Zurück nach Nairobi

Mittwoch, den 25.8.20

Wir sind ja keine echten Frühaufsteher und so kommen wir heute auch erst um 8.00 Uhr aus dem Bett. Auf eine Frühpirsch wollen wir ja nicht mehr fahren, sondern nur noch unsere Sachen packen, im Auto verstauen und dann zurück nach Nairobi fahren. Von dort soll es dann morgen weiter zur Küste gehen.

Nachdem wir uns von Gerdi, Peter, Daniel, all den netten Menschen hier und natürlich von Eros verabschiedet haben, fahren wir um 10.50 Uhr endlich los.

Zahlen der Rechnung und Abschied von Gerdi
Abschied von Eros - leider für immer, wie wir heute wissen. Eros starb ein Jahr später an der Schlafkrankheit.

Um 11.40 sind wir in Aitong, 12.30 Uhr in Lemek und um 13.00 Uhr erreichen wir nach reichlich Staub und Schotter endlich die Teerstraße Richtung Narok. An der B3 legen wir eine viertel Stunde später an der 1. Tankstelle einen Tankstopp und eine kurze Lunch-Time ein.

Auf dem weiteren Weg nach Narok steigt die Temperaturanzeige bedrohlich bis in den roten Bereich. Wir schaffen es gerade bis in die Hauptstadt der Provinz Rift Valley, wo wir um 14.15 Uhr an einer Tankstellenwerkstatt stehen und feststellen, dass der Kühlerlüfter schon wieder abgerissen ist und nicht arbeiten kann. Dort kann man uns leider nicht helfen, denn in ganz Narok gibt es bis 17.00 Uhr keinen Strom. Unsere einzige Chance ist, eine Werkstatt zu finden, die über Kompressor schweißen kann. Die finden wir auch recht schnell etwas außerhalb von Narok. Einen Kompressor haben sie zwar auch nicht, aber sie bauen den gesamten Lüfter aus, fahren damit irgendwo hin, fixieren 2 abgebrochene Teile über ihre gesamte Länge an dem Lüfter und bauen ihn dann wieder in unser Auto ein. Die ganze Aktion kostet uns 1,5 Stunden Zeit und 1000 Kshs. Um 15.45 Uhr können wir – hoffentlich ohne neuerlichen Zwangsstopp – nach Nairobi weiter fahren.

Gegen 18.15 Uhr erreichen wir endlich Nairobi. Stadteinwärts haben wir fast freie Fahrt und erreichen schon eine viertel Stunde später das Lavington Green Shopping Center.  Hier wollen wir schnell noch unsere Vorräte auffüllen, um am nächsten Morgen ganz früh Richtung Mombasa aufbrechen zu können.  Wir wollen auf jeden Fall zur Küste um noch ein paar Tage Badeurlaub zu genießen. Ob wir noch einen Zwischenstopp im Tsavo East einlegen, überlegen wir uns morgen in Ruhe auf der langen Fahrt.

Am Lavington Green Center herrscht ein Verkehrschaos. Was wollen bloß die vielen Menschen um diese Uhrzeit noch hier? Solch ein Durcheinander haben wir hier ja noch nie erlebt. Nachdem wir es endlich geschafft haben, auf den Parkplatz zu fahren, müssen wir feststellen, dass hier nichts frei ist. Joachim rangiert den schweren Landrover vor und zurück und wieder stellen wir fest “Es ist kein komfortables Auto für den Stadtverkehr“.  Schließlich findet Joachim doch noch eine Lücke, so dass er den Wagen zurücksetzen und dann endlich diesen überfüllten Parkplatz verlassen kann…. meint er! Es knallt nämlich plötzlich ganz unangenehm und nachdem der erste Schock nachlässt, schauen wir mal nach, was wir da getroffen haben. Ungläubig und fassungslos betrachten wir den Schaden. In Kenya fahren fast nur schrottreife Autos herum und wir fahren mit unserem Landi einem nagelneuen parkenden Mercedes hinten links den Kotflügel und einiges Drumherum schrottreif. Das riecht nach Ärger!

Der Ärger taucht auch schon kurze Zeit später in Form eines neureichen kenyanischen Geschäftsmannes aus dem Restaurant Kengeles auf.

