aber wohl noch etliche Stunden auf sich warten lässt.

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Wir bleiben in der Area, trinken unter einem Baum unseren Cappuccino, chillen ein bisschen und schauen dann kurz vor 16.00 Uhr, ob sich am Mara Fluss noch einmal ein Crossing ergibt.

Tatsächlich zieht drüben eine gewaltige Gnuherde flussabwärts. Nachdem wir deren Zug eine Weile beobachtet haben, stellen wir unser Auto noch einmal ein Stück flussabwärts hin – genau dort, wir gestern das große Spektakel verpasst haben. Ab 16.15 Uhr warten wir geduldig die weitere Entwicklung ab und wundern uns nicht, dass die Wildebeest mehrfach von rechts nach links und wieder zurück, mal zum Flussufer hin, dann wieder davon weg ziehen.

Ein an der Brust knallig gelber Vogel  mit dunklem Kopf und Rücken flirtet mit uns und holt sich schnell die Apfelkerne und das Fruchtfleisch, das ich ihm hingebe. Es ist ein Reichenow Weber, ein in Ostafrika weit verbreiteter Webervogel, der sich von Sämereien, Insekten und Beeren ernährt.

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Reichenow Weber, engl.: Reichenow`s Weaver
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lat.: Ploceus baglafecht reichenowi

Doch schon um 17.00 Uhr zeichnet sich recht deutlich ab, dass diese Herde hier nicht mehr über den Fluss zieht. Wir warten noch eine Viertelstunde, bauen aber dann unsere Kameras ab und fahren zurück Richtung Talek. Wir brauchen bestimmt eine gute Stunde bis zum Camp, kommen also gleichzeitig mit der hereinbrechenden Dämmerung erst dort an. Ich überlege unterwegs, ob ich den Speiseplan für unser Diner heute Abend ändern soll. Eigentlich wollten wir heute Pizza machen und ein frisches Brot backen, aber zwei Hefeteige noch anzusetzen erscheint mir zeitlich ein bisschen knapp. Wir haben noch reichlich Eier, Speck und ein paar Nudelreste und so  werden Pizza und Brot auf morgen verschoben.

Um 18.30 Uhr erreichen wir das Talek Gate über dem gerade die Sonne untergeht. Links vom Gate ziehen drei Elefanten vorbei. Die Dickhäuter haben wir während unseres Aufenthaltes in der Mara nur einmal in einer kleinen Gruppe gesehen.

Sonnenuntergang über dem Talek River
Talek Gate

Das ist ein ungewohntes Bild, denn sonst sind wir Elefanten immer reichlich hier begegnet. Daniel meint, die Elefanten ziehen sich während der Migration in andere Bereiche zurück, weil sie den Dung und die Geräusche der vielen Gnus nicht mögen. Nun, ich weiß nicht, ob ich das glauben soll. In den vergangenen Jahren waren wir immer während der Migration in der Mara und haben auch immer reichlich Elefanten gesehen.

Auf jeden Fall genießen wir mal wieder einen wunderbaren, beschaulichen Abend am Lagerfeuer – heute sogar bei Vollmond.

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