Wasser Marsch!

Montag, den 1.3.2010

Vom lauten Rauschen des Flusses und dem Pladdern des Regens werde ich in der Nacht immer wieder wach. Jedesmal schaue ich durch das Gazefenster nach draußen und nehme den stark fließenden Fluss schemenhaft wahr. Er ist bis zur Oberkante gefüllt und mir schießt der Gedanke durch den Kopf, dass er ja auch mal über die Ufer treten könnte. Mittlerweile habe ich Joachim mit meinem Gezappel und Hin und Her im Zelt auch geweckt und teile ihm meine Gedanken mit. Doch er meint nur, dass dies unmöglich sei, dreht sich wieder um und schläft weiter. Na gut, dann will ich mich ihm mal anschließen – doch der Fluss macht so einen tosenden Lärm, dass ich nicht wirklich zur Ruhe komme.
So lausche ich dann auch noch um 1.30 Uhr in der Nacht den hoch schlagenden Wellen des Schokoladenflusses und plötzlich höre ich ganz deutlich ein nahes Plätschern.

Letzeres ist ganz neu in der Geräuschkulisse und deshalb stehe ich doch noch einmal auf und schaue nach draußen. Uuups, wir müssen wohl dringend raus hier. Das, was laut Joachim sicher nicht passieren kann, ist nun doch eingetreten. Der Fluss ist mindestens noch um weitere 3m gestiegen und steigt deutlich noch mehr. Das Wasser steht schon kurz vor dem Vorzelt. Joachim schläft weiter tief und fest. Ich muss ihn ein paar Mal rütteln und rufen, bis er reagiert und ungläubig ausruft: Oh, Mist, das gibt’s doch nicht!“ Schnell schlüpfen wir in unsere Klamotten und öffnen den hinteren Zelteingang. Dort ist noch alles trocken. Vom Nachbarcamp kommt Esmit zu uns rüber und will uns gerade wecken. Doch als wir ihm signalisieren, dass wir bereits auf sind und klar kommen,  geht er zurück, um im eigenen Camp alles unter Kontrolle zu halten. Schnell räumen wir unser Zelt leer: zuerst die Reisepapiere und Geld, dann die Kameraausrüstung und schließlich den Rest (Rucksäcke mit Kleidung, Kochgeschirr, Bettzeug, Luftmatratzen). Joachim fährt das Auto auf einen etwas höher gelegenen Platz der Campsite. Dort stopfen wir alles erst mal völlig unsortiert in den Wagen. Dann holen wir noch Tische und Stühle unter dem Vorzelt hervor. Unser schöner neuer Kochrost schwimmt mittlerweile schon im braunen Flusswasser. Kurzentschlossen zieht Joachim die Schuhe und Strümpfe aus, krempelt die Hosenbeine hoch und watet in die schokoladenbraune Brühe. Na, die Kroks haben sich hoffentlich auch schon längst irgendwo an Land gerettet, weil die Strömung viel zu stark sein dürfte. Unversehrt kehrt Joachim dann auch aus der Dunkelheit mit der Kochstelle zurück.

Da wir keine Lust haben, die Nacht im Auto zu verbringen, kramen wir unsere Stühle wieder hervor und stellen sie an eine Stelle, die das Wasser noch nicht erreicht hat. Im fahlen Mondlicht beobachten wir, wie das Wasser zunächst immer höher steigt. Das Zelt können wir nicht versetzen. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass der Wasserspiegel irgendwann stehen bleibt, möglichst bevor die Brühe in unser Zelt fließt (immerhin haben wir ja auch noch 20 cm Wassersäule und die gilt es erst mal zu überwinden). Als unverbesserliche Optimisten stellen wir irgendwann fest, dass es ja wenigstens nicht mehr regnet.  Ein hoffnungsvolles Zeichen?

 

Um 2.45 Uhr hat das Wasser direkt vor unserem Zelteingang seinen Höchststand erreicht und eine viertel Stunde später haben wir den Eindruck, dass es langsam zurück weicht.

Wir warten noch eine halbe Stunde und beobachten den Rückgang des Wassers, bevor wir um 3.30 Uhr beschließen, unser Zelt wieder einzuräumen und noch ein paar Stunden zu schlafen.  Joachim gelingt es natürlich ganz schnell wieder, in seinen Tiefschlaf zurück zu finden. Ich ziehe es dagegen vor, Wache zu schieben, auf das Rauschen des Rivers zu horchen und immer wieder seinen Wasserstand zu kontrollieren.  Erst als es schon hell ist, der Fluss wieder relativ ruhig in seinem gewohnten Bett fließt und Joachim wach wird, komme ich endlich zur Ruhe und schlafe noch 2 Stunden bis 10.00 Uhr tief und fest.

So kommen wir erst um 11.00 Uhr heute zum Game Drive. Doch um diese Uhrzeit sehen wir nichts Außergewöhnliches. Viele kleine Gruppen Warzenschweine fallen uns heute auf. Immer wieder erfüllen verschiedene Tokos und Webervögel die Luft mit ihren Rufen und ein paar Geier sitzen in  den Bäumen und warten scheinbar auf warme Aufwinde.

Östlicher Gelbschnabeltoko - Eastern Yellow-billed Hornbill - Tockus flavirostris

Die Mahaliweber sind gerade mit dem Nestbau beschäftigt. Sie wirken sehr geschäftig, fliegen hin und her, sammeln Gräser, die sie dann ihre Nester einweben.  Diese sehen allerdings immer etwas lieblos und eilig gefertigt aus – keine ordentliche Kugel, wie man sie von anderen Webervogelnestern kennt, sondern ein Durcheinander verschiedener ineinander gewebter und gestopfter Grashalme.

Mahaliweber
White-Browed Sparrow weaver - Plocepasser mahali

Eine Oryxantilope flüchtet vor uns. Doch als wir eine Zeitlang stehen bleiben, läuft sie auf uns zu. So gelingen uns endlich einmal ein paar Aufnahmen von diesen scheuen Tieren.

Auf dem Rückweg zum Camp halten wir noch einmal an. Über Samburu spannt sich ein wunderschöner Regenbogen. Ein seltenes Bild in dieser Gegend, das  wir noch lange betrachten und natürlich mit der Kamera einfangen.

 

 

Unseren  Abend  lassen wir gemütlich am Lagerfeuer ausklingen und sind schon vor 10 im Zelt verschwunden. Schließlich haben wir noch ein paar Stunden Schlaf nachzuholen und wollen  morgen früh raus.

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