Wir verlassen Samburu

Dienstag, den 4.8.2009 - Wir verlassen Samburu und wolle zum Lake Bogoria

Kurz nach halb sieben werden wir wach und entschließen uns, nicht mehr lange zu dösen, sondern gleich aufzustehen.

Wir bauen unser Lager ab, packen unsere Sachen und noch während wir damit beschäftigt sind, tauchen die ersten Paviane auf und beobachten uns. Einer von uns verjagt immer wieder die ganz forschen Baboons, während der andere bemüht ist, alle noch herumliegenden Sachen im Auge zu behalten und gleichzeitig die Ausrüstung im Auto zu verstauen. Es ist auch allerhöchste Eile geboten, denn die Affen bewegen sich nur noch langsam wenige Meter von uns fort, wenn wir sie verjagen. Gleichzeitig kommen von anderer Seite schon die nächsten und wollen unseren Kram erobern.

Um 8.00 Uhr sind wir fertig, machen uns mit unserem kostbaren Trinkwasser ein wenig frisch und winken den enttäuscht dreinblickenden Baboons fröhlich zu, denn wir haben keine Verluste und die Tiere keine Gewinne zu verzeichnen. Wir schreiben unseren Kilometerstand auf: 142.115 km.

Langsam und verbunden mit einem kleinen Gamedrive fahren wir Richtung Archers Gate.

Einige sehr scheue Oryxantilopen laufen uns über den Weg, aber leider gelingt uns kein brauchbares Foto. In der Ferne nehmen wir eine kleine Elefantenherde wahr und natürlich begegnen uns auch wieder Grevys, Netzgiraffen, Perlhühner und Gerenuks. Leider sind auch heute wieder keine Raubkatzen zu sehen.

Als wir um 9.30 Uhr das Gate passieren, beschließen wir, hier erst einmal in Ruhe zu frühstücken. Daran war an der Public Campsite angesichts der zahlreichen Paviane nicht zu denken. Wir haben lediglich unsere Thermosflaschen mit kochendem Wasser gefüllt, so dass wir uns nun Kaffee und Tee aufbrühen können.

Wir studieren die Karte. Der Weg zum Lake Bogoria ist erst einmal recht klar und einfach. Daher verzichten wir auf den Einsatz des Navis.

In  Archers Point stellen wir dann erst mal fest, dass wir auf dem Hinweg in die Samburu nur 2 km vor dem Gate aufgegeben haben und wieder zur Hauptstraße zurückgekehrt sind.  

Um 10.00 Uhr (KM-Stand: 142.133, Koordinaten: N 00° 37.739‘, EO37° 38.359‘, 851m) biegen wir links auf die A2, folgen dann der Beschilderung links auf die C79 nach Wamba und nehmen schließlich die C78 vor der Ortschaft Wamba links Richtung Lodungokwe. Wir erreichen um 12.30 Uhr Lodungokwe. Für die bisher 114 zurückgelegten Kilometer haben wir 2,5 Stunden gebraucht – also normale Durchschnittsgeschwindigkeit in Kenya.

Auf unserem bisherigen Weg begegnen uns nur wenige Autos – wir können sie an einer Hand abzählen. Es ist alles furchtbar trocken und staubig und die riesige Weite erscheint uns schrecklich unwirtlich und einsam.

In Lodungokwe dagegen sieht alles schon wieder ein wenig fruchtbarer und grüner aus. Dafür ist ab hier die Straße wieder sehr schlecht. Schwarze, holprige Inseln lassen erahnen, dass hier die Reste einer Teerstraße aus der roten Sandpiste herausragen. Bis Kisima brauchen wir noch einmal 1 Stunde 10 Minuten für 49 km auf dieser Holperstrecke, der C78.