Wir sind natürlich zerknirscht, geben unsere Versicherungspapiere und persönlichen Daten gleich raus, zeigen unsere Pässe versichern, dass wir selbstverständlich für den Schaden aufkommen. Damit ist dieser feine Herr aber gar nicht zufrieden. Er will den Schaden gleich vor Ort Cash von uns bezahlt haben. Über die Höhe, die er sich vorstellt, lässt er sich zwar nicht aus, meint aber er könne den Schaden nur bei DT Dobbie reparieren lassen. Nun, das dürfte bedeuten, dass wir über einen Schadensausgleich ab 100.000Kshs aufwärts diskutieren. Wir weisen darauf hin, dass wir unser Auto ordnungsgemäß versichert haben und die Versicherung den Schaden begleichen wird.

Nun, der Kenyaner gibt sich damit nicht zufrieden und  ruft die Polizei. Wie wir viel später erfahren, ruft er in der Kilimani Policestation an, die für den Bezirk Lavington gar nicht zuständig ist. Aber in Kilimani kennt der Geschädigte alle wichtigen Leute.

Noch sind wir ja davon überzeugt, dass wir morgen nach Mombasa fahren. Während Joachim am Auto wartet, erledige ich unsere Einkäufe im Shopping Center. Als ich zurück bin, ist auch die Polizei da und überprüft gerade unsere Pässe, Fahrzeugpapiere und Joachims Führerschein. Es handelt sich natürlich um den uralten grauen Lappen mit einem Foto aus dem Jahr 1974, das einen sehr jungen Mann mit langen Haaren abbildet. Die Polizisten schütteln den Kopf, fühlen sich sehr veräppelt und sind fest überzeugt, dass es sich auf dem Foto um eine Frau handelt. Eine dreiviertel Stunde vergeht. Wir legen uns mit all unseren Englischkenntnissen und unserer Überzeugungskraft ins Zeug. In der Zwischenzeit wird der Führerschein allen Umstehenden (auch den Unbeteiligten, die nur ihre Neugierde befriedigen wollen) gezeigt und diskutiert, ob es Joachim sein könnte oder nicht. Schließlich haben wir es wohl doch geschafft. Man nimmt uns ab, dass der Führerschein echt und Joachim der rechtmäßige Besitzer ist.  Kurzes Aufatmen und dann der nächste Schock. Wir müssen mit zur Kilimani Police Station. Dort will man unser Auto beschlagnahmen. Hier hilft nun alles Reden nichts. Auch der Mercedes muss mit. In Kenya ist es üblich, an Unfällen beteiligte Autos zu einer Inspektion zu schicken, um festzustellen, ob diese verkehrssicher sind. Unwillkürlich muss ich grinsen – in Kenya gibt es keine verkehrssicheren Autos (außer vielleicht der nagelneue Mercedes unseres Unfallgegners)!

Einer der Polizisten steigt bei uns ein und im kleinen Konvoi geht’s nun Richtung Policestation. Die liegt in einer dunklen Gegend und ich muss gestehen, dass mir schon ein bisschen unwohl zumute ist. Man weist uns einen Abstellplatz für unser Auto weit hinter dem Polizeibüro zu. Dort ist es stockdunkel, nicht eine Laterne erhellt das Gelände ein wenig. Der Mercedes darf natürlich direkt auf dem Parkplatz vor dem Polizeigebäude stehen. Dagegen protestieren wir. Wenn wir unser Auto hier stehen lassen, ist es morgen früh leer geräumt oder vielleicht mitsamt Inhalt gar nicht mehr da.

Den Polizisten erklären wir schon mal, dass wir den Wagen nur auf einem gut beleuchteten Platz vor dem Büro abstellen und dass wir uns keinen Zentimeter vom Auto weg bewegen und hier schlafen werden.  Angesichts solch uneinsichtiger deutscher Touristen muss der Chef der Station noch mal kommen. Erst will er uns den beleuchteten Platz verweigern, dann sieht er nicht ein, dass wir die Nacht bei unserem Auto verbringen. Wir bleiben standhaft und rufen Elvira an. Sie wartet ja schon seit einer Ewigkeit auf uns und weiß noch gar nicht in welch misslicher Lage wir uns gerade befinden. Sie verhandelt mit dem OCPD-Chef telefonisch und erreicht, dass wir zumindest schon mal auf dem beleuchteten Parkplatz vor der Station stehen bleiben dürfen. Dann setzt sie sich ins Taxi und kommt gleich mal persönlich vorbei. Von den erhitzten Diskussionen verstehen wir meist nur Bahnhof (unsere Englischkenntnisse sind leider nicht ganz so ausgeprägt) aber schließlich ist klar, dass wir im Auto schlafen und morgen gleich ganz früh die Prozedur der Inspection erledigen, uns mit der Versicherung in Kontakt setzen und die Schadenregulierung abwickeln. Schließlich wollen wir ja noch an die Küste und diese Zeitverschwendung passt uns gar nicht!

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