An einer Kreuzung in Kisima stehen doch tatsächlich Wegweiser. Rechts geht es Richtung Maralal. Bis zur Hauptstadt des Samburu-Districts  - vielen sicherlich auch bekannt aus den Romanen von Christina Hachfeld-Tapukai  („Mit der Liebe einer Löwin“ und „Der Himmel über Maralal“) - sind es 20 km. Wir fahren links die C77 Richtung Subuta Lol Marmar und müssen nach einer Stunde und 36 km später kurz hinter Subuta Lol Marmar noch einmal rechts abbiegen Richtung Tangulbai. Es geht weiterhin nur langsam voran und mittlerweile bangen wir schon wieder darum, den Lake Bogoria noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Nach unseren Karten müssen wir ja vom Gate aus noch einmal längs am See entlang bis zu den Campingplätzen.

Seit einiger Zeit begleitet uns schon eine große dunkle Wolke und jetzt um 15.05 Uhr beginnt es doch tatsächlich zu regnen. Nach der staubtrockenen heißen Zeit im Samburuland löst der prasselnde Regen doch tatsächlich Freude bei uns. Doch schon nach 5 Minuten ist es mit dem kostbaren Nass von oben wieder vorbei.

Wir erreichen Tangulbai um 15.45 Uhr und halten erst mal einige Daten fest: KM-Stand 143.377, Koordinaten N00° 47.988‘, EO36° 17.250, 1224m. Für läppische 244 km haben wir 5 Stunden und 45 Minuten gebraucht.

Sowohl der Navi als auch die spärlichen Wegweiser an der Hauptstraße wollen uns über den Lake Baringo zum Lake Bogoria führen. Unsere Karte zeigt aber einen  viel kürzeren Weg von Tangulbai über Chemoigut, vorbei an Loiminange über Logumukum und Sandai zum Loboi Gate des Lake Bogoria National Reserves. Da uns der Navi auf unserem Weg vom Lake Nakuru ins Samburu-Gebiet ja schon einen großen Umweg geführt hat, wollen wir dieses Mal unbedingt die kürzere Strecke fahren. Wir fragen uns im Dorf nach diesem Weg durch und erhalten auch mehrere übereinstimmende Antworten. Nur einige wenige Menschen – die sicher keine Ahnung haben – weisen uns den Weg über den Lake Baringo.

Nun nach einigem Hin und Her mit Suchen und noch einmal Fragen finden wir endlich den small Track. Er verläuft ziemlich steil bergauf, ist ungeheuer schmal (hoffentlich begegnet uns hier kein zweites Auto!!!) und führt über Stock und Stein. Joachim quält den Landrover so langsam vorwärts, dass wir um 16.00 Uhr aufgeben und brav dem Navi und den wenigen, wohl doch nicht so ahnungslosen Menschen folgen. Eine weitere Nacht mit irgendeinem Break wollen wir uns nicht gönnen.

Die Mainroad ist mittlerweile wirklich gut. Joachim gibt Gas und so können wir um 16.30 Uhr nur wenige Kilometer vor Loruk von einem Viewing Point endlich eine wunderbare Aussicht auf den Lake Baringo genießen.

Wir sind völlig verdreckt, durstig, hungrig wünschen uns dringend eine gepflegte Toilette und eine warme Dusche. Daher beschließen wir, eine Nacht am Lake Baringo zu verbringen. Das Robert’s Camp ist uns als sehr guter und preiswerter Campingplatz, direkt am See gelegen, mit guten sanitären Anlagen und einer schönen Area von unserer ersten Campingsafari im Jahr 2007 noch in bester Erinnerung.

Endlich sind wir kurz vor einem weiteren Etappenziel und spülen den Samburu-Staub in der trockenen Kehle herunter.
Völlig verdreckt, durstig und hungrig...
Der Anblick des Lake Baringo und das Wissen um Wasser und warme Duschen im Robert's Camp zaubert doch gleich ein breites Lächeln in joachims Gesicht.
... aber immer mit guter Laune

Eine Viertelstunde später stehen wir schon an einer Schranke und zahlen unsere Fees für den Eintritt in den Lake Baringo District (200 Kshs pro Person und 100 Kshs für das Auto) Wenige Minuten später halten wir vor dem Tor von Robert’s Camp. Alles kommt uns noch so sehr vertraut vor. Wir warten nur kurz bis das Tor geöffnet wird und stellen das Auto erst einmal an der Rezeption, die gleichzeitig Bar ist, ab.  Dort melden wir uns an, zahlen unsere Gebühren für eine Nacht (lächerliche 700 Kshs für beide!) und halten ein kurzes Schwätzchen mit dem Barkeeper, der meint sich an uns erinnern zu können. Na ja, wir wissen nicht wirklich, was wir davon halten sollen, gönnen ihm aber diese Gedächtnisleistung.

Dann suchen wir uns ein Plätzchen nah am See und bauen das kleine Zelt auf. Wir räumen das völlig verdreckte Auto aus und befreien unsere Kisten, Rucksäcke, Geschirr, Töpfe – einfach alles von einer zentimeterdicken roten Staubschicht. Darüber vergessen wir natürlich völlig die Zeit. Plötzlich ist es 19.00 Uhr, dunkel und die ersten Hippos kommen aus dem Wasser. Ups – nun können wir wieder nicht duschen, denn jetzt noch den Weg zu den Duschen zu wagen, wäre angesichts der zwischen den Zelten grasenden Nilpferde viel zu gefährlich.

Zu allem Überfluss fängt es nun auch noch an zu regnen. Also packen wir erst mal wieder alles ins Auto und krabbeln hungrig ins Zelt. Gut, dass Joachim schon vorher das Lagerfeuer entzündet hat. Für 200 Kshs hat uns ein Angestellter des Platzes einen dicken Packen Feuerholz gebracht. Als der Regen nachlässt und schließlich sogar ganz aufhört, gibt es sogar noch ein warmes Abendessen. Nur 50 m neben uns, zwar getrennt durch einen schmalen nicht allzu tiefen Graben, beobachten wir ein großes kräftiges Nilpferd beim Grasen. Zufrieden genießen wir den schönen Abend und weil ein Wasseranschluss ganz nah an unserem Zelt steht, fülle ich noch unseren Eimer und unsere Wasserkanister und gönne mir kurzerhand noch eine Eimerdusche.

So wunderbar erfrischt krabbeln wir zu später Stunde ins Zelt. Es ist sehr warm, so dass wir auf den Schlafsäcken liegen und nur das Moskitonetz des Zeltes verschließen. Mit dem Schmatzen und Grunzen der Hippos im Ohr und dem wunderbaren Sternenhimmel im Blick schlafen wir irgendwann ein.

Mittwoch, den 5.8.2009

Um 6.30 Uhr erleben wir einen fantastischen Sonnenaufgang. Das innerhalb weniger Minuten wechselnde Farbenspiel am Horizont ist absolut faszinierend. Wir liegen eingekuschelt in unseren Schlafsäcken im Zelt und stecken nur den Kopf nach draußen, um dieses wunderbare Naturschauspiel zu beobachten.

 

Innerhalb von 3 Minuten verändern sich Licht und Farben am Himmel.
Ein prächtiges Farbenspiel...
... bietet sich uns beim Sonnenaufgang

Vom See ertönt das wie ein Lachen klingende Grunzen der Hippos zu uns herüber. Es scheint, als wollten die Flusspferde sich schon mal von uns verabschieden, denn sie werden bis heute Abend den Tag wieder im Wasser verbringen.

Joachim hält nun nichts mehr in der Waagerechten. Er schlüpft in seine Klamotten, stapft mit der Kamera die wenigen Meter zum See und begibt sich dort auf Fotopirsch. Ich drehe mich lieber noch einmal um und betreibe ein weiteres halbes Stündchen Augenpflege.

Der Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer) ist ein afrikanischer Greifvogel und gehört zu der  Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Er frisst vorwiegend Fisch. Gelegentlich jagt er auch Ibis, Zwergflamingo, Storch oder andere Wasservögel. Eher selten frisst er kleine Schildkröten, Frösche, Seeschlangen, kleine Krokodile oder gar Aas.
Ein Schreiseeadler sitzt majestätisch auf einem Baum
Der Schreiseeadler sitzt mei st in der Krone eines hohen Baumes. Von dort kann er sein Territorium, z.B. das Seeufer oder einen Flusslauf sehr gut beobachten.
Ob er schon nach seinem Frühstück Ausschau hält?

So erlebe ich auch nicht live das Highlight des Tages: einen Schreiseeadler hoch im Baum ganz nahe am Ufer des Sees. Bis ich mich angezogen habe und mich vorsichtig an besagten Baum herangepirscht habe, ist der Greifvogel natürlich längst weitergezogen.

Während ich zum Frühstück Bacon‘n Eggs zubereite, bekomme ich Besuch eines sehr neugierigen und scheinbar immer hungrigen Dreifarbenglanzstars. Dieser ostafrikansiche Sperlingsvogel  aus der Familie der Stare hat ein Gefieder, das an der Oberseite schwarz-glänzend und an Nacken und Schultern blau-grün schimmert. Halsseite, Kehle und Brust haben einen metallisch-blauen Glanz, während Brustband und Steiß weiß und der Bauch rostbraun sind.

Dreifarbenglanzstar - in Ostafrika ein ständiger Begleiter

Unser Frühstück, bei dem immer auch ein paar Krümel abfallen, lockt aber auch noch andere farbenfrohe Vögel an. Auch der Dorfweber gehört zu der Ordnung der Sperlingsvögel. Während der Balzzeit fallen die Männchen durch ein leuchtend gelbes Gefieder auf, Kopf und Flügel sind aber schwarz. Das Weibchen hingegen ist von grünlicher Färbung mit einer feinen Strichelung. Außerhalb der Balz trägt das Männchen ein dem Weibchen sehr ähnliches Federkleid.

Der Dreifarbenglanzstar frisst  Insekten, Weichtiere, Würmer, Früchte und Körner. Seine Nahrung sucht er am Boden.
Dreifarbenglanzstar - ein häufig in Ostafrika vorkommender Sperlingsvogel aus der Familie der Stare
Dorf- oder Textorweber sind in Afrika südlich der Sahara westlich vom Senegal bis östlich nach Äthiopien verbreitet
Dorfweber oder Textorweber - ein Sperlingsvogel aus der Famile der Webervögel

Nach unserem ausgiebigen Frühstück setzen wir die gestern Abend vom Regen unterbrochene Reinigung des Autos und der Campingausrüstung fort. Joachim findet irgendwo im Motorraum die Hupe, die bei der Fahrt über die holprigen Samburustraßen abgefallen ist. Sie scheint endgültig hinüber zu sein. Schade! Auf dieses gute bei e-bay Deutschland für 1 € erstandene Stück waren wir doch so stolz und die Installation desselben hat uns ja hier zu Beginn unserer Reise schon einiges an Nerven und Geld gekostet. Nun, wir werden auch ohne unser horny weiterkommen.

Dafür schließt Joachim nun den Stromwechsler an die Batterie an. So können wir endlich unsere Kamera-Akkus, den Laptop und die Handys aufladen. Den Fön schließen wir lieber nicht an. Das verkraftet die Batterie wahrscheinlich nicht. Ich übertrage alle Fotos von der Kamera auf den Laptop. So haben wir wieder reichlich GB Speicherplatz für die kommenden Bilder frei.

Es wird ein richtiger Arbeitsvormittag hier am Lake Baringo. Wir nehmen uns nicht die Zeit für einen Ausflug, da wir heute noch den Lake Bogoria erreichen wollen.

 


Interessante Ausflüge und Aktivitäten...
...können direkt im Camp gebucht werden

Als wir gegen 11.30 Uhr endlich alles wieder sauber und verstaut haben, gönnen wir uns die lang ersehnte heiße Dusche und eine Rund-um-Körperpflege, die schon sehr mit einem guten Wellness-Programm konkurrieren kann.

Sanitäre Anlagen im Robert's Camp
Warm-Wasser-Dusche
Toilette

Um 12.40 Uhr verlassen wir Robert’s Camp und nehmen Kurs auf den Lake Bogoria. Diese Strecke ist gut zu fahren, wir passieren verschiedene kleine Dörfer und nach 50 Minuten stehen wir bereits am Loboi  Gate, dem Eingang zum Lake Bogoria.  Hier werden wir nun die nächsten zwei oder vielleicht sogar drei Tage unserer Safari verbringen.